Mittwoch, 5. März 2008

Privatisierte Krankenhäuser bedeuten den Tod

Im Handelsblatt ist ein Artikel erschienen, der die Folgen der Krankenhausprivatisierung seit 1991 bespricht: allein 1000 Herzinfarktpatienten starben nur wegen der Privatisierung. Wie das sein kann, erklärt die Studie, auf die das Handelsblatt sich beruft: in Gegenden, in denen mehrere Krankenhäuser gemäß dem neoliberalen Credo einen Wettbewerb ausfechten, steigt die Mortalitätsrate signifikant an. Gleiches gilt für Gegenden, in denen im allgemeinen ein besserer Lohn bezahlt wird als die Hungerlöhne der Krankenhäuser. Da im gnadenlosen Wettbewerbsdruck auf Leiharbeiter zurückgegriffen wird, um die Kosten zu drücken, sinkt die Qualität der Versorgung und besonders der Notfallmaßnahmen drastisch - mit bisweilen tödlichen Ergebnissen. Nachdem bereits die Privatisierung der Bahn nach mehreren spektakulären tödlichen Unfällen, einem Bankrott und einem verrotteten System rückgängig gemacht wurde, stehen nun auch die Krankenhäuser auf dem Prüfstand - während die einfallslosen Epigonen hierzulande nichts daraus lernen wollen und stattdessen mit dem Programm fortfahren wollen, als hätten sie den Schlüssel der Erkenntnis in Händen.

Kommentare:

  1. Vielleicht solltest Du noch darauf hinweisen, dass das ganze in England spielt. BEI UNS würde sich sowas so doch nie und nimmer nicht passiert *Ironie off*

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  2. Solange die höchste Maxime der Gesundheitspolitik bleibt, dass das größte Vergehen ist, Geld auszugeben, das man einsparen könnte und nicht, einen Patienten schlechter zu behandeln, als erforderlich ist, werden wir noch viele vermeidbare Tote zu betrauern haben.

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  3. In dem Zuge finde ich es besonders interessant, daß die Krankenkassen rund 1,8 Milliarden Überschuß erwirtschaftet haben und diesen sogar als Reserve anlegen können.

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  4. ... und Sie können dazu noch jährlich mindestens 80 Mio. (€ 1,-pro Versicherten) für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und die dazugehörige Telematik Infrastruktur ausgeben...

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  5. Auch die Privatisierung von Versorgungsunternehmen ist nicht so erfolgreich wie versprochen. So gibt es beispielsweise in Berlin aktuell Diskussionen um die Wasserversorgung, die in wenigen Jahren um ein Viertel teuerer wurde und in London um die verrotteten Leitungssysteme.

    Es gibt ein paar Geschäftsfelder, die einen Markt und dessen regulierende Kräfte nun einmal nicht zulassen. Wenn Monopole praktisch zwangsläufig entstehen, wie z.B. bei Wasserver- und Entsorgung, dann funktioniert die Privatisierung einfach nicht.

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  6. Ihr verkennt die Lage. Durch den Wettbewerb wird das Kranksein doch erst zum Erlebnis. "Der kranke Bürger will ja nicht nur behandelt werden, Ruhe haben und gesund wieder in seine viel zu kleine Sozialwohnung zurückkehren. [...] Wenn man später entscheidet, ob es sich überhaupt noch lohnt, ihm eine Operation zu verkaufen, dann erlebt er eine "Tour zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Tod und Leben"; merkt er, wie ernst es da Experten mit ihm meinen, weil sie fünf Minuten ihres Ärztedaseins dafür aufwenden, um über seinen weiteren Weg zu entscheiden."

    Ad sinistram:
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/03/erlebniswelt-krankenhaus.html

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