Montag, 10. März 2008

Von Lügnern und Aufrechten

Man stelle sich folgende Situation vor: die SPD hat gewaltig Stimmen gewonnen, die CDU verloren. Die SPD ist in der Lage, mit einer als "Schmuddelpartei" verschrieenen Partei die unpopuläre und desaströse schwarz-gelbe Koalition abzulösen. In diesem Prozess werden Wahlversprechen gebrochen, woraufhin einE SPD-MandatsträgerIn hinschmeißt und sagt, er/sie könne das nicht unterstützen.
Kommt bekannt vor, nicht? Die Geschichte ist in der jüngeren Vergangenheit gleich zweimal passiert. Einmal ein Männlein, einmal ein Weiblein. Ich erzähle sie einmal fertig.
Das Männlein ist in der unschöneren Position, denn die Wahlversprechen werden erst gebrochen, als die Regierung bereits im Amt ist. Er schmeißt als Konsequenz hin und verkündet, dass er den Wählerwillen so nicht brechen will. In der Folgezeit wird er in einer wahren Schmutzkampagne als Verräter und Feigling beschimpft.
Das Weiblein ist in der komfortablen Position, dass die Wahlversprechen schon vor der Regierungsbildung gebrochen werden. Sie erklärt, dass sie eine wahlversprechenbrechende Regierung nicht unterstützen könne. Ihre Partei bricht daraufhin fast zusammen. In der Folgezeit wird sie als Heldin, Aufrechte und Lichtgestalt in den Medien gefeiert.
Der Name des Männleins ist Oskar Lafontaine.
Der Name des Weibleins ist Dagmar Metzger.

An dieser Stelle endet die Geschichte; das Ziehen der Moral überlasse ich dem Leser. Ich persönlich halte weder Metzger noch Lafontaine für Verräter. Wirkliche Verräter sehen anders aus.

Kommentare:

  1. Womöglich wird Metzger lange Zeit an ihre "Heldentat" erinnert werden. Wenn wir bedenken, daß man Lafontaine heute noch vorwirft, er sei einst ein Feigling gewesen und habe das eigene Nest beschmutzt, dann können wir davon ausgehen, dass man in zehn Jahren noch auf die Metzger zeigt und sagt: "Das war die Heldin von 2008!" Mit einer Mainstream-Haltung schaffen es zuweilen auch durchschnittliche Karrieristen zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen erhoben zu werden.

    Die SPD sollte im Osten nachsehen, ganz weit im Osten... bei Gazprom. Dort sitzt einer der größten Parteiverräter. An diesem leidet die Partei heute noch. Der Schröderianische Geist schwebt noch immer über der SPD. Dieser erlaubt es Gestalten wie Metzger, dass sie sich als Parteihelden fühlen dürfen, weil sie ja das SPD-Dogma bewahren, dass nie SPD- sondern immer Schröder-Dogma war: Einführung und Bewahrung konservativen Geistes mit neoliberaler Schule gepaart, Ausgrenzung innerparteilicher Opponenten, elitäre Anbiederung an Union, FDP und Grüne.

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  2. Ist ja witzig. Zum Weltfrauentag habe ich ähnliches zu Metzger und Ypsilantig geschrieben.

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