Dienstag, 3. Februar 2009

Problemfall Schaeffler [UPDATE]

Man stelle sich folgendes Szenario vor: ich habe mir einige Aktien gekauft. Nun ist zugehörige Firma leider Konkurs, und ich pleite. Deswegen fordere ich vom Staat, dass er mir hilft. Nein, nicht Hartz-IV, ich hab noch 1000 Euro auf der Seite, kein Ding. Aber die gehören ja mir, und ich will das Geld für die Aktien wieder. Absurdes Szenario? Klar. Aber ich bin ja auch nicht reich, sondern nur ein kleines Licht. Ganz anders als Schaeffler.
Dieser dümmste Hedgefonds Deutschlands (Weißgarnix) hat sich monumental verzockt, und das war bereits vor der Krise absehbar, entsprechende Zeitungskommentare gab es zuhauf. Nun steht die Firma vor dem Aus, und frech wie Harry wird Staatshilfe verlangt. Warum eigentlich? Welche Verantwortung hat der Staat, einem Unternehmen aus der Patsche zu helfen, das sicherlich keine systemrelevante Funktion innehat, das perfekt gesund war und durch die unverantwortliche Gier seiner Betreiber in den Niedergang gelotst wurde? Einer Familie dazu, deren Reichtum aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer Bereicherung am Holocaust beruht? Mir fällt nichts ein.

UPDATE: Mein Parteibuch hat freundlicherweise auf mich Bezug genommen und schlägt eine Reihe sinnvoller Maßnahmen vor, die mir bisher nicht bekannt waren. Man lernt eben nie aus.

Kommentare:

  1. Seh ich ähnlich. Aber wie kommt man aus der Scheisse raus? Immerhin beschäftigen die 66.000 Mitarbeiter. Ansonsten wär der Fall klar.

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  2. Gute Frage. Ich fürchte, da hilft leider gar nichts. Man kann nicht jedes Unternehmen retten, das ist unmöglich.

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  3. Wir haben dazu einen ausführlichen Beitrag geschrieben: Alternative für HRE, Schaeffler und Co.

    Zitat:

    Das ist verblüffend. Nahezu die gesamte kritische Öffentlichkeit lässt sich von der Propaganda einlullen, die Veruntreuung von Steuergeldern in Form von milliardenschwerer Sozialhilfe für Milliardäre sei alternativlos und praktisch niemand kommt auf die Idee, zu fordern, dass einfach die bestehenden Gesetze angewendet werden.

    Die Bundesrepublik Deutschland verfügt über ein recht flexibles Insolvenzrecht, dass erst kürzlich gründlich modernisiert wurde. Dieses Insolvenzrecht erlaubt nach einer Insolvenz die Fortführung von wirtschaftlich dem Grunde nach gesunden Betrieben, die durch Überschuldung kaputt gewirtschaftet wurden.

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  4. Das ist so ähnlich wie die "Rettung" von Carl Zeiss Jena durch unseren "Super-Wirtschaftsberater" und Ex- Minister-Präsi Späth :
    Der bekam damals sooo viele Zuschüsse....

    Aber zum jetzigen Fall : Ist es nicht viel "billiger", allen (dann Ex-) Mitarbeitern Stütze zu zahlen und Madame Pleite gehen zu lassen ?

    Das einzige, was mir daran nicht gefällt, ist, das die armen Kerle H4 bekommen, statt einer
    vernünftigen Abfindung oder ....

    Was mir noch weitaus weniger gefallen würde, ist das Bailout auf Staatskosten....
    Das ist kein B., das ist größtmögliche Sauerei !

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  5. schnell oskar. sonst bleibt nix zum enteignen übrig.

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  6. @ Parteibuch: Starker Beitrag, sehr gut geschrieben. Konnte man was dabei lernen.

    Andererseits ist der Fall Schaeffler natürlich auch ein Extrembeispiel. Knapp 20 Milliarden Schulden zaubert auch ein Insolvenzverwalter nicht einfach weg. Zudem bleibt auch die Frage, an welcher Stelle man bei diesem Betrag kürzen soll. Die kleinen Zulieferer kann man wohl kaum belasten, die kriegen in den nächsten Monaten eh genug Probleme. Kann man den Banken das noch zumuten? Und: es muss eigentlich gleiches Recht für alle gelten, man dürfte nicht den einen Insolvent gehen lassen, während man den Anderen mit Geld vollpumpt. Interessant an dieser Debatte finde ich im Übrigen, dass niemand das Modell AG und Börse bemängelt. Und außer Geld verschieben ist auch noch nichts passiert.

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  7. Im Übrigen kann man gespannt sein, welche Schweinereien zur Zeit laufen. Ist doch interessant, wie schnell so ein Papst für Ablenkung sorgen kann.

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