Donnerstag, 12. Februar 2009

Ruhe vor dem Sturm

Jede gute Geschichte, die auf die eine oder andere Art vom Untergang handelt, kennt dieses Gefühl der Ruhe vor dem Sturm. Jeder weiß, dass noch irgendetwas kommt und die aktuelle Ruhe vollkommen unnatürlich ist und nicht lange anhalten kann. Es besteht eine gewisse surreale Atmosphäre, das Gefühl, dass die aktuelle Stimmung irgendwie unpassend ist. In den Geschichten bricht dann der Sturm (oder dasjenige, für was er als Metapher dient) über die Protagonisten herein. In der Realität ist das nicht zwingend, aber häufig der Fall.
Ich könnte mir vorstellen, dass in der FDP gerade eine solche Stimmung herrscht. Obwohl die FDP seit 1982 hemmungslos neoliberale Positionen vertritt und eigentlich als Mithauptverantwortlicher dieser Krise gelten dürfte, ist sie permanent der große Gewinner aller letzten Wahlen und rückt in die Nähe des noch 2002 als spinnert angesehenen Ziels 18%. Die SPD tut das auch, aber sie freut sich nicht ganz so darüber. Ich könnte mir vorstellen, wie Dirk Niebel und seine Crew die neuesten Umfragen reinkriegen, auf denen die FDP sich wieder einmal deutlich der 10% positioniert, ungläubig blinzeln und sich dann unsicher lächelnd ansehen. Alle schauen ein wenig betreten, wissen, dass sie sich eigentlich freuen sollten, aber verstehen den Grund nicht so recht. So muss sich jemand fühlen, der vor sich einen Patienten mit einer Allergie hat, ihm beständig das füttert worauf er allergisch reagiert - und der Patient hasst zwar das Mittel, aber er mag irgendwie doch den Doktor, weil er so nett aussieht, während er das Zeug in den Rachen stopft.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie derzeit so viele Leute ausgerechnet zur FDP überwandern. Die CDU findet nach all den Jahren endlich in die von ihr vielbeschworene Mitte zurück, und die Leute hören auf, sie zu wählen. Das ist als wenn Lafontaine plötzlich für die Abschaffung aller Sozialleistungen wäre und ihn die ganzen Arbeitslosen dann wählen würden. Total weird. Gleichzeitig gewinnt die einzige Partei, die überhaupt Alternativvorschläge hat (ob sie alle gangbar sind einmal dahingestellt) und deren Hauptkonkurrent Verantwortlicher in der ersten Reihe für die Misere ist nichts dazu und der Verantwortliche verliert nichts.
Das ist der Deutsche, würde Volker Pispers jetzt sagen. Das ist der Deutsche.

Siehe auch Rheinische Post.

Kommentare:

  1. Ich fürchte, die Wahlen werden keine Überraschungen bringen. Dafür sorgen die Privatmedien und ein durch sie verdummtes Volk.

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