Donnerstag, 13. Mai 2010

Afghanistan - die Gewalt nimmt zu

Bald neun Jahre ist es her, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten in Afghanistan einmarschiert sind. Neun Jahre, in denen das kriegsgeplagte Land nicht friedlicher und sicherer geworden ist, neun Jahre, in der die Zahl der getöteten Zivilisten, Soldaten und Aufständischen stetig gestiegen ist und ein Ende ist nicht in Sicht. Stattdessen sind aus Washington und Berlin zunehmend Durchhalteparolen zu hören.

Während in Washington Barack Obama den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai empfängt, tagten gestern in Berlin die Verteidigungsminister der am Einsatz beteiligten Länder. Unisono sprachen sie sich für die Fortsetzung  der dortigen „Mission“ aus, die Verteidigungsminister zu Guttenberg als „alternativlos“ bezeichnete. Auch sein Vorgänger Peter Struck schlägt in dieselbe Kerbe und sprach bei einer Diskussion mit Roger Willemsen von Erfolgen, die bei einem Abzug zunichte gemacht würden.

Ja welche Erfolge denn, Herr Struck? In immer mehr Regionen des Landes herrscht offener Guerillakrieg und einem Bericht des Government Accountability Office (GAO) zufolge, aus dem bereits letzte Woche in Stars and Stripes zitiert wurde, weiten sich die Kämpfe und damit auch die Verluste aus. Von 2008 auf 2009 stieg die Zahl der Taliban-Angriffe um 75 Prozent und von letzten September bis März diesen Jahres nahmen die Zivilverluste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 72 Prozent zu. Die Zahlen, die der GAO-Bericht nennt, stützen auch eine unlängst bekanntgegebene pessimistische Einschätzung des Pentagon, nach der im Zeitraum von Februar 2009 bis März 2010 die Gewalt um 87 Prozent angestiegen sei. Großartige „Erfolge“, Herr Struck, in der Tat!

In (un)guter deutscher Tradition wird mal wieder bis zum letzten Mann oder besser: bis zum letzten Afghanen gekämpft. Wir hier an der „Heimatfront“ werden es uns da nicht nehmen lassen, weiterhin als „vaterlandslose Gesellen“ und „Wehrkraftzersetzer“ unsere Meinung kund zu tun und gegen diesen illegalen Krieg zu „wühlen“ – das sind wir unserem Gewissen schuldig.

[fb]

(Anm. d. Red.: Eine deutsche Übersetzung des Stars-and-Stripes-Artikels als PDF findet sich drüben bei Luftpost. Herzlichen Dank an Wolfgang Jung für die Übersetzung und den Hinweis.)

Kommentare:

  1. Gerade lief "LEnin kam nur bis Lüdenscheid", interessant fand ich die Erinnerung an Vietnam, also das was man hier davon mitbekam und daß damals ebenfalls von "humanitärer Hilfe" die Rede war. Es war wie ein Deja-vu, unglaublich.
    Gruß die NannyOgg

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  2. Die Logik des Herrn Struck ist doch die: Wenn wir jetzt so einfach abziehen, dann anerkennen wir doch unseren riesigen Fehler! Erinnert immer mehr an den Vietnamkrieg, da ging es auch am Ende um die "Vietnamisierung des Krieges" und einen Abzug in Ehren - erst nochmal ordentlich aufrüsten und mehr Truppen stationieren...
    Der Ausgang 1974 ist ja bekannt, wird in Afghanistan ähnlich verlaufen - zudem immer öfter der sogenannte Bodycount Anwendung findet.

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  3. Kann man mit Krieg Frieden schaffen? Mit welchem Recht verfolgen wir unsere Interessen in Afghanistan (so wir denn Interessen dort habe)? Dahinter steckt die Arroganz, zu glauben, dass wir besser wissen als die Afghanen, was gut für ihr Land ist. Hat überhaupt mal jemand die Menschen vor Ort gefragt: "Was wollt Ihr? Was können wir tun, um Euch zu helfen? Wie können wir das Leid, dass wir über Euch gebracht haben mildern? Erzählt uns von Eurem Leben, Euren Sorgen, Eurer Kultur?" Aber unser Einsatz ist ja alternativlos, und offenbar kann Herr Guttenberg in die Zukunft schauen, und weiß genau, was nach einem Abzug in Afghanistan passieren wird. Und irgendwann wird man abziehen müssen. Gibt es einen trifftigen Grund zu glauben, dass die Situation in ein, zwei der fünf Jahren besser sein wird? Werden bis dahin alle Taliban katholisch geworden sein, und einsehen, dass der Westen das bessere Modell ist und sie auf dem falschen Dampfer sein? Wir werfen Euch solange Bomben auf den Kopf, bis ihr unsere moralische Überlegenheit erkennt! Was für ein Wahnsinn!

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  4. Tja, liebe Kommentatoren - auch mich erinnert es immer mehr an Vietnam und dazu habe ich ja in den ersten beiden Teilen meiner noch nicht abgeschlossenen "Sumpf-"Trilogie das Analogon gezogen:
    http://hanniballektor.wordpress.com/2009/11/15/im-sumpf/
    http://hanniballektor.wordpress.com/2009/11/24/aus-dem-sumpf/
    Mit dem dritten Part warte ich noch auf eine bestimmte Entwicklung und empfehle allen Interessierten und Friedensbewegten nochmals Daniel Ellsbergs Buch "Ich erkläre den Krieg".

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