Mittwoch, 12. Mai 2010

Von der Beliebtheit des Außenministers

Von Stefan Sasse

Gerade mehren sich ja wieder die Stimmen, die Westerwelle auf dem Außenministersessel für falsch besetzt halten und ihn wahlweise ganz abgeschossen oder in der Innenpolitik sehen wollen, sei es bei Maischberger oder in der SZ, nur um zwei Beispiele zu nennen. Begründet wird das gerne damit, dass er die schlechtesten Zustimmungswerte hat, die je ein Außenminister besaß. Was ist denn das für eine Begründung?! Welchen Sinn macht es denn, die Beliebtheitswerte zur Grundlage der Bewertung der Arbeit eines Ministers zu machen? Wählen wir eine Prom-Queen oder reden wir über den außenpolitischen Repräsentanten des Staates? 


"Beliebtheit" ist eine Kategorie, die bei früher bei der Wahl des Klassensprechers ausschlaggebend war. Wie viele Leute beschäftigen sich denn tatsächlich mit der Außenpolitik, wenn nicht gerade die BILD sie als großes Thema für eine intelligenzbefreite Kampagne entdeckt? Wie viele Leute können ernsthaft beurteilen, was da passiert? Westerwelle ist doch nicht unbeliebt, weil der eine schlechte Außenpolitik macht, sondern weil er ein menschliches Charakterschwein ist! Aber das allein disqualifiziert ihn nicht für das Amt, wenn er sich da zurücknimmt, was er ja tut - Rumproleten tut er ja, so schlau ist er dann doch, nur im Inland. 

Leute, wenn ihr wollt, dass Westerwelle zurücktritt, dann tut das bitte mit konkreter Kritik an konkreter Politik und nicht auf Basis eines Beliebtheitsrankings, das in etwa die Aussagekraft einer Forsa-Umfrage samt gegüllnerter Analyse dazu hat! Es gibt wahrhaftig genug Gründe dafür, Westerwelle wieder in das erfolgslose Anwaltsdasein zurückzuschicken, aus dem er an die Fleischtöpfe der Republik gekrochen ist, aber seine Beliebtheit gehört da bestimmt nicht dazu.

Kommentare:

  1. Ich muss allerdings anmerken, dass selbst bei einer Wahl wie Schulsprecherwahl Inhalte und Charisma eine Menge zählen können. Seinerzeit habe ich das Experiment gemacht, als einer der Schüler, die nun nicht gerade zu beliebten zählten - eher im Gegenteil, hehe. Das Ergebnis hat damals selbst mich völlig überrascht, als ich eben solcher zwei 'Beliebtheitsikonen' ausgeschaltet habe und Stellvertreter wurde.

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  2. Also bei uns wurde immer der/die Unbeliebteste zum Klassensprecher gemacht...

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  3. Der Grund für Westerwelles Unbeliebtheit ist ja auch nicht so sehr, dass er außenpolitisch eine schlechte Figur macht - so er tatsächlich in dem Zusammenhang in den Medien dargestellt wird, macht er eigentlich eine überraschend gute Figur. Unbeliebt ist Westerwelle, weil er es sich dennoch nicht nehmen lassen will, zur Innen-/Sozialpolitik herum zu stänkern und weiter die selbsternannten "Leistungsträger" gegen den "anstrengungslosen Wohlstand" aufzuhetzen, den der Sozialstaat angeblich verspricht.
    Normalerweise sind Innenminister doch gerade deshalb so beliebt, weil sie sich zu solchen Fragen nicht äußern müssen.
    Es ist nicht völlig frei von Ironie, aber so unsympathisch Westerwelle mir ist, in seiner Eigenschaft aus außenpolitischer Repräsentant Deutschlands hat er sich bisher gar nicht mal sooo schlecht gemacht. Wenn er nur zu allem außer Außenpolitik einfach die Klappe halten könnte...

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  4. Naja, dass er seine AUSSENpolitischen Verpflichtungen halbwegs unfallfrei hinter sich bringt, liegt weniger an ihm, als an der Fuehrung, die ihm das Ausswaertige Amt angedeihen laesst.
    Da koennen wir auch wirklich gleich den naechsten Superstar-Gewinner zum Aussenhans machen.
    Kueblboeck kann auch Texte die andere geschrieben haben vortragen und dabei einen positiven Eindruck machen.

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  5. Auf 2 Hochzeiten zu tanzen funktioniert nicht. Es funktioniert ebensowenig einen vegetarischen Imbiss zu betreiben und nebenan beim Schlachter die Blutwurst mit den Händen zu mischen.

    Manchmal sollte man auf den 2ten, 3ten oder 10ten Posten verzichten und nur eine Aufgabe erfüllen. Das scheint jedoch gerade im politischen Umfeld verpönt zu sein.

    Nicht umsonst sind in der Wirtschaft Nebenjobs genehmigungspflichtig und können zur fristlosen Kündigung führen.

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  6. "Leute, wenn ihr wollt, dass Westerwelle zurücktritt, dann..."
    Dazu fällt mir ein, dass die Kampagne eben genau so eingefädelt ist, dass man sschliessen muss, dass die Beliebtheitswerte keinen Grund für einen Rücktritt darstellen. Dann muss Gwido nicht zurück treten und man alle sachlichen Anwürfe lächerlich gemacht: Rücktritt würde ja nur wegen der Beliebtheitsskalenausschläge gefordert und dann siehe oben.

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