Samstag, 8. Mai 2010

Tag der Befreiung

Von Stefan Sasse

Heute ist der 8. Mai. In Frankreich ist das ein Feiertag. Hierzulande denkt man seit Weizsäckers Rede zum Tag der Befreiung des 8. Mais häufiger als solchem. An diesem Tag hörte der Spuk der Nazis in Deutschland endgültig auf, als die bedingungslose Kapitulation dem totalen Krieg ein passendes Ende setzte. Manche hatten bis zum letzten Tag fanatisch gekämpft, aber die meisten waren nach dem blutigen letzten halben Jahr des Krieges, der genausoviele Deutsche das Leben gekostet hatte wie die fünfeinhalb Jahre zuvor, einfach nur froh, dass es endlich vorbei war. 


Können wir den 8. Mai heute als Tag der Befreiung ansehen, wie es der Bundespräsident in seiner Rede 1985 tat und dafür scharf kritisiert wurde? Ist es nicht merkwürdig, von Befreiung zu reden, wo wir doch das Land waren, in dem die Kastrophe ihren originären Ausgang genommen hatte? Frankreich war befreit worden, Italien, Belgien und die Niederlande. Polen und Ungarn, Rumänien und die Ukraine auch, zu einem geringeren Grad, ersetzten die dortigen Befreier doch das eine Unterdrückungsregime durch das nächste. 
Es ist nicht ohne Brisanz, das zu tun. Es gehört zu der revisionistischen Ansicht, der sich auch Österreich erfolgreich bedient hat, dass wir doch alle Opfer der Nazis waren. In dieser Ansicht sind die Nazis kleine braune Aliens, die 1933 nach Deutschland kommen und 1945 mit einem Schlag wieder im Weltall verschwinden, nicht ohne die Leiche ihres Anführers in einem Loch vor einem Bunker mit Kerosin übergossen verbrennend zurückzulassen. Von einem Tag der Befreiung zu reden heißt also auch, den Befürworternd es Revisionismus das Wort zu reden, die einen Schlussstrich ziehen und die Mehrheit der Deutschen entlasten wollen. 
Das will ich nicht. Am 8. Mai endete das Nazi-Regime vollständig, das ist sicherlich wahr. Und es war eine Befreiung, ja. Es war aber keine Befreiung, wie es das beispielsweise in Frankreich war, das von fremden Besatzern befreit wurde. Deutschland befand sich nicht wider Willen in den Klauen der Nazis. Oh, kein Zweifel, die Mehrheit der Menschen hätte im März 1945 den Nazis lieber heute als morgen hinterhergespuckt. Aber den Großteil der braunen Herrschaft hatten sie das nicht. Deutschland wurde also Subjekt einer negativen Befreiung, einer Befreiung von etwas, aber nicht zu etwas. Es lieferte sich vollständig der Gnade der Sieger aus, die zu unserem Glück deutlich freundlicher waren, als man es verdient und erwartet hatte. 

Sollte der 8. Mai heute in Deutschland gedacht werden? Ja, sollte er. Er sollte ein Gedenktag sein. An diesem Tag endete das Naziregime, und für seine Niederlage können wir heute nur dankbar sein. Auf eine absurde, zynische, verdrehte, grausame Weise erwies es sich als spätes Glück der Deutschen, bis weit nach 5 nach 12 gekämpft und diese Opfer erlitten zu haben. Niemals wieder erhob der Nationalsozialismus sein widerliches Haupt, zu offensichtlich war seine Niederlage. Die Neonazis von heute sind ein lächerlicher Haufen Glatzen, die ausländerfeindlich sind und mit der Nähe zur NS-Zeit spielen, um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben und weil ihre intellektuellen Kapazitäten nicht ausreichen, um die damaligen Geschehnisse zu erfassen. Doch der Nationalsozialismus verendete damals in den Ruinen der deutschen Großstädte und dem Todeszucken einer deutschen Gesellschaft, die danach nie wieder dieselbe sein sollte. Gedenken wir der Opfer von damals und sind froh, dass wir in besseren Zeiten geboren sind.

Kommentare:

  1. Diese Kanzlerin beweist, wie wenig sie den 8.Mai einordnen kann und will.
    Dieser 8. Mai war nicht nur ein Tag der Befreiung für unser Land - was ich glaube, bis zum heutigen Tage nicht so empfunden wird - nein, Europa und die Welt atmete auf.

    Was macht diese unterwürfige Kanzlerin daraus? Einen Holocaust-Gedenktag.
    http://www.sueddeutsche.de/,tt5m1/politik/522/510640/text/

    Kein Wort über die mehr als 20 Mio. Toten, ermordeten Russen, kein Wort über die Toten, ermordeten Menschen in den anderen besetzten Ländern.
    Es widert mich an.

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  2. Der Faschismus erhebt sein hässliches Haupt mehr denn je! Zur Erinnerung:

    Ankriffskriege (NATO)
    Pausenlose Propaganda voller Lügen
    Beschneidung der individuellen Rechte
    Bespitzelung, Rendition, Folter und Todesstrafe
    und, und, und....

    Aber wenn man büßend in der Vergangenheit festhängt, kann man natürlich nicht sehen, was JETZT passiert.

    Und nein. Deutschland wurde nicht "befreit". Deutschland wurde besiegt. Und das spürt man noch heute...

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  3. Ob man den 8/9 Mai 1945 als Tag der Befreiung oder aber der Niederlage ansieht hat schon immer von der eigenen politischen Ausrichtung desjenigen Deutschen abgehangen, welcher über diesen Tag nachdenkt.
    Ein absolut objektives Kriterium, welches grundsätzlich für jeden damaligen und heutigen Deutschen zu gelten hätte kann es in dieser Frage einfach nicht geben.
    Allein schon die riesige Zahl der damaligen Mitläufer, Mitmacher, Durchhalter und Fanatiker verbietet so ein objektives Kriterium, ebenso aber auch die selbst noch heute kontroversen Diskussionen über diese Frage.
    Wir Nachgeborenen mit der Gnade der späten Geburt(Helmut Kohl) dürfen dann von einer Befreiung sprechen, wenn wir fest auf dem Boden der Freiheit, allgemeiner demokratischer Rechte, oder ganz kurz ehrlich und rückhaltlos auf dem Boden FDGO stehen, ebenso dürfen alle von Befreiung sprechen, welche einer Art Sozialismus wie auch immer anhängen.
    Dagegen können alle heutigen Anhänger einer mehr national-authoritär ausgerichteten Staatsverfassung wie z.B. NPD; DVU, Republikaner, rechts-konservative FDPler, CDUler, CSUler, manche rechte Sozialdemokraten auch weiterhin mit voller Berechtigung - in ihrem Sinn - von einer Niederlage sprechen dürfen.
    Zugegeben, eine recht jesuitische Herangehensweise an dieses schwieriges Datum, aber in unserem deutschen Fall sicherlich angemessen.
    Der Rest Europas dürfte dagegen mit dem Begriff Berfreiung kaum Probleme haben, von den Kollaborateuren während der NS Besatzung mal abgesehen.

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  4. Ich schmeiß ja auch immer gern unqualifiziert Begriffe rum, aber "Faschismus" ist im Zusammenhang mit der NATO und der Kriegsführung in Afghanistan unangebracht.

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  5. Würdest du es "imperialistisch" nennen, könnte ich dir noch halbwegs zustimmen. Aber mit Faschismus hat es halt echt gar nix zu tun. Kampfbegriffe in allen Ehren, aber wenigstens grob passen sollten sie.

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  6. "Würdest du es "imperialistisch" nennen, könnte ich dir noch halbwegs zustimmen. Aber mit Faschismus hat es halt echt gar nix zu tun. Kampfbegriffe in allen Ehren, aber wenigstens grob passen sollten sie."

    Ja, nicht wahr, das darf man doch nicht so nennen. Es ist hässlich und ein für alle mal auf die Nazis bezogen... Heute ist es ganz anders... Das war damals... Deutschland ist befreit worden und jeder, der das anders sieht, ist ein öder Nationalist... Und Afghanistan, Irak und Gaza sind gerechte Kriege... allerhöchstens ein wenig imperialistisch... und die Propaganda ist doch gut gemeint...und überhaupt: The winner is no sinner.

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  7. Denen, die wirklich keine Ahnung von Geschichte haben, empfehle ich immer das Buch von Guido G. Preparata "Wer Hitler mächtig machte".

    http://www.amazon.de/Hitler-m%C3%A4chtig-machte-Guido-Preparata/dp/390756474X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1273392882&sr=8-1

    Obwohl man ja auch ohne Preparata schon etwas gehört haben sollte von den merkwürdigen und einflussreichen Förderern, die dieser 1928 noch völlig bedeutungslose Hitler in England und den USA hatte. Zum Beispiel den Chef der Bank von England.

    Und jetzt erinnern wir uns noch an die Weltwirtschaftskrise, die 1933 Hitler an die Macht half, ohne den Reichtstagsbrand zu vergessen, der ja auch so komische Hintergründe hat, dass dafür bis heute ein armer Verrückter schuldig sein soll.

    Gleich gegenüber nächtigte angeblich krankheitshalber ein Putzi Hanfstaengl, ein früher Förderer Hitlers, der vom US-Militärattaché ganz am Anfang auf den Adolf angesetzt wurde und dem erst mal die ersten Auftritte in besserer Gesellschaft ermöglicht hat.

    Aber all das ist eine verheimlichte Geschichte, weil wir doch aus der Geschichtsschreibung der Angloamerikaner wissen, dass alle Deutschen und nur die an Hitler schuld sind, weil die dem vor Kriegsauisbruch wegen Vollbeschäftigung und so auch mal zugejubelt haben, wenigstens einige, die Goebbels an der Straße hat filmen lassen.

    Und dann noch die bösen Deutschen, die alle den totalen Krieg wollten. Behaupten wenigstens unsere Historiker, auch wenn nur wenige PG dem Goebbels damals das zum Ausdruck bringen konnten, mangels Platz für das ganze Volk in der Halle.

    Also lest mal den Preparata.

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  8. Ich lass mir bestimmt nicht vorwerfen, revisionistisch sein. Wenn man das Etikett "Faschismus" einfach überall aufklebt, wenn es einem gerade passt, verliert der Begriff jegliche Schärfe. Es ist wie das Rufen nach dem Wolf, wenn keiner kommt. Irgendwann gibt es wirklich wieder Faschisten, und dann sagt jeder "jo klar, das sind nur so n paar CDUler die Krieg spielen wollen". Davon einmal abgesehen relativiert es die damaligen Geschehnisse, wenn man die CDU und die SPD mit den Nazis in einen Topf wirft. Es ist weder zutreffend noch zielführend, es ist schlicht Quatsch.

    Und dass Hitler Spenden erhalten hat, weiß jeder. Aber das reduziert die Schuld der Deutschen nicht. Die FDP kriegt auch Spenden, aber gewählt wird sie immer noch von Lieschen Müller nebenan. Es ist keine Entschuldigung, dass die Leute mehr Werbung machen. Wenn du das staatsbürgerliche Recht in Anspruch nimmst, wählen zu gehen, dann hast du auch die Pflicht dich vorher zu informieren. Außerdem liegt meines Erachtens nach die Schuld der Deutschen weniger in der Wahl Hitlers selbst als darin, ihn so lange unterstützt und nie bekämpft zu haben.

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  9. Das, was gerade in der westlichen Welt - USA und Europa - passiert IST Faschismus. Aber wie ich schon geschrieben habe, hängen die meisten Leute in der Vergangenheit fest, z.B. bei den Nazis, und sehen nicht, was jetzt gerade ist. Es ist ja auch viel einfacher, irgendjemand in der Vergangenheit die Verantwortung zuzuschieben, obwohl das heute absolut irrelevant ist. Relevant ist nur heute...

    Und heute erhebt der Faschismus wieder - und deutlich - seine hässliche Fratze. Europa hat einen Präsidenten, der einfach eingesetzt wurde und der nicht abgesetzt werden kann, jedenfalls nicht durch das "Volk". Im Lissabonner Vertrag wurde auch klammheimlich die Todesstrafe eingeführt, für Terroristen wie sie sagen. Aber wie schnell ist man ein Terrorist? Andere Punkte habe ich schon einwähnt...

    Wir, die Deutschen, führen einen vollkommen illegalen Krieg in Afghanistan, töten ohne Not Kinder, Frauen und Männer, obwohl wir, das Volk, das nicht wollen. Wer bestimmt? Die Nato ist nur ein Handlanger der US/Israelischen Machtgelüste und wir praktizieren second hand Faschismus sozusagen...

    Ach, und der Euro, der gerade von denselben Leuten angegriffen wird, welche auch die Kriege anzetteln, die Krisen bewerkstelligen und in Irland und Spanien neue Schandtaten aushecken. Das könnte leicht von der überwältigenden Zahl des "Volkes" verhindert werden. Dummerweise sieht das Volk nicht, was geschieht. Nicht einmal die "Freidenker"!

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  10. oh maaaaaaaaan.

    Selbst wenn man mal den verschwörerischen Unsinn Ernst nehmen würde, ist das was du beschreibst KEIN Faschismus.
    Ich empfehle einen Blick in das Lexikon deiner Wahl.

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  11. Ganz genau. Die von dir beschriebene Entwicklung existiert und wurde von mir auch beständig kritisiert. Nur - mit Faschismus hat sie einen feuchten Furz zu tun. Ich bin Historiker, und als solcher hab ich gelernt, dass Begriffe trennscharf verwendet werden müssen, weil sie sonst keine Erklärungsfunktion haben.

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  12. Da hat der Stefan schon recht, das ist kein Faschismus. Allerdings hat die NATO durchaus zeitweise den Faschismus bzw. seine Anhänger gefördert, nämlich im Rahmen der Strategie der Spannung. "Gladio" bzw. "Stay-Behind" dürften einigen ja geläufig sein (ansonsten verweise ich auf meinen Artikel zum Staatsterror der NATO http://denkreiz.de/126/der-staatsterror-der-nato/ ). Die Aussage von Vinciguerra passt auch gut ins Bild:
    "Man musste Zivilisten angreifen, die Menschen, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit von jeglichem politischen Spiel entfernt waren. Der Grund war ganz einfach. Sie beabsichtigten, diese Menschen, die italinische Öffentlichkeit dazu zu bringen, sich an den Staat zu wenden, um höhere Sicherheit zu fordern. Dies ist die politische Logik, die hinter all diesen Massakern und Bombenattentaten steht, die ungesühnt bleiben, weil der Staat sich nicht selbst schuldig sprechen kann oder sich selbst für das, was geschehen ist, verantwortlich machen kann."

    Ich bin zwar sehr dafür, Begriffe trennscharf zu verwenden, um einer Verwässerung vorzubeugen, dabei sollte man allerdings nicht etwaige Überschneidungen aus den Augen verlieren. Und ich kann auch gut verstehen, wenn einigen bei den ungesühnten Verbrechen der NATO-Armeen der Hut hochgeht.

    Gruß,
    Franse

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  13. Möglicherweise ist Autoritarismus der passendere Begriff für das, was heute in der Welt passiert, denn letztendlich gibt es keine Ideologie hinter diesem sinnlosen Tun, sondern nur die Bereicherung einer kleinen Gruppe, die sich die Politiker sozusagen zu Diensten gemacht hat. Das ist mindestens so unangenehm wie Faschismus, nur schwerer zu erkennen, denn mit den Säbeln wird nur "auswärts" gerasselt. Im Innern wird das Volk ganz einfach nur langsam entmachtet und noch langsamer enteignet.

    Die Begriffe sind mir völlig egal. Das, was jetzt passiert, ist mindestens so schrecklich wie das, was "früher" gemacht wurde. Und das, was beabsichtigt ist, übertrifft die schlimmsten Alpträume... Aber, wie gesagt, man kann das Blatt immer noch wenden, sofern man die Zustände erkennt.

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  14. Ich denke eh, dass es ein großes Problem ist, dass man kein einfaches Schlagwort hat, das diese Zustände gut bezeichnet. "Neoliberalismus" verfängt (noch?) nicht in der Mitte der Gesellschaft, "Faschismus" ist zu abstrus angesichts realer faschistischer Systeme der Vergangenheit, "Schock-Kapitalismus" bzw. "Turbo-Kapitalismus" auch oft belächelt... Ich denke, wenn sich da was finden ließe, worauf sich die meisten einigen könnten, hätte man PR-technisch schon mal gut den Fuß in der Tür.

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  15. Stefan Sasse:
    "Und dass Hitler Spenden erhalten hat, weiß jeder. Aber das reduziert die Schuld der Deutschen nicht."

    Letztens habe ich irgendwo treffend gelesen, dass es nur im Falle der Deutschen so zu sein scheint, dass "die Deutschen" Schuld am 2. Weltkrieg hätten.

    Der Hussein war böse, nicht die Iraker. Osama ist böse, nicht die Afghanen. Wieso wird bei den Deutschen immer die ganz große Keule herausgeholt? Wieso hält man uns nach über siebzig Jahren immer noch alle für Nazis? Wie jetzt in Griechenland.
    Mein Großvater war auch im Krieg, aber sicher kein glühender Verehrer von Herrn Hitler. Aber wen hätte er anders wählen können?

    Sicher war es eine Befreiung für das deutsche Volk. Die Ursachen und die Folgen der Siegerjustiz einmal außen vor gelassen. Aber ich finde es reicht langsam, unserer Generation immer und überall diesen Tyrannen vorzuhalten.

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  16. Prinzipiell wäre das das thema für einen eigenen Beitrag, deswegen nur kurz. Die Deutschen, die nach 1921 geboren sind, können nur wenig Schuld haben. Diejenigen, die nach 1930 geboren sind eigentlich keine. Aber die anderen, die schon.

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