Montag, 24. November 2008

Kuriose Begründungen

Wie ihr sicherlich alle mitbekommen habt, haben somalische Piraten einen saudischen Öltanker gekapert. Hierzulande wird das von Schäuble und seinen Spießgesellen zum Anlass genommen, unsere Bürgerrechte zu demontieren und endlich die Trennung zwischen Polizei und Militär aufzuheben. Es steht zu hoffen, dass das nicht gelingen wird.
Interessant ist aber, dass die Piraten für ihre Lösegeldforderung von wohl über 25 Millionen Dollar eine Begründung abgegeben haben; sie sorgen sich wohl um ihr Image. Wie SpOn berichtet:

Die somalischen Piraten haben sich ihrerseits einer Zeitung zufolge über die horrenden Kosten beschwert, die mit der Entführung des saudi-arabischen Supertankers verbunden gewesen seien. Die Verschleppung der "Sirius Star" habe 500.000 Dollar verschlungen, sagte Dschamii Adam der arabischen Zeitung "Asharq al-Awsat". Der Betrag sei für Gehälter und Hinweise ausgegeben worden. Daher sei das geforderte Lösegeld auch keineswegs überzogen. (Quelle)

Im Artikel wird dies als "kuriose Begründung" bezeichnet. Kurios? Kurios ist alleine die Einschätzung der Begründung als kurios, denn die Begründung begegnet uns tagtäglich. "Um den steigenden Kosten entgegenzuwirken mussten wir, leider, leider, die Preise erhöhen..." Nicht nur die Schienenpiraten der Deutschen Bahn triezen den Bürger mit diesen Sprüchen, auch anderweitig in der kapitalistischen See befindliche Freibeuter nutzen die Begründung allzu gerne, besonders das bekannte Piratennest "Stromkonzerne".

Man muss nicht gleich so weit gehen wie Weißgarnix und im Piratenwesen die Lösung aller Arbeitslosenprobleme sehen (handelt es sich doch offenkundig um einen boomenden Markt mit starken Expansionschancen). Es ist nur auffällig, dass der Kapitalismus wahrlich "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen ist, wenn selbst Piraten sich kapitalistische Begründungen für ihre Lösgegeldforderungen überlegen.

Kommentare:

  1. Du hast die Gasversorger vergessen... eigentlich so gut wie jeden privatisierten Wirtschaftszweig... mit Ausnahme der Telekommunikationswirtschaft

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  2. Ist die Piraterie nicht eine Abart vom Kapitalismus oder umgekehrt der Kapitalismus eine Abart der Piraterie? Wie dem auch sei, "Kapital-Verbrechen" begehen sie beide und es ist abartig, was der anarchisch gewordene Kapitalismus derzeit weltweit anrichtet. Das bißchen Gesetzlosigkeit vor den Küsten von Somalia fällt da kaum auf.

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  3. Noch kurioser ist die Aussage der somalischen, islamischen Milizen, die normalerweise die Piraten decken:
    "... Die Islamisten zeigen sich empört darüber, dass das Schiff eines muslimischen Landes angegriffen worden war." http://www.tagesschau.de/ausland/piraten166.html

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