Dienstag, 16. Februar 2010

Von der Unbequemlichkeit des Grauens

Bischof Walter Mixa, bereits in der Vergangenheit für interessante wie unterhaltsame Statements zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen bestens bekannt, hat sich nun bezüglich der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet. Er macht auch schnell einen Schuldigen für die Misere aus. Natürlich nicht Kirche und Zölibat, wo kämen wir denn da hin (obgleich ich von der Theorie auch wenig halte): es ist die sexuelle Revolution!
"Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig", sagte Mixa in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen.
Ich kann mich an niemanden erinnern, der in der Debatte gefordert hätte, Pädophilie straffrei zu stellen. Dazu kommt, dass selbst wenn es so jemanden gegeben hätte, es unglaubwürdig erscheint, dass ausgerechnet Priester einer erzkonservativen Bastion sich für diese Ideen erwärmen und sie an Stelle ihres Seelenfriedens eintauschen würden. Es wird allerdings noch besser:


Leise Kritik äußerte der Bischof am Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen: Er räumte ein, dass Verantwortliche in der Vergangenheit gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen "zu blauäugig" waren. Doch auch dafür macht er gesellschaftliche Fehlentwicklugen verantwortlich: "Da sind kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im Bereich des staatlichen Strafrechts Resozialisierung statt Strafe propagierte.“
Ich verstehe nicht ganz, was Mixa damit sagen will. Möchte er sagen, dass die Priester härter bestraft werden sollten? Ich glaube nicht. Meint er, dass die Abschaffung der Todesstrafe ein incentive sei, zum Pädophilen zu werden? Ich werde einfach nicht schlau aus diesen Leuten. In der katholischen Kirche fristen Menschen ein Dasein, die offiziell die Menschen lieben wollen, aber in Wirklichkeit ein Weltbild vertreten, in dem die Aufklärung noch immer als Betriebsunfall der Geschichte angesehen zu werden scheint. Von humanen Leitbildern und Ähnlichem ist diese Kirche jedenfalls weit entfernt, und es ist wirklich an der Zeit die von den bayrischen Grünen zaghaft angestoßene Diskussion über eine bessere Trennung von Staat und Kirche wieder in Fahrt zu bringen. Die Grünen haben eh meine Bewunderung dafür, dass sie sich stets so konsequent mit dem Klerus anlegen.

Allerdings halte ich das schlichte Verantwortlichmachen des Zölibats als Erklärung nicht für ausreichend. Wer sich am Zölibat stört, kann jederzeit eine heimliche Beziehung führen; die Kirche unterhält sogar eigene Fonds für die unehelich geborenen Kinder. Die Idee, dass jemand, dem heterosexuelle Kontakte offiziell verboten sind, stattdessen zu den noch viel stärker geahndeten homopädophilen Alternativen greift, ist einfach absurd. Der Grund für die hohe Zahl solcher Missbrauchsfälle ist in meinen Augen viel banaler, und es ist derselbe, warum man auch immer wieder von Lehrern mit derartigen Übergriffen hört:
Wer tatsächlich ein Begehren in diese Richtung verspürt, wird, bewusst oder nicht, versuchen sich in diese Richtung zu orientieren. Und in Stellen, an denen man mit Kindern zu tun hat, geht das relativ leicht. Dabei gehören Jobs wie Priester, Lehrer und ähnliches einfach dazu. Risikofreudige Naturen sind unter Extremsportlern ja auch häufiger als unter Anglern. Das ist einfach eine statistische Tatsache, die mit einer überkommenen und veralteten Einrichtung wie dem Zölibat recht wenig zu tun hat.

Stefan Sasse


Kommentare:

  1. Ok spätestens jetzt ist es klar:

    Mixa ist das Zölibat zu Kopf gestiegen und er ist endgültig dem Altersschwachsinn erlegen.
    Herrgott, wo bleiben die Scharen an Beratern, die ihm einfach mal nahe legen die Fresse zu halten?

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  2. Aber eins muss ich noch loswerden:
    Grundsätzlich hast du schon recht, dass es Menschen mit dieser Neigung eher dahin zieht, aber dann frage ich mich: Warum immer die katholische Kirche?

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  3. Ich denke das hat mehrere Ursachen. Die zentrale Struktur, die so etwas begünstigt, die abgeschiedene Männerbündelei und, vor allem, die Ministranten. Die sind ja die "Hauptquelle" für Kinder und Jugendliche, die sich in der Kirche engagieren, und die gibt es IMHO bei den Wüstgläubigen nicht.

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  4. nein, bei uns wüstgläubigen hieß das kinderkirche :-P

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  5. Bischof Mixa ist der Guido Westerwelle der katholischen Kirche.

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  6. Gegen Mixa ist Westerwelle ein toleranter Kommunist, der sich für nichts anderes als den Weltfrieden einsetzt.

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  7. Ich glaube auch nicht, dass es das Zoelibat ist.

    Als ehemaliger Katholik mache ich da eher die ganze verlogene und heuchlerische Athmosphaere verantwortlich, die in dieser "Glaubensgemeinschaft" herrscht!

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  8. Lieber Oeffinger Freidenker,

    du solltest erstmal unterscheiden zwischen Pädophilie als Sexualpräferenz, und tatsächlichem Kindesmissbrauch. Sexueller Kindesmissbrauch findet nämlich nur zu einem geringen Teil (Wikipedia spricht von 12-20%) durch Pädophile statt; umgekehrt werden die meisten Pädophilen auch nicht straffällig werden (da habe ich aber keine Zahlen).

    Ich halte durchaus das Zölibat für den Hauptgrund, denn so einfach ist das nicht, eine heimliche Beziehung zu unterhalten. Vor allem ist das eine geplante Handlung. Ich vermute, der Kindesmissbrauch in der Kirche entsteht spontan, eben weil sich häufig Gelegenheiten ergeben. Für ursächlich halte ich dabei aber das Zölibat, nicht entsprechende Neigungen.

    Es wäre aber sehr wohl interessant, zu untersuchen, ob Pädophile sich tatsächlich überdurchschnittlich für den Priester- oder Lehrerberuf entscheiden.

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  9. Ein an sich schöner Artikel. Nur mit dem Wort "homopädophil" begibt sich der Autor auf das Niveau der BILD.
    homo - wie in -sexuell - hat mit Pädophilie in erster Linie mal NICHTS zu tun.

    Wenn man Statistiken mal genauer liest, wird man feststellen, das der Prozentsatz geouteter Schwuler, die Kinder mißbrauchen, verschwindend gering ist. Der großteil findet von Männdern statt, die sich, wenn befragt, als heterosexuell bezeichnen würden.
    Mit solchen Wortkonstruktionen wird einem Vorurteil vorschub geleistet, welches imho fürchterlich ist!

    Ungeachtet dessen: Wie die Spiegel-Titelgeschichte der letzten Woche darlegt: Wer zu einem Leben komplett ohne Trieb-Ausgleich verdammt ist (Sogar Onanie ist Sünde), der baut irgendwann Mist.
    Und dieser Mist trifft leider die, die sich am wenigsten wehren können. Und das sind eben Kinder.

    Und das hat nichts mit Hetero oder Homo zu tun!

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  10. Schöner Artikel - gehört in die Zeitung!

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