Der britische Autor Chris Clarke hat in seinem Substack "Parables" eine Essayreihe mit dem Titel "Notes on Trust" geschrieben. Ich wollte sie zuerst im Vermischten verlinken, fand aber die Analyse, obwohl sie sich auf die britischen Verhältnisse bezieht, derart relevant und gut gelungen, dass mich stattdessen entschied, Chris direkt zu kontaktieren und ihn zu bitten, sie übersetzen zu dürfen. Er hat mir das freundlicherweise genehmigt. Der dritte Teil der Serie findet sich im Folgenden, die weiteren Teile werden in den nächsten Tagen online gehen. Chris hat sich zudem bereit erklärt, im Podcast der Bohrleute mit mir über seine Thesen zu sprechen.
Ich habe kürzlich zwei Beiträge über Vertrauen geschrieben. Im ersten vertrat ich die These, dass der Rückgang des politischen Vertrauens nicht auf zunehmendes Fehlverhalten oder schlechtere Regierungsarbeit zurückzuführen sei, sondern auf ein Umfeld, in dem Fehlverhalten und Versagen mit größerer Wahrscheinlichkeit aufgedeckt werden. Im zweiten Beitrag baute ich darauf auf und argumentierte, dass der Vertrauensverlust maßgeblich durch die intensive öffentliche Aufmerksamkeit des Informationszeitalters beeinflusst werde.
Dieser dritte Teil untersucht diese These ausführlicher und greift dabei auf einige internationale Vergleiche zurück. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Idee des Moynihan-Gesetzes (Moynihan’s Law) im Zusammenhang mit politischem Vertrauen. Diese dem demokratischen US-Senator Pat Moynihan zugeschriebene Maxime lautet:
„Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen in einem Land verhält sich stets umgekehrt proportional zur Zahl der von dort gemeldeten Beschwerden über Menschenrechtsverletzungen. Je mehr Beschwerden öffentlich geäußert werden, desto besser sind die Menschenrechte in diesem Land geschützt.“