Donnerstag, 21. Januar 2021

Transatlantiker gendern die Polizei in Georgia auf Facebook und landen vor Gericht - Vermischtes 21.01.2021

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) Auch durch Astronautinnen ändert sich nicht alles

Ich stimme Stokowski völlig darin zu, dass die Gegenargumente (ablenkend, sprachästhetische Probleme, etc.) letztlich vorgeschoben sind. Diese Sprachkritik ist letztlich immer die Frontseite eines tiefer gehenden Problems, das jemand mit dem entsprechenden Phänomen hat. Nehmen wir als Beispiel einmal die vor etwa 15 Jahren verbreitete moral panic, die selbst ernannte SprachschützerInnen vor Anglizismen aller Art hatten. Was wurde da nicht in aufgeregtesten Tönen der "Service-Point" der DB attackiert und sich über Anglizismen in Werbung und Alltagssprache echauffiert (während "echauffiert" vermutlich als alt-ehrwürdiger deutscher Wortbestand galt).

Auch da waren die Argumente um Verständlichkeit und Ästhetik letztlich Symptom des zugrundeliegenden Unbehagens, das die KritikerInnen mit dem Phänomen hatten, das wahlweise der amerikanische Einfluss (Anti-Amerikanismus geht in Deutschland immer), der Kapitalismus oder einfach nur das Alt-Ehrwürdige nicht schätzende Jugend war. Ob links, ob konservativ, ob rechts, für jeden war etwas dabei, anhand dessen man sich über die Phänomene der Sprache ärgern konnte. So ist es letztlich auch mit dem Gendern. Genauso wie die Anglizismen mittlerweile deutlich stärker die Alltagssprache durchsetzen als ehedem, so wird sich auch das Gendern weiter festsetzen und verbreiten - allen immer gleichen Kritiken der Sprachästhetik zum Trotz.

2) What 'Blue Lives Matter' was always about

But this obscures a deeper reality about the far right's relationship to the police. What they really think came out in a comment from one of the putschists overheard by reporter Andrew McCormick, who covered the putsch for The Nation: "This is not America," a woman said to a small group, her voice shaking. She was crying, hysterical. "They're shooting at us. They're supposed to shoot BLM, but they're shooting the patriots." [...] In other words, the Trumpist right thinks the police are on their side in their war against American democracy — that they are supposed to be fascist storm troopers like themselves. And indeed, we saw during the putsch that there were a considerable number of Capitol Police who were reluctant at best to do their jobs, taking selfies with the mob or giving them directions, while at the same time there were a whole bunch of off-duty cops and current or former members of the military among the putschists. [...] There can be no better encapsulation of what Blue Lives Matter really stands for than the image of a self-described "patriot" beating a police officer with an American flag because he was defending the national legislature from an attempted putsch. Patriotism, to these people, means "I get to enforce my will on you, and if you resist I will kill you." Their appropriation of American symbols and constant use of patriotic lingo obscures the fact that they loathe the United States as it actually exists — its democratic system (however flawed), its diversity (however unequal), and its civil liberties (however threadbare). What they want is plainly something like the old Jim Crow South — an authoritarian, one-party apartheid state, with a racial caste system enforced by terror — except this time enforced across the entire country, and with Donald Trump as president for life. (Ryan Cooper, The Week)

Der identitätspolitische Komplex der "Law&Order"-Politik drehte sich noch nie um den Rechtsstaat. Dasselbe gilt ja auch in Deutschland, wo die entsprechenden Phänomene zwar bei weitem nicht so extrem und gewalttätig, in ihrer Natur aber völlig vergleichbar sind. Das Beschwören von Polizei und und deren Gewaltanwendung (in Deutschland gerne als "ganze Härte des Rechtsstaats" verbrämt) gehört zum festen Vokabular des ritualisierten politischen Diskurses. Es geht nicht um Rechtsstaatlichkeit, sondern darum, die Polizei als Werkzeug oder Waffe zur Durchsetzung, Herstellung oder Verteidigung einer bestimmten Gesellschaftsordnung zu sehen, die man für sich selbst wünscht. Auch die Nazis hatten kein Problem, Recht und Ordnung zu beschwören, während ihre SA-Schlägertrupps Straßenschlachten veranstalteten. Was sie meinten war, IHR Recht und IHRE Ordnung durchzusetzen - auf Basis des Rechts des Stärkeren. Das allerdings hat mit Rechtsstaatlichkeit nicht viel zu tun. Wir sehen das ja auch in der Flüchtlingspolitik, wo die gleichen Leute, die mit Grabesstimme Angela Merkels "Rechtsbruch" bei der "Öffnung der Grenzen" beklagt haben, überhaupt kein Problem mit illegalen Pushbacks und jeder Menschenrechtskonvention spottenden Flüchtlingslagern haben.

3) Georgia Was A Disaster For Republicans. It’s Not Clear Where They Can Go Next.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.