Samstag, 12. Juli 2008

Brutalster Angriff auf die Tarifautonomie!

Wahnsinn. Da glaubt man, man hat alles gesehen, und dann das: Arbeitgeberpräsident Hundt warnt die Gewerkschaften vor dem "brutalsten Angriff auf die Tarifautonomie" seit, ja mindestens seit, Menschengedenken. Warum? Ist doch klar: die Mindestlöhne! Die unterhöhlen nämlich die Tarifautonomie der Gewerkschaften.
Wer aus einem sozialutopischen Reflex heraus nach gesetzlichen Mindestlöhnen ruft, tut so, als sei die Höhe von Löhnen eine Frage des guten Willens. Bezahlung kann sich aber immer nur an der Wertschöpfung des jeweiligen Arbeitsplatzes orientieren. Deshalb gefährden gesetzliche Mindestlöhne auch die Erfolge am Arbeitsmarkt beträchtlich. Sie ver-nichten Arbeitsplätze und verhindern, dass neue entstehen. Von einem gesetzlichen Mindestlohn, den einer nicht bekommt, weil es den Arbeitsplatz dazu nicht gibt, kann niemand leben. (Quelle)
Dieter Hundt, Deutschlands begnadetster Kabarettist. Wer hat denn jahrelang gegen die Tarifautonomie gewettert, Flächentarifverträge als Teufelswerk gebrandmarkt, einen Spiegel-Titelaufmacher "Der Gewerkschaftsstaat" erhalten? Dieter Hundt und seine Bande. Und jetzt kommen sie wieder mit denselben abgedroschenen Phrasen daher wie seit je und machen plötzlich auf gute Freunde der Gewerkschaften:
Das bewährte deutsche System der Tarifautonomie zeichnet sich dadurch aus, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam, im gegenseitigen Interessenausgleich angemessene Arbeitsbedingungen vereinbaren. Die Tarifvertragsparteien können am besten einen fairen Ausgleich zwischen den Belangen der Unternehmen und den Interessen der Arbeitnehmer finden. Alle führenden Wirtschaftsinstitute bestätigen, dass gerade die verantwortungsvolle Tarifpolitik der letzten Jahre maßgeblich zum gegenwärtigen wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen hat. (Quelle)
Das sind ja ganz neue Töne. Plötzlich sind die Gewerkschaften doch die Guten, nachdem man sie jahrelang an den Pranger gestellt hat als die, die jeden Aufschwung mit "total überzogenen" Lohnforderungen kaputt machen. Wenn sich die Gewerkschaften tatsächlich von Hundt so an der Nase herumführen lassen, verdienen sie es nicht anders. Hundts Vorstoß ist ein reichlich billiger Vesuch, selbige zu spalten - und sieht man sich die bisherige 150jährige Geschichte der Linken an, wird das wahrscheinlich auch gelingen. Es gibt bestimmt den einen oder anderen Schröderianer, der auf Hundts Verlockungen hereinfallen wird. Damit positionieren sich Teile der Gewerkschaften, die ohnehin völlig unverständlicherweise die Zusammenarbeit mit der LINKEn ablehnen, auch noch gegen die aktuelle SPD-Forderung nach Mindestlöhnen. Unglaublich, wie sich die an der Nase herumführen lassen.

Gefährliche Sexualterroristen aus den Gewerkschaften

Auf der HP des Bundestags informiert selbiger:
Berlin: (hib/HAU) Sowohl die Gewerkschaftszugehörigkeit, als auch Daten zum Sexualleben und Informationen zur Rasse oder ethnischen Herkunft einer Person können in Ausnahmefällen von Relevanz für die Bekämpfung des internationalen Terrorismus sein. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/9534) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/9279). In dem Abkommen zum Datenaustausch zwischen der Bundesrepublik und den USA stelle jedoch Artikel 12 eine Schutzvorschrift für besonders sensible personenbezogene Daten dar, heißt es weiter. Für die dort genannten Datenkategorien würden besondere Anforderungen im Hinblick auf die Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit der Datenübermittlung gelten. Deutschland habe sich im Rahmen der Verhandlungen für die Aufnahme einer solchen besonderen Schutzvorschrift für besonders sensible Daten ausgesprochen. Die Bundesregierung räumt ein, dass "jede Übermittlung eines personenbezogenen Datums in erster Linie einen Eingriff in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung darstellt". Ob daneben möglicherweise in weitere Grundrechte eingegriffen werde, sei anhand der Umstände des Einzelfalls zu prüfen.
Sicher. Denn was will man als ehrbarer Innenminister denn dagegen tun, wenn sich die islamistischen fiesen Terroristen plötzlich schwul geben und der Gewerkschaft beitreten? Hilf Gott, wenn das dann in keiner Datenbank verzeichnet ist! Mal ernsthaft: schwule islamistische Attentäter verbieten sich von selbst, und die Datenbank nach Heterosexuellen zu durchsuchen ist in etwa so sinnvoll wie die Suche nach blonden Menschen. Wow, was für eine Eingrenzung! Und die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften ist ja wohl der absolute Gipfel. Der Datensammlungswahn ist eine gewaltige Gefahr für die Demokratie und die Freiheit in Deutschland, und die Aufnahme solcher Daten und die Weitergabe an Dritte (in diesem Fall die USA) sind eigentlich indiskutabel.
Ich kann mich nur wiederholen: was, wenn eines Tages eine Partei an die Macht kommen sollte - nehmen wir einfach der Anschaulichkeit wegen die NPD - die sich einen Spaß daraus macht, die Verhältnisse von 1934 wiederherzustellen? Sie könnte dann legal auf eine riesige Datenbank zurückgreifen, die ihre potenziellen Gegner gleich aufgelistet zeigt. Grandios. Und wer ist wieder einmal dafür verantwortlich? Die Sozialdemokraten natürlich.

Mit Dank an Fefe.

Freitag, 11. Juli 2008

Fundstücke 11.07.2008

So bleiben Sie AKW-Gegner
taz - Was dabei war, Konsens zu werden, scheint zu kippen. Selbst manche Gegner zweifeln am Nein zur Atomenergie. taz.de entlarvt die häufigsten Pro-Argumente der AKW-Debatte.
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Donnerstag, 10. Juli 2008

Chick-Gospel und der Vormarsch der Fundamentalisten

Chick-Gospel klingt vielleicht auf den ersten Blick nach einer Porno-Seite, aber nichts könnte falscher sein. Es handelt sich vielmehr um einen Buchverlag, der "christliche" Traktrate herausbringt. diese Traktrate erscheinen in Comic-Form, in der richtigen Erkenntnis des Verlags, dass sie dann auch gelesen werden. In der Tat bin ich so selbst auf sie gekommen; einige Exemplare lagen an der Haltestelle Uni (Stuttgart) herum. Chick-Gospel distanziert sich von den Amtskirchen, diese sind für sie verkommende Machtmaschinen.
Die Hefte sind vergleichsweise professionell aufgemacht: etwa 20-30 Seiten starke, 7x13cm große Heftchen in schwarz-weißen Zeichnungen, deren kantige Figuren grob an die amerikanischen Superheldencomics der Zeit des Kalten Krieges erinnern. Dabei decken die mittlerweile über 80 (!) erschienen Comic-Traktrate eine große Bandbreite Themen ab: vom Aussterben der Dinosaurier (die Atmosphäre hatte sich nach der Sintflut verändert, und sie erstickten und wurden von den Menschen als Nahrung gejagt), der Untergang der Titanic (Gott strafte die raffgierigen Sünder an Bord), der Anschlag aufs WTC (Moslem wird verprügelt, Christ hilft ihm und bekehrt ihn), Halloween (Kinder wollen die Lehrerin verhexen, aber Jesus schützt sie), Biker (Ein Leben in Sünde, bis ein christlicher Polizist ihn bekehrt), Evolution (eine Religion der Wissenschaftler, die nicht an Gott glauben), Islam (eine List Satans), Schwule (von Satan verderbte Frevler, die von Gott vernichtet werden) zum Buddhismus (irre Fehllehre, deren Anhänger ins Fegefeuer kommen). In dieser Tour geht es die ganzen 80 Comics weiter.
Man kann Chick-Gospel gerne als Beweis dafür nehmen, dass die christlichen Fundamentalisten nicht nur in den USA vorkommen, sondern auch in Deutschland. Ihre Ansichten sind absolut durch die Meinungs- und Religionsfreiheit gedeckt, und das ist auch gut so. Ich halte sie trotzdem für bedenklich und will meine Gründe dafür darlegen. Zum einen arbeiten die Comics mit einer kompromisslosen Vision: Jesus ist der einzige Weg zur Rettung, und wer ihm nicht glaubt, ist verdammt - auf ewig. Immer wieder werden Beispiele dafür gemacht, wie Jesus vor dem Letzten Gericht die Sünder ins Fegefeuer verbannt, weil sie - leider, leider - nicht auf seine großzügigen Angebote hören wollten. Bereuen, niederknieen, weinen, beten, all das hilft vor diesem Jesus nicht: er lässt seine Engel die Sünder ins Höllenfeuer werfen, und wie es da aussieht, das veranschaulichen die Comics gräulich. Die einzige Wahrheit steht demzufolge in der Bibel, wer sie ablehnt, ist ein Trottel und, natürlich, verdammt.
Diese kompromisslose Sicht, die stets mit Bibelzitaten "belegt" wird, unterwirft Menschen und macht sie klein. Sie ist apokalyptisch und stellt das Sein als eine Prüfung dar, die es zu bestehen gilt. Die Mehrheit besteht sie nicht und wird von Jesus/Gott zu ewigen Höllenqualen verurteilt, weil sie ja schließlich eine Chance hatte, ihren Irrtum einzusehen. Die vollkommene Ablehnung jeglicher säkularer, wissenschaftlicher Erklärungen wie die der Evolution wird vollkommen absurd, als einer dieser "wahren" Christen einen Moslem (in einem islamistischen Land!) bekehrt, indem er ihm die historischen Hintergründe Mohammeds und Allahs erläutert, um dann mit Bibelfundamentalismus den von Satan verführten Moslem zum weinenden, gläubigen und bereuenden Christen zu machen. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass Chick-Gospel strikte Gewaltlosigkeit predigt - zumindest auf Erden, denn um die Seelen tobt im Himmel ein totaler Krieg.
Zwar genießen Chick-Gospel die Meinungs- und Religionsfreiheit, eine solche lassen sie aber gleichzeitig nicht gelten. Alle Religionen sind lediglich Verwirrungen Satans, Schwule und andere Alternative gelten als besessen. Die Anhänger dieses "Glaubens" verbreiten eine Aura der Null-Toleranz, die alles andere als angenehm ist und einem ein Frösteln über die Haut fahren lässt.
Eine ganz andere Gefahr erwächst für die Menschen aus dem Umfeld von Chick-Gospel aber von anderer Stelle: wenn ganze Familien sich in diesem Umfeld befinden, sehen sich besonders die Kinder demselben Problem gegenüber wie Zeugen Jehovas, wenn nicht sogar schlimmer: es wird eine Parallelgesellschaft geschaffen, die mit der realen Welt kaum zu tun hat. Eine solche Parallelgesellschaft nimmt nicht am Leben der "normalen" Gesellschaft teil und kann so Abstoßungsreaktionen in beide Richtungen erzeugen - und innerhalb ihrer selbst eine Art von Zwang, wie er für solche Parallelgesellschaften typisch ist: Aussteiger sind stets bedroht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Chick-Gospel eine Richtung des christlichen Fundamentalismus vertritt, die meiner Meinung bekämpft werden muss. Ich halte eine solche Einstellung, wie sie hier vertreten wird, für ähnlich gefährlich wie die mancher Totalitaristen.

Fundstücke 10.07.2008

In Deutschland droht die geistige Selbstkolonisierung
Sächsische Zeitung - Die neuen Uni-Abschlüsse Bachelor und Master sind fragwürdig. Sie werden zu schematisch umgesetzt und verkennen die Traditionen deutscher Universitäten. Die Zukunft eines Landes garantieren Bildung und Wissenschaft. Daher kam der Erneuerung von Hochschulen und außeruniversitärer Forschung im Osten Deutschlands eine besondere Bedeutung zu. Sachsen nahm dabei einen herausragenden Platz ein. Seine Attraktivität für junge Menschen und seine wissenschaftliche Leistungsfähigkeit wurden zunehmend anerkannt.
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Franz Walter findet die SPD erbärmlich
Die Welt - Der Göttinger Parteienforscher Franz Walter ist seit 36 Jahren Mitglied in der SPD. Doch er ist enttäuscht: Die Partei des "kleinen Mannes" sei die SPD schon lange nicht mehr. Warum die Partei sogar Angst vor den unteren Schichten hat, und was die CDU alles besser macht – darüber sprach Franz Walter mit WELT ONLINE.
Anmerkung: Warum sich Walter dafür hergibt, der WELT zu Werbung für die CDU zu verhelfen, das versteht Gott allein.

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Metzger läuft wieder ins Messer
Stern - Eigentlich will er nichts überstürzen - trotzdem überlegt der ehemalige Grüne Oswald Metzger, ob er nicht einen zweiten Anlauf in Richtung Bundestag wagen soll. Noch wartet er auf deutliche Signale seitens der CDU. Doch seine politischen Gegner wetzen schon ihre Messer.
Anmerkung: Wenn er 2009 nicht reinkommt, sollte er weg vom Fenster sein. Zu begrüßen.

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Die Laxen und die Strikten
jungeWelt - Den Notenbanken und in besonderem Maße der US-Notenbank Federal Reserve (»Fed«) fällt bei der aktuellen Finanzkrise sowohl die Rolle des Schurken als auch die des potentiellen Retters zu. Das gilt deshalb, weil im aktuellen kapitalistischen Regulierungssystem die Geldpolitik des Staates, also die Zentralbank, eine herausragende Rolle spielt. Denn andere staatliche Institutionen sollen sowohl nach herrschender Ideologie als auch mittlerweile gemäß herrschender Praxis möglichst wenig in das Geschehen des Marktes eingreifen. Sie sollen nur Rahmenbedingungen setzen, das Auf und Ab des Geschäfts und der Konjunktur aber nicht beeinflussen. Dafür ist die Zentralbank da. Makroökonomisches Handeln wird weitgehend auf das Handeln der Notenbank als Entscheidungsinstitution über die Geldpolitik verengt.
Anmerkung: Lucas Zeisze dürfte als Autor der FTD frei von linkem Gedankengut sein. Seine Analyse ist absolut lesenswert.

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Klimaschutz, Diplomatie und der Schutz Israels
Feynsinn - Während führende Politiker, zu denen man resignierend wohl auch Herrn Pofalla zählen muß, die Welt dem Volk in leichte Häppchen zerlegen, sind die Dinge in der großen Wirklichkeit gern komplexer. Dazu gehört zum Beispiel Atomkraft. Dazu gehört der Umgang mit Regierungen anderer Länder. Und dazu gehört ganz sicher die Lage im Nahen Osten. Daß alles in einem Zusammenhang steht, wird heute einmal mehr deutlich.
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Der Klima-Lügendetektor
Anmerkung: Neues Blog, willkommen in der Blogroll!
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Unheimliche Heimat
Süddeutsche Zeitung - Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein ist ein Mann deutlicher Worte. Wer ohne Anstand mit dem Kopf eines anderen Fußball spiele, äußerte er nach dem Urteil gegen die beiden Münchner U-Bahn-Schläger, habe in Deutschland nichts zu suchen. Nun dürfte es für das so furchtbar zugerichtete Opfer gleichgültig sein, ob mit seinem Kopf ohne oder mit Anstand Fußball gespielt wurde. Doch ist die politische Botschaft klar: Diese Art von Gewalt trägt nach Meinung des Ministerpräsidenten nicht deutsche, sondern ausländische Züge, solche Verbrechen sollen nicht zu "uns" gehören. Und sein Innenminister Joachim Herrmann ergänzt den Gedanken: Nach Verbüßung zumindest eines großen Teils ihrer Strafen sollen die beiden Täter nach Griechenland und in die Türkei, in ihre "Heimatländer", abgeschoben werden.
Anmerkung: Sehr wichtiger Artikel zu dem Urteil IMHO. Unbedingt lesen!

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Dienstag, 8. Juli 2008

Fundstücke 09.07.2008

Legenden und solche, die daran stricken: Walter Riester
Welt - Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Deshalb hat Ex-Arbeitsminister Walter Riester bezüglich seines Umgangs mit Norbert Blüm eine wichtige Entscheidung getroffen. In einem langen Brief versicherte er dem "lieben Norbert", nie wieder öffentlich mit ihm über Rentenpolitik zu diskutieren, wie "Bild" zitiert. Plausible Begründung: Er wolle Blüm keine Gelegenheit mehr bieten, "Verwirrung zu stiften". Mit seinem Spruch "Die Rente ist sicher" habe Blüm "über Jahrzehnte die Menschen getäuscht". Er halte Blüm aber "nicht für so dumm", seiner eigenen Aussage Glauben zu schenfunken. Wie wahr.
Anmerkung: Sowohl die Reaktion Riesters als auch die der Welt wurden heftig kritisiert, während BILD sie natürlich bejubelt. Was ich von Riesters Antwort halte, sollte klar sein.

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In der Lehmschicht
Süddeutsche Zeitung - Und nun kommt Siemens-Chef Peter Löscher daher und redet von einer "Lehmschicht", die es abzutragen gelte. Die Lehmschicht: Das sind jene Menschen bei Siemens (und auch in anderen Unternehmen), die man gemeinhin nicht sieht, die normalen Angestellten in der Verwaltung, die Referenten und Sachbearbeiter, die untere und vielleicht auch noch die mittlere Führungsebene. [...]Die Lehmschicht: Es gibt sie in vielen deutschen Unternehmen. Bei der Allianz. Bei der Deutschen Bank. Bei Volkswagen. Bei der Telekom. Bei der Post. Bei der Bahn. Man könnte sie auch als Mittelschicht bezeichnen. Denn ihre Mitglieder sind - neben den Facharbeitern und den Handwerkern - ein bedeutender Teil jener Schicht, die das Herz der deutschen Gesellschaft bildet. Wenn Löscher diese Schicht abtragen will, hat dies Bedeutung weit über Siemens hinaus.
Anmerkung: Es zeigt sich wieder einmal der menschenverachtende Umgang der Wirtschaftseliten mit den Menschen, die ihren Reichtum erst ermöglichen. Was wurde gegen Münteferings Heuschrecken-Vergleich gewettert! Ob wohl die gleiche Empörung sich auch hier zeigen wird?

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Die Zukunft selbst verschenkt
Süddeutsche Zeitung - Harte Strafen: Auf Milde konnten die beiden Münchner U-Bahn-Schläger im Prozess nicht hoffen - das Gericht erlässt ihnen nichts von ihrer Verantwortung.
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Von Käfern und Heuschrecken
Feynsinn - Flankiert wird das Treiben dieser Hasardeure von den immer gleichen Phänomenen: Eine Flucht vor jeder Aufsicht, völlige Verantwortungslosigkeit und ein “Optimisums” der Anleger, hinter dem die blanke Gier steckt. Solche Spekulanten lassen sich nicht bremsen, zahlen äußerst ungern Steuern und sind nicht haftbar, wenn es schiefgeht. Sie verhehlen das “Risiko” nicht, zerreden es aber gern und locken mit Renditeversprechen, gegen die ein Banküberfall zu ertragsarm aussieht.
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Juristisches Nachspiel
Stern - Die Finanzierung der Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste GNBZ durch den mittlerweile insolventen Postdienst Pin hat nun doch ein juristisches Nachspiel. Die Kölner Generalstaatsanwaltschaft will im zweiten Anlauf ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue anstoßen. Das Verfahren richtet sich voraussichtlich gegen die ehemalige Pin-Führungsriege, die die Zahlungen an die Gewerkschaft veranlasste, wie der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet. Die Staatsanwaltschaft muss nun Ermittlungen aufnehmen.
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Anmerkungen zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium
NachDenkSeiten - Nach Jahren umwälzender Hochschulreformen hin zur „unternehmerischen“ Hochschule, nach einer weitgehend vollzogenen grundsätzlichen Umstrukturierung des Studiums in konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge im Rahmen des sog. Bologna-Prozesses, nach einer mit hohem propagandistischen Aufwand durchgeführten „Exzellenz-Initiative“ nimmt sich endlich ein wissenschaftspolitisch bedeutsames Gremium der neben der Forschung zentralen Aufgabe der Hochschulen an: der Lehre und dem Studium. Das ist für sich genommen schon ein Gewinn.
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Die Bundespräsidentenkanzlerin
Süddeutsche Zeitung - Es gibt da ein großes Missverständnis über die Rolle von Angela Merkel. Alle denken, dass sie die Bundeskanzlerin ist. Diejenige also, die mit Richtlinienkompetenz ausgestattet die Geschicke des Landes in die aus ihrer Sicht richtigen Bahnen lenkt. Dafür ist sie gewählt worden. Auf dem Papier mag das stimmen. In Wirklichkeit aber ist Angela Merkel die beste Bundespräsidentin, die es je gab.
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Fundstücke 08.07.2008

Vorbild Don Quichotte
Financial Times Deutschland - Der jüngste Zinsentscheid hat deutlich gemacht: Die EZB-Räte handeln, als wüssten sie nicht, dass sie gegen den Inflationsdruck ohnehin machtlos sind. Als die Leitzinserhöhung am Donnerstag schließlich verkündet wurde, wirkte sie kleinlaut. Zwar smart wie immer, machte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dennoch einen unsicheren Eindruck. Sein "We have no bias" musste man ihm deshalb einfach abnehmen. Es besteht - zurzeit - keine Absicht des Zentralbankrats, diesem Zinsschritt weitere folgen zu lassen. Die fehlende Entschlossenheit der Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben, zeigt, dass sie schon für diese Leitzinserhöhung keine Argumente hatte. Die Kräfte, die für den Anstieg der Verbraucherpreise um vier Prozent verantwortlich sind, werden nicht durch eine Serie von Leitzinserhöhungen in Euroland und noch weniger durch eine einmalige, bescheidene Zinsanhebung berührt. Entscheidend ist ein globaler Boom, der sich nun aber in seiner Endphase befindet. Die deflationären Effekte der Verlagerung von Produktion in Billigstandorte laufen aus. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist noch nicht gebremst. Zwar hat der Abschwung in einer Reihe von Industrieländern (USA, Großbritannien, Spanien) bereits begonnen. Die negative Wirkung auf den Welthandel und die Exporte vieler anderer Industrie- und Schwellenländer zeichnet sich gerade erst ab.
Anmerkung: Lesebefehl!

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Lebhafte Diskussion um erhöhte Euro-Zinsen
NZZ - Kennzeichnend für die im Euro-Raum aufgetretene Inflation, die mit nun 4% gut doppelt so hoch ist wie das Ziel der EZB, ist das Phänomen, dass sie weitgehend importiert ist. In einem Kommentar beziffert die französische Grossbank Crédit Agricole den Beitrag der Energie- und Nahrungsmittelpreise zur Gesamtinflation auf über 70%. Sie folgert daraus kurz und bündig, dass Geldpolitik gegenwärtig nur einen geringen direkten Einfluss auf die Dynamik der Preise haben kann.
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Kürzere Laufzeiten für Gerede
Stern - Deutschland steht in der Atomfrage beim G8-Gipfel unter Druck und sucht Auswege aus dem Dilemma. SPD-Vordenker Erhard Eppler schlägt vor, die AKW-Laufzeiten zu verlängern. Doch wichtiger wäre es, die AKW-Betreiber endlich richtig zur Kasse zu bitten.
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"Die SPD ist Konkursmasse"
Süddeutsche Zeitung - Ein Interview mit Günther Wallraff.
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Makel der Provinz
Süddeutsche Zeitung - Keiner verkörpert das Provinzielle in der Politik besser als SPD-Chef Beck. Ihn deswegen als tumben Tor abzustempeln, wäre aber ein Fehler. Die Provinz hat auch Positives zu bieten.
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Maßnahmen gegen Kinderarmut
NachDenkSeiten - In letzter Zeit ist die Kinderarmut hierzulande beinahe zu einem Modethema avanciert, ohne dass die verantwortlichen Politiker bisher jedoch wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen hätten. Zwar hat sich die Bundesregierung erstmals auf ihrer Klausurtagung im August 2007 auf Schloss Meseberg mit dem Problem befasst, die Entfristung des vor dem 1. Januar 2008 nur drei Jahre lang gezahlten Kinderzuschlages in Höhe von maximal 140 EUR pro Monat war aber kaum mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf einen heißen Stein. Dass sich die Große Koalition von einer Entbürokratisierung des Kinderzuschlages, die am 1. Oktober 2008 in Kraft treten soll, der Erhöhung des Wohngeldes, seiner Ergänzung um eine Heizkostenkomponente, die den gestiegenen Energiekosten Rechnung tragen soll, und einer Anhebung der Mietobergrenzen, die zum 1. Januar 2009 geplant sind, eine spürbare Verringerung der (Kinder-)Armut verspricht, dokumentiert ihre mangelnde Bereitschaft, das Problem an der Wurzel zu fassen.
Dessen strukturelle Ursachen können viele der gegenwärtig in Politik, Massenmedien und Öffentlichkeit zirkulierenden Vorschläge zur Verringerung bzw. Verhinderung von Kinderarmut nicht beseitigen. Christoph Butterwegge hat uns diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

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Siemens kappt weltweit fast 17.000 Jobs
Süddeutsche Zeitung - In Deutschland sollen den Konzernangaben zufolge 5250 Jobs wegfallen. Weltweit will der Technologie- und Elektronikkonzern 16.750 Stellen streichen, davon allein 12.600 in der Verwaltung, wie Siemens-Chef Peter Löscher am Dienstag in München erläuterte. Die meisten Stellen will Siemens in den nach Mitarbeitern größten Standorten abbauen: Erlangen, München, Nürnberg und Berlin. Die übrigen 4150 Arbeitsplätze seien im Zuge von Restrukturierungsprojekten von den Plänen betroffen.
Anmerkung: Wunderbar. Die oberste Riege vergeigt es, und die unteren Riegen dürfen es ausbaden.

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Montag, 7. Juli 2008

In eigener Sache

Der Oeffinger Freidenker ist für SuperBlogs 2008 nominiert, wie der unauffällige Button in der rechten Sidebar ja verschämt anzeigt. Würde mich freuen, wenn ihr da eure Stimme für mich hinterlasst :)

Kurz zur Info: in letzter Zeit nutze ich vermehrt die kleinen Umfrageinstrumente, die Blogspot inzwischen in die Software integriert hat. Ich versuche damit, das Blog mehr euren Bedürfnissen und Wünschen anzupassen (der Form, nicht dem Inhalt nach, keine Bange! Da lass ich mir nicht reinreden). Deshalb hoffe ich, dass ihr euch kurz die Zeit nehmt, mir eure Präferenzen mitzuteilen. Ich freue mich auch immer über Lesermails ;)

Im Juni ist vollkommen untergegangen, dass der Oeffinger Freidenker zwei Jahre alt wurde. Naja, selbst schuld, wenn man den eigenen Geburtstag vergisst. Quasi nachträglich Happy Birthday, Blog!

Daneben möchte ich euch allen danken, dass ihr hier lest! Immerhin halten sich hier im Schnitt über 300 Leser täglich auf, was mich immer wieder freudig überrascht.

Wenn rechts von der Mitte die Mitte ist

Abgesehen von der LINKEn wollen alle Parteien die "Mitte" ansprechen, alternativ auch gerne die "Neue Mitte". Was das ist, darüber sind sich die Programmatoren dieser Parteien nicht ganz so einig. Arbeitslose, Rentner und Jugendliche gehören definitiv nicht dazu, Migranten auch nur Ausnahmefällen, in denen sie sich als erfolgreiche und produktive Mitglieder der Gesellschaft - vulgo: Steuerzahler - erwiesen haben. Was immer wieder bemerkt wurde, wird dieser Tage immer deutlicher: die Mitte ist rechts. Die SPD rutscht immer wieder an der CDU vorbei, die gleichzeitig mit ihren Roland Kochs und Günther Becksteins immer bizarrer werden muss, um auf ihrem Kernkompetenzfeld - der "Ordnung" - nicht von der SPD überholt zu werden. Die Grünen schweigen sich höflich aus, während von der FDP sich kritisch äußernde Soldaten in Disziplinarverfahren zur Räson gebracht werden.
Was geschieht hier? Telepolis beschreibt ein wunderbares Beispiel für den aktuellen Rechtsruck der Republik, der sich in den Parteien vollzieht - in wunderbarem Einklang mit der Mitte. Die Hauptfigur dieser Geschichte ist Heinz Buschkowsky, Oberbürgermeister von Berlin-Neukölln. Neukölln ist ein Viertel mit hohem Ausländeranteil, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Kriminalitätsrate, ein Viertel, von dem es in Deutschland viele gibt. Multi-Kulti eben. Nun ist Buschkowsky nur nicht gerade ein Politiker, den man in einem solchen Viertel vermuten würde.
Buschkowsky verachtet nämlich Multi-Kulti. Schwarze dealen offen auf der Straße, meint er, die Migranten kriegen nur zu viele Kinder und schmarotzen vom Sozialstaat, beschwört die Volksgemeinschaft, gibt der Jungen Freiheit Interviews. Ach ja, der Mann ist nicht von der CSU, sondern von der SPD. Nun war Buschkowsky in Rotterdam, wo man mit solchen Ideen schon ein bisschen weiter ist und hat einige tolle Vorschläge mitgebracht. "Keine Prävention ohne Repression" war das Motto des von ihm besuchten Kongresses, und seine Ideen stellt Buschkowsky denn auch vor, bezeichnenderweise vor dem Abgeordnetenausschuss der FDP, wo immerhin keine anderen SPDler erschienen. Seine Vorschläge umfassen unter anderem:
- Deckelung der Sozialleistungen für kinderreiche Familien
- Zusammenarbeit der Polizei mit den Schulen
- "Repressionen" gegen Jugendliche, die nicht sofort einen Job annehmen
- Kontrollieren des "Sozialverhaltens" und der Wahrnehmung von Jobangeboten
- Kürzung von Sozialleistungen bei jedem Verstoß
Seine Schlagworte sind "Disziplinierung" und "aktives repressives Durchgreifen", denn in Neukölln "leide" die (deutsche) Mehrheit unter der (migrantisch geprägten) Minderheit. Noch einmal, der Mann ist in der SPD, nicht in der CDU.
Dieser Trend nach rechts kann seit mehreren Jahren beobachtet werden. Er geht einher mit einer "Null-Toleranz"-Politik und immer schärferen Überwachungs- und Repressionsmaßnahmen. Zwar hat Roland Koch in Hessen bewiesen, dass man es damit auch übertreiben kann, aber insgesamt bleibt zu konstatieren, dass die "Mitte" diesem Trend folgt, ja, in teilweise auch bestimmt. Die etablierten Parteien sind hier sicherlich keine Avantgarde, bestenfalls schwimmen sie mit dem Strom, wahrscheinlich hecheln sie eher hinterher. Denn die Zustimmung zu solchen Maßnahmen ist stets groß. Immer, wenn neue Maßnahmen gegen die Arbeitslosen beschlossen werden sollen, wenn ein neues Programm zur "Disziplinierung" der Jugendlichen (und hier sind fast immer migrantische und/oder Unterschicht-Jugendliche gemeint) angekündigt wird, nickt die "Mitte" bekräftigend mit dem Kopf. Die gleiche Mitte, die so etwas vor zehn Jahren noch entsetzt von sich gewiesen hätte. Woran liegt das?
Es ist, meiner Meinung nach, die schlechte wirtschaftliche Lage auf der einen und die Frucht von jahrelanger Propaganda auf der anderen Seite. Nicht nur, dass die wirtschaftliche Lage wegen einer verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik seit Jahren schlecht ist (was meist mit dem Schlagwort "Globalisierung" verbrämt wird, als handle es sich um eine von Menschenhand nicht zu beeinflussende Naturgewalt), die Politik, die Wirtschaft und die Medien schüren seit Jahren auch die Angst vor dem sozialen Abstieg - und schaffen mit Propaganda gegen die Verlierer der Gesellschaft Hass und Ressentiments. Denn die Verlierer seien selbst schuld, so heißt es, und sie hätten kein Anrecht auf Unterstützung von den Erfolgreichen. Solange man selbst erfolgreich ist, fallen solche Parolen dann in schlechten Zeiten gerne auf erfolgreichen Grund, denn angeblich ist ja der Grund für die schlechte wirtschaftliche Lage, dass die Erfolgreichen den Verlierern zu viel Sozialleistungen abstecken müssen. Ist aber erst einmal durchgesetzt, dass die Verlierer Druck und Kürzungen erhalten, wächst im Gegenzug die Furcht vor dem Abstieg - und Forderungen nach weiteren Repressionen und Kürzungen fallen auf fruchtbaren Boden: ein sich ständig selbst nährender Kreislauf, in dem die Politiker, die ihn angestoßen haben, irgendwann nur noch als Getriebene mitlaufen.
Wirtschaftlich schlechten Zeiten ist gemein, dass die Abgrenzungseffekte stärker werden. Denn sind es nicht "die", die "uns" die Jobs wegnehmen? Die sich in "unserem" Sozialstaat auf die faule Haut legen? Was sollen "wir" für "die" arbeiten? Und so schwelt ein unterschwelliger Rassismus, der in Äußerungen wie Buschkowskys oder Roland Kochs bisweilen seinen Ausbruch findet. Öffentlich sanktioniert wird er längst nicht mehr, häufig ist er nicht einmal mehr eine Meldung wert. Oft genug mischen die Medien, hier besonders die Springer-Presse, selbst tatkräftig mit.

Was aber kann man tun gegen diese Lage, die ja wohl kaum wünschenswert ist? Vermutlich würde sie durch einen wirtschaftlichen Aufschwung für alle Menschen wie von selbst verpuffen, aber der wird ja tatkräftig verhindert. "Lohnzurückhaltung", die EZB, Hartz-IV, Jobcenter, Bürgerarbeit - nehmt es als pars pro toto. Selbst wenn das Wirtschaftswachstum als solches wieder anzieht, wird das den Menschen keine Erleichterung bringen. Das verstärkt nur Abwehrgefühle, Politikverdrossenheit, Resignation. Und auf der anderen Seite wieder die Forderung nach Repression, um gegen die so geschaffene Resignation vorzugehen, die dadurch nur weiter gefördert wird.
Die entstehende Lage ist für ein demokratisches Gemeinwesen höchst gefährlich. Die Verachtung für die Eliten ist in einem Allzeithoch, die Menschen kapseln sich ab. Solidarität ist ein Fremdwort aus fernen Zeiten geworden. Es bedarf geeigneter politischer Maßnahmen, die breite Mehrheit der Menschen zu entlasten, nicht nur die schmale Elite (die gleichwohl natürlich relativ gesehen breiter wird). Es bedarf politischer Signale, die Menschen wieder in den Prozess einzugliedern und ihr Selbstbewusstsein zu steigern. Es braucht ein Umdenken bei den Medien, weg von der billigen Standardware ohne Anspruch, zurück zu Information und Aufklärung. Es braucht Engagement vieler Schichten, wieder etwas zu bewegen - der viel zitierte Ruck, der jedoch nicht im Einreißen bislang stabiler Strukturen enden darf, sondern, um im Bild zu bleiben, ein gemeinsames Stützen und Ausbauen dieser Strukturen ermöglicht. Nur dann werden freiheitliche Werte auf Dauer Bestand haben, werden Menschen sich damit identifizieren. So steuern die Demokratie und liberale Grundwerte geradewegs in den Abgrund.

Fundstücke 7.7.2008

Öffentliche Haushalte: Oberste Richter fordern Schuldenverbot
NachDenkSeiten - Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, sieht wegen der riesigen Staatsverschuldung die Leistungsfähigkeit des Rechts- und Sozialstaats in Gefahr. Er hält striktere Vorschriften und eine umfassende Übertragung von Staatsaufgaben in private Hände für nötig.
Hier greift der oberste Verfassungsrichter in eine aktuelle politische und wirtschaftspolitische Debatte ein. Das ist nicht seine Aufgabe. Dieses Interview mit Bild am Sonntag ist in mehrerer Hinsicht „beachtlich“.

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Angela Merkel: "Mit mir werden keine Reformen zurückgedreht!"
NachDenkSeiten - „Während meiner Kanzlerschaft werden sinnvolle Reformen an keiner Stelle zurückgedreht. Das sage ich ausdrücklich beispielsweise mit Blick auf Bestrebungen, die Rente mit 67 auszuhöhlen, einen einheitlichen, flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, die Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit wieder auszubauen oder das arbeitsmarktpolitische Instrumentarium auszuweiten…
Wir werden weiter auf unserem Kurs notwendiger Veränderungen gehen. Die von meinem Vorgänger Bundeskanzler Schröder begonnenen und von der Union – das wollen wir nicht vergessen – damals mitgetragenen Reformen haben wesentlich zum jetzigen Aufschwung beigetragen“, so die Kanzlerin in der Wirtschaftswoche. Beschönigung, Unwissen oder gezielte Gehirnwäsche durch permanente Wiederholung derselben unbelegten und von der Wirklichkeit längst widerlegte Behauptungen?

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Abschied aus Wunderland
Financial Times Deutschland - Die Europäische Zentralbank wird ihr Inflationsziel allem Knurren zum Trotz auf Dauer nicht mehr erreichen. Es wäre für die Glaubwürdigkeit der Währungshüter besser, den Ehrgeiz bald zurückzuschrauben. Vor einem Monat hat sich Jean-Claude Trichet noch dafür feiern lassen, dass die Inflation in den ersten zehn Euro-Jahren niedriger lag als früher in Deutschland. Könnte sein, dass es die letzte Gelegenheit war - egal wie laut Europas Notenbanker jetzt schimpfen und mit Leitzinserhöhungen das Böse zu bekämpfen versuchen. Mancher globale Trend spricht derzeit dafür, dass es die Preiswächter vorerst nicht mehr schaffen, die Inflation galant wieder unter zwei Prozent zu senken - selbst wenn Öl- und Nahrungsmittelpreise wieder sinken. Es sei denn zum Preis enormer Depressionen. Das will vielleicht selbst der deutsch-orthodoxe EZB-Chefökonom Jürgen Stark nicht. Für die angeschlagene Glaubwürdigkeit der Euro-Hüter wäre es besser, den Ehrgeiz zurückzuschrauben - statt künftig noch öfter erklären zu müssen, dass die Inflation wieder höher ausfällt als versprochen.
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Linke fordert Mindestrente für alle
Handelsblatt - Mit der Forderung nach einer Mindestrente von 800 Euro für alle will die Linke in die kommenden Wahlkämpfe ziehen. Ein entsprechendes Rentenkonzept beschloss der Parteivorstand am Wochenende auf seiner Klausurtagung, wie Linke-Chef Lothar Bisky am Sonntag nach dem Treffen in Berlin sagte. Dabei setze die Linke bewusst auf umsetzbare Alternativen zur großen Koalition, die bei der Armutsbekämpfung "versagt" habe, fügte Bisky hinzu.
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Iraks schwarzes Gold
Spiegelfechter - Seit nunmehr zwei Jahren üben Washington und die internationalen Ölmultis spürbaren Druck auf die Regierung al-Maliki aus, PSAs an internationale Unternehmen zu vergeben, die in einem Ölgesetz festgeschrieben werden sollen. Eine Vergabe von PSAs an ausländische Ölfirmen ist momentan im Irak innenpolitisch allerdings nicht durchsetzbar. Dies musste auch der irakische Ölminister Hussain al-Shahristani einsehen, als er auf den internationalen Druck, Irak solle angesichts der Lieferengpässe auf dem Weltölmarkt schnellstens in seine Ölförderung investieren, mit einem Kompromissangebot antwortete, das „Big-Oil“ zwar ins Geschäft rund um das irakische Öl bringt, aber keinesfalls in der Form, die man sich in den Konzernzentralen der Ölgiganten gewünscht hätte.
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Schnüffelchips in Einzelhandels-Kassen
Fefe - Und noch ein Tentakel für den Schnüffelstaat: Fiscus will Schnüffelchips in den Einzelhandels-Ladenkassen. Begründung: gegen Umsatzsteuerbetrug. Äh, wie meinen? Umsatzsteuerbetrug? Hallo?!? Geschäfte machen doppelte Buchführung, die kaufen die Waren und verkaufen sie wieder. Warenein- und Ausgänge werden in der Buchhaltung aufgezeichnet. Wenn jemand eine Waren verkauft, muß er sie vorher woanders eingekauft haben. Es müßte also in der gesamten Wertschöpfungskette betrogen werden, damit eine Ware nicht in den Büchern auftaucht und man dann die Umsatzsteuer dafür hinterziehen kann. Totale Luftnummer also mal wieder, und natürlich mal wieder die SPD. Ein Glück, daß die so gut wie weg vom Fenster sind.
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Steinmeier muss weg
Feynsinn - Es ist schon zum Schmunzeln: Kurt Beck, der Provinztrödel aus der Pfalz, macht nicht nur immer noch seinen Job, sondern den der SPD-Fraktion im Bundestag gleich mit. So kritisiert er den Umgang der Kanzlerin mit gemeinsam gefassten Beschlüssen, während die Stones zu jedem Schuß lächeln, den die CDU ihr ihrer Partei in den Bug ballert.
Der allseits beliebte Herr Steinmeier soll ja das Ruder übernehmen, schauen wir doch mal, was er so leistet.

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Deichmann am Pranger
Süddeutsche Zeitung - Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen: Kambodschanische Arbeiterinnen beklagen sich über unhaltbare Zustände in einer Schuh-Fabrik. Auch Europas größter Schuhhändler Deichmann gerät damit ins Visier - der bisher als Synonym für Ethik in der Wirtschaft stand. Weil sie Lösemitteldämpfen ohne Schutzmasken ausgesetzt sind, lassen die gesundheitlichen Folgen nicht lange auf sich warten: Kambodschanische Arbeiterinnen werden von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen geplagt. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht.
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"Er hat der Partei gezielt geschadet"
Süddeutsche Zeitung - Wolfgang Clement will durch alle Instanzen gehen, um seinen Rausschmiss aus der SPD zu verhindern. Doch jetzt droht sein Bochumer Ortsverein mit dem gleichen Mittel - allerdings mit dem Ziel, den ehemaligen Superminister endlich loszuwerden.,Von Thorsten Denkler, Berlin,,Erst poltert Ex-Innenminister Otto Schily, er werde nötigenfalls "durch alle Instanzen gehen" um einen Rauschmiss seines Mandanten und Ex-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement aus der Partei zu verhindern. Jetzt poltert Clements Ortverein Bochum-Hamme auf sueddeutsche.de zurück: Es sei "überhaupt keine Frage", dass auch der Ortsverein zur Not alle Instanzen bemühen werde, damit Clement das Parteibuch entzogen werde, sagte Martin Rockel, Vorstandsmitglied und Sprecher des Ortsvereins.
Anmerkung: Ich denke, Clement wehrt sich vor allem deswegen so verbissen gegen den Rausschmiss, weil er sonst als korruptes Element in Lobbyarbeit nicht mehr zu gebrauchen ist. Gekaufte Abgeordnete gibt es bei CDU und FDP im Dutzend billiger, aber bei der SPD hat die Atomlobby den Fuß noch nicht in der Tür.

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Sonntag, 6. Juli 2008

Realitätsmacher

Dass Forsa-Chef Güllner ein alter Schröderianer ist, der die Umfragewerte der SPD derzeit künstlich niedrig hält und eine der Hauptfiguren hinter der Beck-Hetze ist, dürfte Lesern des Blogs bekannt sein. Nun ist ein Interview mit ihm in der Süddeutschen Zeitung erschienen, in dem er einige Sätze loslässt, die selbst für ihn bemerkenswert sind.

sueddeutsche.de: In der SPD gilt die These, Schuld sei vor allem Gerhard Schröder mit seiner verhassten Agenda 2010.

Güllner: Das ist ein ziemliches Missverständnis in der SPD. Die Krise der SPD begann schon weit vor 1998 unter anderem mit einem großen Mitgliederschwund. Schröder hat es geschafft, der Partei wieder ein Zwischenhoch bringen. Es hat nicht lange angehalten und viele die nach 1998 wegen Schröder in die Partei eingetreten sind, sind inzwischen wieder ausgetreten. Auch weil die SPD nie hinter den schröderschen Reformen stand.

Wow. Das ist wirklich die schärfste Theorie, seit die Illuminaten aus der Mode gekommen sind. Wobei die ja gerade laut der FAZ auch wieder in Mode kommen; sicher kann sich also niemand sein. Die ganzen Austritte sind also in Wirklichkeit Agenda-Fans, die von der schlaffen SPD enttäuscht sind! Mann, das ist ja irre. Wenn ich für solche Geschichten Geld verdienen und Interviews in der SZ kriegen würde, ich hätte noch ein paar ähnlich qualitativ hochwertige Theorien anzubieten: in Wirklichkeit waren die ganzen SPD-Eintritte nämlich Marsmenschen, die nur die Erdengesellschaft unterwandern wollten und jetzt genug gelernt haben. Deswegen treten sie vor ihrem Abflug ordnungsgemäß wieder aus. Ist in etwa genauso realistisch wie Güllners Sermon.
Güllner: Die SPD wird schon noch gebraucht. Ohne die SPD würden viele Menschen ihre politische Heimat verlieren. Viele sind ja auch willens, SPD zu wählen. Das war schon im Wahlkampf 1986/87 so. Aber Johannes Rau musste gegen seine eigene Überzeugung einen Programmwahlkampf führen, den die Wähler nicht akzeptierten. Wir haben kurz vor der Wahl 1987 eine Umfrage gemacht und da haben die Menschen gesagt, die Partei hätte Rau so verbogen, dass er nicht mehr Rau ist. Und dann kam Lafontaine, aber der war überhaupt nicht wählbar, genau wie Scharping. Erst Schröder hat die SPD wieder für eine breitere Mehrheit wählbar gemacht.
Und weiter geht es. Schon komisch, dass die SPD, der Güllner ja angehört, immer wieder "nicht wählbare" Leute aufstellt, bis plötzlich, als Phönix aus der Asche, Schröder aufsteigt. Die SPD hätte die Wahl 1998 auch mit Scharping gewonnen - bereits 1994 war eine extrem knappe Angelegenheit. Von Lafontaine gar nicht zu reden.
Mit solchen Theorien geht es noch eine ganze Weile weiter, wer möchte, kann das Interview ja ganz lesen. Ich kriege mal wieder Bauchkrämpfe von solchen Leuten.

Brauner Sumpf

Die Bundeswehr kommt aus den Negativschlagzeilen - wie der Rekrutenmisshandlung - eigentlich kaum mehr raus, und ganz besonders das KSK nicht. Die Tage der begeisterten Medienberichte von der deutschen Elitetruppe, die bei den Verbündeten so hoch angesehen ist sind vorbei; inzwischen dominieren Berichte über die braune Ideensuppe, die dort vor sich hin gärt.
Das fängt nicht erst bei Murat Kurnaz an, der das KSK - bis heute unaufgeklärt - tief belastet hat. Es gab und gibt immer wieder unangenehme Detailberichte. Doch was derzeit passiert schlägt dem Fass den Boden aus. Oberstleutnant Jürgen Rose, Mitglied der kritischen Soldatentruppe Darmstädter Signal (eine Gruppe, die die Aufgabe der Friedens- und Demokratiesicherung und des Staatsbürgers in Uniform ernst nimmt) gab der Telepolis und 19 anderen Zeitschriften Interviews, in denen er Missstände unter anderem beim KSK aufdeckte - Latrinenparolen aus der braunen Kloake wie die folgende: "Man muss sich diesen archaischen Kämpfer vorstellen als einen Kolonialkrieger, der fern der Heimat nach eigenen Gesetzen lebt und handelt." Getätigt vor 2004 vom immer noch im Amt befindlichen Inspekteur des Heeres, von Rose unzählige Male angemahnt. Passiert ist nichts.
Dann erhielt Rose eine Hassmail von einem anonymen KSK-Offizier, in dem dieser ihn im Nazi-Jargon beschimpfte und allgemein von seiner Verachtung für Demokratie und liberale Werte keinen Hehl machte. Bald darauf kam es zu einem Disziplinarverfahren in beide Richtungen. Der KSK-Offizier wurde mit einem milden Verweis bestraft, Rose musste 3000 Euro Strafe zahlen:
So soll er gegen die "Zurückhaltungspflicht" verstoßen, dem Ansehen der Bundeswehr geschadet, sich in nicht zulässiger Weise politisch betätigt und allgemein gegen seine "Pflicht zum treuen Dienen" verstoßen zu haben. (Quelle)
Soweit, so üblich bei der Bundeswehr. Doch der wahre Abschuss kommt erst noch: die Artikel Roses wurden lange nicht beanstandet. Es war nämlich gar nicht die Bundeswehr, die direkt gegen ihn aktiv wurde. Die ließ ihn wurschteln. Es war ein Politiker, der das Verteidigungsministerium zweimal schriftlich aufforderte, Roses Äußerungen dienstrechtlich zu untersuchen. Ah klar, werden sich jetzt sicher manche denken, ein NPD-Abgeordneter aus dem sächsischen Landtag. Weit gefehlt. Hmm, werden einige Nachdenkliche meinen, doch wohl nicht etwa ein Rechtsaußen bei der CDU? Nein, keine Bange. Ein Mitglied des FDP-Bundesparteivorstands war es, Rainer Stinner. Ihr wisst schon, die das Adjektiv "liberal" für sich gepachtet haben. Der größte Schuft im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant.
Zum Weiterlesen: Telepolis

Und wo wir gerade bei Bundeswehrnachrichten und Skandalen sind: die Bundeswehr gibt seit sechs Jahren 8,5 Millionen jährlich für den wohl schlechtesten und unbekanntesten Fernsehsender der BRD aus, bwtv. Der Stern berichtet voller Häme über den Apparat, der wohl in Schilda erdacht wurde.



Fundstücke 6.7.2008

Wunder gibt es immer wieder
Michael Schöfer - Wo soll das nur enden? Spötter sprechen schon von Kurt Becks "Projekt 18" - ein Schlagwort, mit dem Guido Westerwelle (FDP) bei der Bundestagswahl 2002 für seine Partei endlich wieder ein Wahlergebnis im zweistelligen Bereich einfahren wollte. Ohne Erfolg, wie wir wissen. Kurt Beck scheint es hingegen zu gelingen, er nähert sich konsequent den 18 Prozent. Von oben. Manche behaupten deshalb: Die SPD will gar nicht regieren. "Glaubt die SPD, es geschieht ein Wunder?", wird da verblüfft gefragt. Ungewollt bringt man so die Sozis auf die richtige Spur.
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Maget für Steinmeier
Stern - Trotz aller Appelle für ein Ende der Debatte um Parteichef Kurt Beck kommt die SPD nicht zur Ruhe. Als erster führender SPD-Landespolitiker sprach sich der Spitzenkandidat der Bayern-SPD, Franz Maget, öffentlich dafür aus, Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten zu machen.
Anmerkung: Das ist genau der Maget, der sich nicht weniger vorgenommen hat als die Dauerherrschaft der CSU in Bayern zu brechen. Er spielt jetzt Bullshit-Bingo. Steinmeier? Ist der Mann noch zu retten? Immerhin können sie dann das Hamburger Spiel umgekehrt spielen. Dann ist nicht mehr Beck, sondern Steinmeier an der verlorenen Wahl schuld, und man kann als Spitzenkandidat die eigenen Fehler unter den Teppich kehren. Um was wetten wir, dass das nicht passiert?

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Die Meinung der anderen

Telepolis - Auch wer sich selbst für meinungsstark hält, wird von seiner Umgebung beeinflusst
Bevor der Autor zum eigentlichen Thema dieses Artikels kommt, muss er eines schon mal klarstellen: Es lohnt sich weiterzulesen. Sie werden am Ende dieses Textes klüger sein. Das haben kompetente Testleser vorab bestätigt. Sogar Ihre besten Freunde waren von diesem Beitrag begeistert.

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Angst fressen deutsche Seele auf?
Telepolis - Benzin kostet bereits durchschnittlich 1,60 Euro der Liter in Deutschland, auch sonst klettern die Energie- und Lebensmittelpreise in die Höhe, während die Menschen immer weniger verdienen. Der großen Mehrheit, nämlich 85 Prozent, macht nach dem neuesten Deutschlandtrend die Entwicklung Angst – und zwei Drittel haben die alte Angst vor dem Abstieg ("dass das Geld nicht mehr reicht"), was die zerbröselnde "Mitte" entweder nach links oder nach rechts treibt. Die Hälfte meint gar, schon am Ende bei den Sparmöglichkeiten angekommen zu sein, was eigentlich heißt, dass man ein wenig kürzer treten müsste. Sie unterscheiden sich allerdings erheblich von den glücklichen 23 Prozent, die bekennen, genug Geld zu haben.
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NATO im Guerillakrieg
Telepolis - Die Debatte innerhalb der Bundeswehr und der NATO-Truppen zeigt, dass sich ihre Truppen im selben Dilemma befinden wie die sowjetischen Besatzer von 1979 bis 1989. Dabei geht es nicht nur um die militärische Auseinandersetzung. Die aufständischen Einheiten genießen damals wie heute die zunehmende Unterstützung durch die einheimische Bevölkerung. Den Rebellen - von Taliban über Al-Qaida-Gruppen bis hin zu Stammesmilizen - kommt zugute, dass der Unmut über die labile Regierung in Kabul wächst. Von der "Hilfe und Kooperation", dem Leitspruch der ISAF-Truppen, ist im Alltag kaum etwas zu spüren. Und während sich Karsai-Regierung und westliche Staatsführungen gegenseitig die Schuld an der zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Misere im Land zuschieben, können die Widerstandgruppen auf Zeit spielen. Auch das ist eine Parallele zum sowjetisch-afghanischen Krieg.
Anmerkung: Zum Thema Afghanistan ist hier langsam mal ein eigener Artikel fällig, deswegen nur so viel: einfach nur mehr Soldaten reinpumpen wird nichts helfen, das haben Vietnam und seine Nachfolger oft genug bewiesen. Wenn das so weitergeht, fliegen weiterhin Soldaten hin und Zinnsärge zurück, bis man irgendwann schmählich geschlagen abziehen und die Region in größerem Chaos zurücklassen muss als vorher.

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Alter Geist und neue Medien
Telepolis - Gerade feiert München sein 850-jähriges Bestehen, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll, so viel gibt es aus der heimlichen Hauptstadt, der Weißwurstäquatormetropole München zu berichten. Da legt ein Funktionär der CSU-Jugendorganisation mit einer [extern] Terrordrohung "im Namen Allahs" einen ganzen Flughafen lahm, weil er unbedingt seinen Flieger noch erreichen wollte. Da liefert sich die mit putinistischen Ergebnissen regelmäßig wiedergewählte Staatspartei CSU seit Monaten eine kaum verdeckte öffentliche Schuldzuweisung für die todsicheren Stimmenverluste bei den bevorstehenden Landtagswahlen. Da wird die Korruptionsaffaire bei Siemens in kleinen Einheiten entsorgt und gegen Ex-Vorstand Heinrich von Pierer kein Verfahren eröffnet - das alles und so manches mehr verdeckt den Blick für die langfristigeren Entwicklungen in der Hauptstadt der nicht mehr ganz so neuen deutschen New Economy.
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Aus Liebe zur Arbeit?
Telepolis - Wer nach Abschluss des Studiums oder der Fachhochschule keinen Job findet, versucht, den Einstieg ins Berufsleben über ein Praktikum zu schaffen. Für ein Praktikum muss man sich mittlerweile denselben Bewerbungsverfahren stellen wie bei "richtigen" Jobs. Je anspruchsvoller das Arbeitsfeld, je besser der Ruf eines Unternehmens, desto mehr wird vorausgesetzt, desto mehr Mitbewerber müssen übertrumpft werden. Nur in zwei Punkten unterscheiden sich Praktika noch: Bezahlt wird wenig bis nichts und der Druck ist höher als in "normalen" Dienstverhältnissen. Das klare Ziel der meisten Praktikanten und Praktikantinnen ist eine Anstellung, und um das zu erreichen, dürfen weder Arbeit noch Überstunden gescheut werden. Das gilt für begehrte und angesehene Jobs im Medien-, Wissenschafts- oder Kunstbereich und junge Menschen genauso wie für ältere Menschen in weniger angesehenen Jobs.
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Lernen durch Lob
Telepolis - Hat sich im Netz unversehens eine andere Pädagogik entwickelt?
Viel hat man gehört über das Web 2.0 - ein Begriff, der mittlerweile nur noch in Ermangelung eines besseren benutzt wird - so viel, dass man zeitweise glauben konnte, es bestünde nur aus Diskussionen über sich selbst. Aber ein Aspekt der veränderten sozialen Beziehungen im sozialen Web wird selten beleuchtet: die Bedeutung der "Intelligenz der Schwärme" für die Lernprozesse der Schwarmmitglieder.

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Freitag, 4. Juli 2008

Merkel, die Sachpolitikerin

Es gibt Leute, die haben einen Ruf wie Donnerhall. Viele zu Unrecht. Merkel gehört definitiv dazu. Sagenhafte Beliebtheitswerte korrespondieren bei ihr nahtlos mit einer politischen Beliebigkeit, die ihresgleichen sucht. Wer versucht herauszufinden, wo Merkel politisch steht, für was sie einsteht, läuft gegen eine Wand - eine meterdicke, seidenweiche Wand, in der man versinkt und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Aber die Hofberichterstatter weißen nur selten auf diesen Missstand hin, und wenn, dann meist mit einem Ton der Begeisterung. Wahnsinn, wie die Merkel das macht! Gerade jetzt wieder schreibt die Süddeutsche, dass Beckstein Merkel mangelnde Volksnähe vorgeworfen habe. In dem Artikel stehen neben dieser auch noch andere dümmliche Einlassungen von CDU-Granden, aber besonders ein Satz fällt auf:
Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein warf Bundeskanzlerin Angela Merkel indirekt vor, mit ihrer kühlen, sachlichen Politik die Herzen der Menschen nicht zu erreichen. (Quelle)
Kühl und sachlich? Kühl ganz bestimmt, aber wo bitte ist das, was Merkel tut, sachlich, sofern man nicht den eigenen Machterhalt als sachliche Politik auslegt? Das Phänomen Merkel ist wirklich erstaunlich. Es ist eine Schande für den deutschen Journalismus, ebenso wie die Hatz gegen Kurt Beck. Was auf der einen Seite aus dem Ruder läuft, tut es auch auf der anderen. Von Neutralität und Objektivität - ja, Sachlichkeit - ist keine Spur. Viel zu häufig werden nur die hohlen Phrasen wiedergekäut und wird bestraft, was nicht hohle Phrase ist - nur um nachher Leuten wie Herbert von Arnim Platz für das Phrasendreschen über den Politikerunmut zu lassen. Leute, das System habt ihr selbst mindestens mitgeschaffen. Tut was dagegen und werdet wieder seriös.

Fundstücke 04.07.2008

Es geht nicht um Ypsilanti
Süddeutsche Zeitung - Andrea Ypsilanti ist nicht das größte Problem der SPD in den Verwerfungen um den Umgang mit der Linkspartei. Das ist die Partei selber. Was ist ein SPD-Beschluss zur Linkspartei wert? Nicht viel, wie sich dieser Tage zeigt. Ende Februar hatte der Parteivorstand Andrea Ypsilanti de facto freie Hand für eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der Linkspartei in Hessen gegeben. Gerade einmal drei Monate später versucht die Spitze der Bundes-SPD in überraschender Eintracht und mit all ihren Kräften, Ypsilanti von einem solchen rot-roten Experiment vor der Bundestagswahl 2009 abzuhalten.
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Wenn Brüssel schon mal sozial wird
Frankfurter Rundschau - Und sie haben recht: Vor lauter Sorge um die Freiheit des Marktes haben die EU-Akteure das soziale Europa auf der Strecke gelassen. Darauf reagiert die EU-Kommission und tut endlich etwas. Genau das stößt ausgerechnet in der "sozialen Marktwirtschaft" Deutschlands auf schärfsten Widerstand. Wenn Brüssel Benachteiligten und gesellschaftlich Diskriminierten Chancen geben will, mosern deutsche Unternehmer und ihre Freunde von den Unionsparteien über bürokratischen Aufwand. Wenn die Kommission die Mitbestimmungsrechte Europäischer Betriebsräte stärken will, ereifern sich die Funktionäre in den Berliner Wirtschaftszentralen über "neue Bürokratie in den Betrieben". Der Bürokratie-Vorwurf ist die Waffe, die vor allem deutsche Kritiker auf die Brüsseler Initiative gerichtet haben. So als hätte nicht jedes sozialpolitische Gesetz seit Bismarck den Unternehmern Aufwand beschert.
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Warum die Europäer immer wieder NEIN zur EU sagen
NachDenkSeiten - Jedes Mal, wenn man die Europäer fragt, ob sie Europa zusätzliche Kompetenzen geben wollen, ist die Antwort dieselbe: nein! Und jedes Mal erklären unsere Eliten dies mit einem Mangel an inhaltlicher Auseinandersetzung, an Pädagogik. Anders gesagt, sie glauben zu wissen, dass dieses „Nein“ daraus resultiert, dass die Bürger nicht verstanden hätten. Jenseits von Partikularinteressen und lokalen Eigenheiten kann man einen anderen Erklärungsvorschlag wagen.
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Zwischen echten Feinden und falschen Freunden
Frankfurter Rundschau - Was also bedeutet Soziale Marktwirtschaft? Die berühmt gewordene Kurzformel, die Müller-Armack in den 50er Jahren entworfen hat, ist eben so prägnant wie einprägsam: "Sinn der Sozialen Marktwirtschaft ist es, das Prinzip der Freiheit des Marktes mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden." Die einfache Aussage ist alles andere als trivial, denn dahinter steht die Empfehlung eines wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Programms, das in seiner Ausgestaltung weder beliebig noch unproblematisch ist. Müller-Armack fasste Freiheit und soziale Gerechtigkeit als zwei sich ergänzende Seiten eines wirtschaftspolitisch zu realisierenden Verhältnisses auf, dessen Spannung aufrechtzuerhalten sei.
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Trübes in der deutschen Mitte
Telepolis - Die rassistische, antidemokratische und autoritäre Gesinnung in einem Großteil der deutschen Bevölkerung ist gewachsen. Diese These wurde nicht im Flugblatt einer linken Antifagruppe vertreten, sondern ist das vieldiskutierte Ergebnis einer von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie mit dem vielsagenden Titel "Ein Blick in die Mitte".
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Verhandlungssache Meinungsfreiheit
Telepolis - Nachdem ein Wasserbettenhersteller gegen einen missgünstigen Kommentar in einem Onlineforum geklagt hat, sollte in zweiter Instanz vor dem OLG Hamm darüber prozessiert werden, was Meinung ist und was nicht.
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Söhne, denkt selbst!
Stern - Wer hält die Macht in modernen Gesellschaften in Händen? Frauen. Wer entscheidet, wie Söhne über ihre Väter denken? Auch Frauen, sagt Geschlechterforscher Gerhard Amendt. Im stern.de-Interview fordert er eine neue, männliche Perspektive auf die Rolle von Vätern ein - und eine radikale Kritik an der Rolle der Frauen.
Anmerkung: Für Arne Hoffmann ist dieses Interview einer der Beweise, dass sich die Geschlechterdebatte langsam dreht. Steht zu hoffen.

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Meet the Cashtrati
Telegraph - With all the headlines about the credit crisis, collapsing house prices, job losses and the soaring cost of oil and food, it is easy to forget the stratum of society that seems to be the worst-affected - bachelors. The fiscal squeeze is hitting them where it hurts most - in the wallet. "He seemed like a normal guy," she recalls. "We met through friends, went out for a meal; he paid, and it was all very nice, but there was no real spark between us. So, when he called up the next day to ask me out again, I said no. The next day he sent me an invoice for my half of the meal."
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Frauen sind schwächer in Age of Conan
Golem.de - Wer in Age of Conan mit einem weiblichen Spielecharakter antritt, wird systematisch benachteiligt: Heldinnen verursachen bei Angriffen weniger Schaden als Helden. Hersteller Funcom räumt das Problem ein und verspricht eine Lösung - in drei bis vier Wochen.
Anmerkung: Irgendwie spricht es doch sehr für den Erfolg der Emanzipationsbewegung, dass man für "systematische Benachteiligungen" inzwischen in Fantasy-Computerspielen suchen muss...

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Hartz-IV kostet den Staat immer weniger
Neues Deutschland - Die Höhe der Einsparungen überrascht, denn die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in den letzten drei Jahren keineswegs zurückgegangen. Im Gegenteil: Bei den über 55-Jährigen wurde eine starke Zunahme an Hartz IV-Empfängern registriert. Besonders rasant ist der Anstieg in Ostdeutschland ausgefallen. Wie das BIAJ-Institut bereits im Mai dieses Jahres meldete, seien vor allem Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. In den drei Bundesländern nahm die Zahl der Betroffenen um mehr als 12 Prozent zu. Wie also kommt es zu den Einsparungen bei der »Grundsicherung für Arbeitssuchende«? Ganz einfach: Seit dem 1. Januar 2007 erwerben Langzeitarbeitslose kaum noch Rentenanwartschaften, denn der Bund kürzte einfach die Rentenzuschüsse.
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Die sieben atomaren Mythen
Die Welt -
Viel stärker als nostalgische Erinnerungen an die Zeit der aufgeregten Parteitagsdebatten übers Atom, an die Demo-Busfahrten und Bauzaunkämpfe wirkt jedoch das Jahr 1986 nach. Keine Kultur wurde vom Tschernobyl-Trauma heftiger erfasst als die deutschsprachigen Länder. Eine ganze Generation las im Deutschunterricht Gudrun Pausewangs Horrorvision "Die Wolke". Dagegen kamen die Physiklehrer nicht an. Dagegen halfen auch keine Hochglanzbroschüren der Atomlobby, der bis heute fast niemand glaubt. Das Wort "Tschernobyl" genügt nach wie vor, um jeden Hinweis auf mögliche Vorteile der Atomkraft sofort zu unterbinden. Um Tschernobyl und andere verstrahlte Reizworte rankt sich ein Mythenreich. Atomkraft erscheint darin als der apokalyptische Schrecken schlechthin, die extremste Form großtechnologischen Wahnsinns. Die mit einem Stichwort in vielen Köpfen abrufbaren Bilder sind das Haupthindernis für eine rationale Debatte, die das Für und Wider dieser Energieform erneut abwägt. Sieben Mythen blockieren das Weiterdenken.
Anmerkung: Ein astreiner Propagandaartikel der Welt. Am Anfang mal eben ein bisschen Umweltaktivistenbashing, danach eine reflexionslose Zusammenstellung von Pauschalisierungen und Herunterspielen von Gefährdungen. Wolfgang Clement wird als "SPD-Querulant" vorgestellt, der "schon immer" gegen Atomkraft war. Dass er das war, weil er ein gekauftes, korruptes §"%!"/§& ist, das steht im Welt-Artikel natürlich nicht. Gleiches gilt auch für die korrupte Grünen-Bande um Rezzo Schlauch.
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Alte Freunde
German Foreign Policy - Wie die Bundesregierung bestätigt, hat sie in schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen diverse Fragen des japanischen Militärattachés zum Bundeswehr-Inlandseinsatz in Heiligendamm beantwortet. Dort waren im Juni 2007 anlässlich von Protesten gegen den G8-Gipfel 2.450 Soldaten zum Einsatz gekommen - unter Bruch des Grundgesetzes, das solche Einsätze verbietet. Bereits bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 und beim Besuch von US-Präsident Bush im selben Jahr waren Bundeswehrsoldaten im Einsatz, jedoch wurden sie nicht mit exekutiven Aufgaben betraut. In Heiligendamm wurde diese Grenze überschritten. Unter anderem waren drei Minenjagdboote, eine Fregatte, zwei Spürpanzer, zehn Spähpanzer, vier Eurofighter, acht Jagdflugzeuge und Aufklärungstornados im Einsatz. Kritiker sprachen damals von einem "Testballon auf dem Weg zu einer militarisierten Gesellschaft".
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Obama verfeinert seine Strategie
Süddeutsche Zeitung - Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat sein Wahlversprechen relativiert, die Kampftruppen aus dem Irak unverzüglich innerhalb von 16 Monaten abzuziehen. Auf einer Wahlveranstaltung in North Dakota kündigte er an, dass er bei einem bevorstehenden Truppenbesuch im Irak mit den "Kommandeuren im Feld" beraten und dann seine Abzugsstrategie "verfeinern" werde. "Mein 16-Monats-Zeitplan hatte immer die Sicherheit unserer Truppen zur Voraussetzung", sagte Obama. Das bleibe Grundlage seiner Pläne. Er fügte allerdings hinzu, dass eine wichtige Voraussetzung für den Truppenabzug auch sei, "dass der Irak stabil ist".
Anmerkung: Obama "verfeinert" also seine Strategie. Man könnte auch sagen, er prostituiert sich für dieses illusionäre Gebilde "Mitte". Aber das ist Ansichtssache. Nicht viel her, der change. Aber das war zu erwarten.

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Donnerstag, 3. Juli 2008

Schrecken ohne Ende

Ich glaube, die SPD will einfach nicht regieren. Man muss sich den Parteivorstand wahrscheinlich als eine Narrenzunft vorstellen, die einfach nicht einsehen will, dass Fastnet nur einmal im Jahr ist. In der Öffentlichkeit wollen sie nicht auffallen und machen nur subtile Werbung für ihr Anliegen der ratio-losen actio, und im Geheimen setzen sie Narrenkappen auf. Vielleicht sind es auch Eselsmützen, da kann man sich nicht so sicher sein.
Der SPD-Vorstand hat nun nämlich - geschlossen, inklusive der "linken" Andrea Nahles - ein Sondergespräch mit Ypsilanti anberaumt, um ihr die LINKE-Tolerierung endgültig auszureden. Es gelte "das Wort von Beck, dass man nicht zweimal mit dem Kopf durch die gleiche Tür rennt", heißt es. Nein, man tut es vier-, fünf-, achtzehn-, hundertmal. Ja, glauben die denn, das Wahlergebnis ändere sich über Nacht, wenn sie noch einmal ihr Nein zur Zusammenarbeit mit der LINKEn bekräftigen? Glaubt die SPD, es geschieht ein Wunder, und die FDP sagt plötzlich: "Na dann, darauf haben wir ja nur gewartet, machen wir eine Ampel!"? Dass Koch plötzlich verschwindet, sich einfach mit einem Puff auflöst und damit eine GroKo vertretbar scheint? Der Vogel Strauss verfügt über mehr Verstand als diese Partei.
Immerhin darf man davon ausgehen, dass man sich bei CDU und FDP kringelig über den Jecken-Verein lacht. An der Front kann die SPD immerhin voll punkten.

EZB erhöht Leitzins

Hurra, der Sieg der Ideologie über die Vernunft: Die EZB erhöht den Leitzins von 4,0% auf 4,25%. Das dämpft zwar die Konjunktur, aber hey, die Inflation ist auf "Rekordniveau" und muss bekämpft werden. Dass die Inflation hauptsächlich von den gestiegenen Rohstoffpreisen kommt, die die Enegiepreise hochjagen, was mit Spekulation und kein bisschen mit Krediten zu tun hat - das braucht die EZB ja nicht zu interessieren. Hauptsache wieder Konjunktur abgewürgt, das kann sie, darin hat sie Übung.

Fundstücke 03.07.2008

Wehret dem Metzger!
Frankfurter Rundschau - Es gibt in diesen Tagen ziemlich viele Veranstaltungen wie diese: Ein paar Dutzend Parteimitglieder, ganz überwiegend verdiente Funktionäre, versammeln sich in einem viel zu großen Saal, um ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr zu nominieren. Zur Wahl steht einer, der sowieso schon in Berlin ist, Gegenkandidaten gibt es nicht. Das Publikum hört eine längliche Vorstellungsrede, dann wird abgestimmt. Breite Mehrheit, alles wie immer. Politik an der Basis ist selten spannend. Egal, um welche Partei es geht. Gemessen daran hat sich die CDU im Wahlkreis Biberach Unerhörtes geleistet: Einen wochenlangen Wahlkampf potenzieller Wahlkreis-Kandidaten. Das Duell eines bodenständigen Parteifunktionärs gegen den prominenten Ex-Grünen Oswald Metzger. Eine Versammlung von tausend Christdemokraten, eine Debatte bis tief in die Nacht, Entscheidung im dritten Wahlgang… Man darf ins Schwärmen geraten angesichts dieses schönen Beispiels innerparteilicher Demokratie. Wenn die Christdemokraten (oder die Sozialdemokraten oder die Liberalen oder wer auch immer) sich so etwas öfter leisteten, sie bräuchten sich den Kopf wegen sinkender Mitgliederzahlen nicht zu zerbrechen.
Anmerkung: Der Artikel findet es später aus irgendeinem Grund gut, wenn eitle Selbstdarsteller wie Metzger mehr in den Bundestag kämen, weil dadurch Qualität in die Politik käme. Das halte ich für Unfug. Typen, die in jeder Talkshow sitzen, einfach nur, weil sie von der INSM bestochen werden und permanent die eigenen Leute schlecht machen, braucht der Bundestag nicht - und das hat auch nichts mit der Qualität der Politik zu tun.
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Wieder daheim
Frankfurter Rundschau - Berlin. Als die Mauer in Berlin in den 80er Jahren noch immer stand, konnte sich kaum jemand vorstellen, dass aus zwei deutschen Ländern jemals wieder eins werden könnte. Mit der Globalisierung ist das so ähnlich. Seit mindestens zwei Jahrzehnten erleben wir, dass die Welt zu einem großen Markt verschmilzt. Und nur die wenigsten wagen zu fragen, ob dieser Prozess zwangsläufig immer weitergehen muss. Vielleicht ist aber auch hier das Undenkbare möglich. Vielleicht kippt die Globalisierung bald wie die Mauer in Berlin. Dafür sprechen unternehmerische Entscheidungen wie die von Steiff, nach Hause zurückzukehren. Dabei ist es weder neu noch selten, dass Manager wie normale Menschen erst im Ausland den Reiz der Heimat entdecken.
Anmerkung: Die Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland ist mithin nur eine Drohgebärde, die Horrorzahlen maßlos übertrieben.
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Falsche Geldpolitik in Europa
Financial Times Deutschland - Natürlich kann eine Zentralbank durch entsprechend hohe Zinsen die Preissteigerungsrate auch bei verrückt spielenden Rohstoffmärkten auf 2% drücken, indem sie die Konjunktur so abwürgt, dass die Unternehmen wegen sinkender Nachfrage die Rohstoffpreissteigerungen nicht voll an die Verbraucher weitergeben können oder andere Unternehmen mit allen negati-ven Folgen für die Investitionstätigkeit und Arbeitsplätze trotz unveränderter Kostensituation ihre Preise senken müssen. Dann mag beim Gesamtindex wieder die Zielinflationsrate herauskommen. Nur: Wer außer der "Glaubwürdigkeit" einer auf einen solchen Index fixier-ten Zentralbank hat davon einen Nutzen?
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Yes, we can!
NachDenkSeiten - Niemand kann alleine die Welt verändern; ohne Anhänger, die er von seiner Vision überzeugen kann, wäre auch ein Gandhi machtlos gewesen. Die entscheidende Einsicht, die Menschen erst an den Erfolg glauben lässt, ist, dass man „gemeinsam“ etwas erreichen kann. Deswegen, und nicht wegen des Pathos, funktioniert Barack Obamas Wahlkampfspruch: “Yes, we can!” Er trägt nicht nur das Banner vorneweg, sondern er gibt Menschen das Vertrauen und den intellektuellen Respekt, den sie verdient haben.
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Wer bekommt die Schuldenzinsen?
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Karlsruhe kippt Teile des Bundestagswahlrechts
Süddeutsche Zeitung - Das Wahlrecht bei Bundestagswahlen muss geändert werden. Das Bundesverfassungsgericht hat an diesem Donnertag das bisher geltende Wahlrecht für Bundestagswahlen für teilweise verfassungswidrig erklärt. Die Vorschriften zum sogenannte negativen Stimmgewicht verletzten die Gleichheits-Grundsätze, urteilten die Richter am Donnerstag in Karlsruhe. Obwohl die letzte Bundestagswahl damit auf einem Wahlfehler beruhe, werde der derzeitige Bundestag aber nicht aufgelöst. Der Gesetzgeber müsse jedoch bis Ende Juni 2011 Regelungen finden, mit denen dieses Paradox künftig vermieden werde.
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"Im Halbdunkel der Verrechnung"
Süddeutsche Zeitung - Das Bundesverfassungsgericht hat Teile des Wahlrechts für verfassungwidrig erklärt. Der Politologe Jürgen W. Falter erklärt im Interview mit sueddeutsche.de , warum der deutsche Wähler bislang nicht sicher weiß, was er mit seiner Stimme wählt und welche Folgen die Entscheidung von Karlsruhe haben soll.
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Allein mit der Meute
Stern - Kurt Becks Beschädigung durch die Medien wirft eine Grundsatzfrage auf: Haben Politiker aus der Provinz überhaupt noch eine Chance? Die Antwort darauf gibt auch Auskunft über die Zukunft der Demokratie.
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Mittwoch, 2. Juli 2008

Zwei Beispiele für die Widersinnigkeit des herrschenden Wirtschaftsystems

Beispiel 1:
Starbuchs streicht 7% Stellen - weltweit - und schließt hunderte Filialen.
Direkte Reaktion: der Börsenkurs legt kräftig zu.
Beispiel 2:
Die Post verklagt den Staat erfolgreich auf eine Milliarde Euro.
Direkte Reaktion: das Geld wird an die Investoren ausgeschüttet.

Ein bodenloser Pfuhl

Ackermann kauft sie alle. Wieder einmal macht das laufende Victory-Zeichen klar, wie skrupellos er wirklich ist - und zeigen diverse andere Leute, wie weit es mit der Moral der Eliten her ist und wie käuflich sie alle sind. Kurz: man kann dieser Tage einen Blick in einen stinkenden Pfuhl werfen, in dem sich unsere Eliten suhlen.
Um was geht es? Ackermann hat in einer Art globalen Einkaufstour zwei Leute für die Deutsche Bank gewinnen können, die vor kurzem noch einen ganz anderen Arbeitgeber hatten. Soweit klingt das nach einer normalen Abwerbung, aber delikat wird die Sache bei einem Blick auf den Arbeitgeber: die Bankenaufsicht BIZ. Kaufen lassen haben sich zwei 64jährige, Caio Koch-Wester (bereits unter Schröder negativ aufgefallen) und Malcolm Knight (aus Kanada), beide mit großer Verantwortung in der Abwicklung der Bankenkrise betraut und entscheidend an den Plänen der Bankenaufsicht beteiligt, künftig mehr zu regulieren und zu überwachen.
Dadurch fiel Ackermann Know-How in die Hände, dessen Wert für die Deutsche Bank wahrscheinlich kaum abschätzbar ist. Aus seiner Perspektive ist das wahrscheinlich ein ungemein schlauer Schachzug, und die beiden rückgratlosen Aufseher, die sich hier für ihn prostituieren, werden wahrscheinlich auch irgendwelche "überzeugenden" Argumente auf ihrer Seite haben.
Die Bankenaufsicht und die Notenbanken rufen jetzt ebenso wie einige Politiker nach Verhaltenskodices und Sperrfristen. Ja, meine Güte, was redet man denn seit Jahren? Jedes Mal wenn so etwas passiert, schreien irgendwelche Wendehälse nach Verhaltenskodices, und jedes Mal spricht man dann schnell einschränkend von freiwilliger Selbstverpflichtung: bloß nicht gesetzlich festzurren, das wäre ja sozialistisch. An und für sich ist das, was Knight und Koch-Weser hier machen Verrat. Wäre es im militärischen Bereich, würde man sie wegen Hochverrats einbuchten, und CDU und CSU würden fordern sie an die Wand zu stellen. So aber weht ein laues Protestlüftchen. Ich könnte gar nicht so viel fressen wie ich kotzen könnte.

Quellen:
NDS
Handelsblatt 1
Handelsblatt 2
Handelsblatt 3

Fundstücke 02.07.2008

Ostdeutschland erneut im Brennpunkt der großen Parteien
NachDenkSeiten - Es hat lange gedauert, bis Ostdeutschland als politisches Kernthema wieder einmal von den großen Parteien entdeckt wurde. CDU und SPD haben jetzt im Vorfeld des Wahljahres 2009 zwei neue Dokumente zu Ostdeutschland vorgelegt. Hinter dem Ringen um politische Dominanz ihrer jeweiligen Partei verbergen sich auch abweichende Konzepte, die allerdings kaum Neues beinhalten. Es gilt ein kritisches Schlaglicht darauf zu richten und nach positiven Inhalten für die praktische Politik zu suchen.
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SPD-Vorstand warnt vor Kollektivpsychose
Stern - SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer hat seine Partei dazu aufgefordert, die pauschale Abgrenzungspolitik gegenüber der Partei "Die Linke" aufzugeben. "'Nie- und nimmer'-Absagen an Koalitionen mit der Linken sind kontraproduktiv!", schreibt Scheer in einem Beitrag für das Hamburger Magazin stern. "Sie verhindern nicht, dass die Linkspartei zu Lasten der SPD immer stärker wird." Die SPD schwäche sich mit ihrer Antihaltung nur selbst. Es sei höchste Zeit, die Auseinandersetzung "klarer, selbstbewusster, differenzierter" zu führen, und "nicht länger in der Art einer Kollektivpsychose".
Anmerkung: Hermann Scheer bleibt ein einsamer Rufer in der Wüste und einer der wenigen wählbaren Politiker in der SPD.

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Diese Seite wendet sich an alle die etwas verändern möchten - denn es ist möglich, 2009. Ich gebe hier eine Anleitung mit der wir alle im Jahr 2009 dafür sorgen, dass etwas geschieht. Das Credo: Sobald wir so wählen, dass mindestens 3 Parteien zur Regierungsbildung notwendig sind, sind die Politiker gezwungen sich zu bewegen.
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Abgemetzgert

Die Nachricht tut gut: Oswald Metzger ist bei der CDU Biberach durchgefallen. Gewählt wurde Josef Rief, seit Jahrzehnten in der CDU. Gemangelt hat es Metzger vor allem an der eigenen Glaubwürdigkeit. Seine Ansichten passen in die Partei, ganz ohne Zweifel - seine Attitüde überhaupt nicht. Mit der wäre er in der FDP gut aufgehoben gewesen, die ihn ja auch genommen hätte - nur das wollte er ja nicht, er wollte den sicheren Listenplatz. Jetzt hat er verspielt, denn noch ein Wechsel ist kaum drin.
Schade um ihn ist es sicher nicht, denn Metzger ist ein skrupelloser Opportunist. Nichts gegen seinen Parteiwechsel, der war überfällig - aber die Chuzpe, mit der er das Bundestagsmandat erreichen wollte, war einfach unter aller Sau. Dazu kommt, dass er seine Ansichten gerne als "kritisch" oder "pragmatisch" verkauft, was jedoch Heerscharen von Abgeordneten bei CDU, FDP und SPD genausogut hinbekommen - da brauchen sie keinen weiteren Unsympath mit Hornbrille.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung
Stern
Frankfurter Rundschau

Zum Thema:
Feynsinn

Dienstag, 1. Juli 2008

Dichte(nde) Bayern



Da muss man nicht mehr dazu sagen, oder?

Nachtrag: Die SPD ist nicht viel besser.

Fundstücke 01.07.2008

Der wahre Rentenskandal
Frankfurter Rundschau - So argumentiert nur der, der an den Generationenkonflikt glaubt. Wir glauben nicht dran. Wir ärgern uns vielmehr über diese Formel, die niemand versteht. Sie ist der eigentliche Skandal. Denn sie verhindert eine aufgeklärte politische Debatte – und überlässt das Feld damit den Technokraten mit ihrem Herrschaftswissen.
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Das Gespenst der Siebziger
Handelsblatt - „Ägypten und Syrien haben Israel überfallen, im Sinai und auf den Golan-Höhen wird geschossen“ – mit dieser Eilmeldung beginnt die ARD am 6. Oktober 1973 ihre 20-Uhr-Tagesschau. Wenige Monate später, Mitte Februar 1974, laden aufgebrachte Bürger ihren Hausmüll im Garten von ÖTV-Chef Heinz Kluncker ab. Was beide Ereignisse miteinander zu tun haben? Sie markieren das endgültige Ende des deutschen Wirtschaftswunders. Was folgte, waren Ölpreiskrise, Inflation und Arbeitslosigkeit.
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Verrenkungen in der Turnstunde
Das Magazin - Nichts, was nicht im Lehrbuch steht über Turnen am Reck, am Barren oder auf dem Minitrampolin: Ein Lehrer hat beim Geräte- oder Bodenturnen Hilfestellungen zu leisten. Nur sind diese Vorschriften nicht mehr unverfänglich. Ob Klammergriff am Oberarm, um beim Sprung über den Bock zu helfen; ob stützende Hände im Kreuz, damit der Überschlag aus dem Handstand heraus gelingt: Wird zu schnell gesprungen oder gedreht, könnten die Hände unbeabsichtigt falsche Körperstellen berühren. Eine Laufbahn ist so schnell beendet.
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Proletarier aller Länder - wo seid ihr?
Süddeutsche Zeitung - In diesem Sommer 2008, vielleicht schon in wenigen Tagen, dürfte es soweit sein: Die Sozialdemokraten werden weniger Mitglieder zählen als die CDU. Dies markiert einen scharfen historischen Einschnitt. Noch Anfang der siebziger Jahre hatte die SPD über eine halbe Million Menschen mehr organisiert als die Christdemokratie. Doch bis Ende Mai 2008 ist der SPD-Vorsprung auf ein klägliches Plus von 438 Mitgliedern zusammengeschmolzen; Tendenz: kontinuierlich weiter fallend. Ein langer Abschnitt deutscher Parteiengeschichte und industriegesellschaftlicher Organisationskultur geht zu Ende.
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Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Wo wir gerade ohnehin bei Zahlen und Umfragen sind: in der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Artikel mit der beeindruckend unreflektierten Überschrift: "Sommermärchen für den Stellenmarkt". Ohne Fragezeichen. Hintergrund ist das saisonbereinigte Sinken der offiziellen Arbeitslosenzahlen auf 3,16 Millionen. Damit sei die Arbeitslosenquote bei nur noch 7,5%. Bestimmt haben sie in der Agentur ein Fass aufgemacht. Dass über 7 Millionen Menschen Hartz-IV-Empfänger sind und das Glück der Zahlen dabei weit dämpfen, steht bezeichnenderweise nicht in dem Artikel. Schlechte, befristete Jobs senken nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Statistik.
Doch es geht noch weiter. Auf Grundlage dieser enorm guten Nachrichten fabuliert die BA von Spielraum für eine weitere Senkung der Arbeitslosenversicherung auf 3% und redet damit der CDU das Wort. Denn, wenn alles bleibt wie es ist, dann hätten wir 2012 (!) einen Überschuss von 11 Milliarden erwirtschaftet. Ist doch klasse, oder? Wer bezahlt diese Zahlenjongleure eigentlich?!
Der Verwaltungsrat und die Politik müssten entscheiden, ob sie das Geld zur Senkung der Beiträge oder für zusätzliche arbeitsmarktpolitische Maßnahmen verwenden wollen. (Quelle)
Hm, das ist wirklich schwierig. Wofür geben wir Geld aus, das wir nicht haben? Der Trend schwächt sich bereits ab, sagt die BA in lockerem Ton dazu, aber man gehe davon aus, dass er anhält. Bereits jetzt entzieht sich die BA in einem Satz die Grundlage für das Zahlenzauberwerk, das sie im Satz vorher geschaffen hat. Die professionellen Kaffeesatzleser von DIW und Ifo sagen bereits mit grabesschwerer Stimme und Blick in die Glaskugel, dass es zwar 2008 weiter zu einem Abbau von Arbeitslosigkeit komme, 2009 aber nicht mehr. Wie sie draufkommen, bleibt der Artikel schuldig. Aber das macht gar nicht, weil:
Allerdings, so gab Weise zu bedenken, dass bereits ein Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 100.000 zu Mehrkosten von 1,3 Milliarden Euro pro Jahr führe. (Quelle)
Na, wenn es weiter nichts ist! Dann muss die Zahl ja nur bis 2012 konstant bleiben, was? Kinderspiel.

Nachtrag: Etwas differenzierter gibt es das bei der Frankfurter Rundschau.

Schlechte Vermittlung

Es sind neue, erschreckende Zahlen auf dem Markt: 70% der Studenten sind inzwischen gegen Studiengebühren, so viele wie noch nie zuvor. In der Zeit wird auf drei Seiten darüber palavert. Quintessenz: die Unis haben es nicht geschafft, den Studenten den Nutzen der Studiengebühren richtig zu vermitteln.
Ihr wisst schon, die gleiche dumme Scheiße wie bei allen Hartz-IV- und Agenda2010-Umfragen: das Volk ist mehrheitlich dagegen, weil es zu dumm ist zu verstehen, warum es toll ist, für den Nutzen einiger weniger unglaublich viel blechen zu müssen. Schon klar, dass wird es sein. Die Studenten verstehen einfach nicht, dass man mit Geld Sachen kaufen kann. Ist auch ein echt komplizierter Sachverhalt, also Hut ab für die zuständigen Sachpolitiker.
Vielleicht - nur als Denkansatz - HABEN die Studenten verstanden, dass man für Geld Sachen kaufen kann. Und wenn man über 600 Euro im Semester abdrücken muss, die leider nicht jeder von seinen reichen Eltern erhält - die der Artikel übrigens in den Schlussabsätzen einfach voraussetzt - , dass man dann eben entsprechend weniger bis hin zu nichts kaufen kann. Tjaa, das ist den zuständigen Sachpolitikern dann aber doch deutlich zu kompliziert.

Montag, 30. Juni 2008

Vorsicht beim Sprachgebrauch

Die Braunschweiger Zeitung steht gerade massiv in der Kritik. Warum? Weil die Auflösung eines Kreuzworträtsels das Wort "Negerkuss" ergab. Mann, wissen die denn nicht, dass "Neger", auch in Kombination mit anderen Worten in gänzlich unverdächtigen Zusammenhängen extrem rassistisch ist? Hallo, McFly! Heute Negerküsse, morgen Auschwitz! Dass irgendwelche Pappnasen das echt immer noch nicht verstehen, wo sogar die Industrie die Dinger inzwischen Schokoküsse nennt! Wie viele unschuldige Seelen von maximal pigmentierten Mitbürgern mit Migrationshintergrund das wohl zerstört hat! Man kann sich nur an den Kopf fassen. Ein Glück gibt es die Sittenwächter der political correctness, nicht auszudenken, wenn die hier einen Moment an Wachsamkeit nachgelassen hätten...

Anmerkung: Das war Satire.