Mittwoch, 20. Dezember 2006

Schäuble in allen Wolken, Nachtrag


In der Zeit wird ein Loblied auf Schäubles Vorschlag angestimmt, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben, versehen gleich mit einem eigenen Vorschlag: 80. Dabei werden in dem Artikel munter Fakten durcheinandergeworfen und weitere herbeifabuliert. So berichtet man wieder über die allseits bekannte und deswegen nicht minder mysteriöse "demographische Entwicklung", die das Rentensystem angeblich unbezahlbar macht. Da wird erzählt, dass die Rente ohnehin auch bei einer Anhebung auf 80 (und damit die durchschnittliche Lebenserwartung) nicht mehr als eine Grundsicherung sein könne, und dass man privat vorsorgen muss. Da wird erklärt, dass Bismarck, der unser BRD-Rentensystem entworfen habe sich das alles ja ganz anders vorgestellt hat als heute, quasi als Gnadenbrot vor dem Abkratzen.
Was in dem Artikel natürlich nicht erwähnt wird ist, dass die Leute keine Jobs finden werden. Dass es eigentlich hauptsächlich darum geht, mehr Geld zu verdienen (Unternehmer) und weniger auszugeben (Staat). Dass die Versicherungswirtschaft ihre ganzen Schmiergelder für die Privatvorsorgekampagne endlich rentiert haben will.
Aber das sind ja alles Nebensächlichkeeiten. Dass diese überkommene Weltsicht Bismarcks von vor 150 Jahren eigentlich durch unsere sozialen und zivilisatorischen Errungenschaften endlich ad acta gelegt sein sollte, findet keinen Niederschlag. Ich meine, wenn langsam die "Sozialsysteme" des Kaiserreichs als überzogener bürokratischer Moloch gelten weiß ich auch nicht mehr.

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