Dienstag, 1. Juli 2008

Schlechte Vermittlung

Es sind neue, erschreckende Zahlen auf dem Markt: 70% der Studenten sind inzwischen gegen Studiengebühren, so viele wie noch nie zuvor. In der Zeit wird auf drei Seiten darüber palavert. Quintessenz: die Unis haben es nicht geschafft, den Studenten den Nutzen der Studiengebühren richtig zu vermitteln.
Ihr wisst schon, die gleiche dumme Scheiße wie bei allen Hartz-IV- und Agenda2010-Umfragen: das Volk ist mehrheitlich dagegen, weil es zu dumm ist zu verstehen, warum es toll ist, für den Nutzen einiger weniger unglaublich viel blechen zu müssen. Schon klar, dass wird es sein. Die Studenten verstehen einfach nicht, dass man mit Geld Sachen kaufen kann. Ist auch ein echt komplizierter Sachverhalt, also Hut ab für die zuständigen Sachpolitiker.
Vielleicht - nur als Denkansatz - HABEN die Studenten verstanden, dass man für Geld Sachen kaufen kann. Und wenn man über 600 Euro im Semester abdrücken muss, die leider nicht jeder von seinen reichen Eltern erhält - die der Artikel übrigens in den Schlussabsätzen einfach voraussetzt - , dass man dann eben entsprechend weniger bis hin zu nichts kaufen kann. Tjaa, das ist den zuständigen Sachpolitikern dann aber doch deutlich zu kompliziert.

Kommentare:

  1. Ich zahle 592 Euro in Bayern, 500 Euro Studiengebüren.

    Laut meinen Professoren kommen davon ganze 40 !! Euro bei der Uni an , die aber im selben Volumen der Uni durch Kürzung der staatlichen Förderungen wieder entzogen werden.

    +-0 für die Uni , -500 für mich, jetzt ist nur die Frage was aus den +500 wird die ja irgendwo sein müssen ;) Damit werden wohl gewisse Löcher gestopft die aus anderen Gründen entstanden sind.

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  2. @anonym: Jetzt müsstest du nur noch verstehen, dass das gut für dich ist!
    Scherz beiseite: Der Autor des Zeit-Artikels hat, wie ich es verstanden habe, gemeint: Je schlechter die Studenten über die Verwendung der Gebühren informiert sind, desto unwilligere Zahler sind sie. Es mangelt also an der Transparenz über die Verteilung der Einnahmen. Da ist etwas dran, aber das ist etwas anderes, als das schlimme Problem der politischen Elite, die an die Allmacht der Werbung glaubt, daran, dass mit entsprechender Vermittlung sich jede noch so miese Idee verkaufen lässt. Leider eine weit verbreitete Ansicht - ich denke nur an die Reaktionen auf irische "Nein" zum Lissaboner Vertrag. Darauf kann man als nur minimal freiheitsliebender Mensch nur allergisch reagieren.
    Abgesehen davon sind Studiengebühren aus verschiedenen Gründen abzulehnen. Der wichtigste ist das Recht auf Bildung, unabhängig vom elterlichen Einkommen. Die anderen spare ich mir mal. Und das hat mit Transparenz genauso wenig zu tun wie mit Vermittlung, sondern einfach nur mit Wollen: Will ich, dass nur Kinder aus Mittel- und Oberschicht studieren? Dann muss ich Studiengebühren wollen. Will ich weit gehend offenen Zugang zur universitären Bildung? Dann muss ich gegen Studiengebühren sein. Und das bin ich, deshalb freue ich mich, dass sie zum Auslaufmodell geworden sind.

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