Freitag, 27. November 2020

Macron fährt im 4er BMW mit Globulis zu Pinguinen und verprügelt sie - Vermischtes 27.11.2020

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) BMW 4er: Die Ästhetik der Angst

Der Premiumhersteller aus München schreibt dazu: „Grenzen verschieben, eigenen Regeln folgen, sich durch nichts aufhalten lassen: Das neue BMW 4er Coupé setzt sich mit progressivem Design über bestehende Konventionen hinweg.“ Was könnten das für Konventionen sein? Die Straßenverkehrsordnung? Oder lah­me Enten, die nicht schnell die Spur wechseln, wenn man ihnen – wild die Lichthupe betätigend – mit Tempo 230 suggeriert, dass hier kein Verkehrsteilnehmer im Amok heranrast, sondern jemand, der die Grenzen verschiebt? Es passt zur Ära der Egozentrik. Und der neue BMW passt gut in eine Zeit, da die Straßen nicht mehr nur von Autos, sondern immer öfter von fahrbaren Kriegserklärungen bevölkert werden. Ein Auto, das mit einem monsterhaft vergrößerten Frontgrill versehen ist, mit der sogenannten Monsterniere, illustriert perfekt die Epoche der Ichlinge, die eine Ästhetik der Angst hervorgebracht hat. Das neue Modell aus Bayern ist mit seiner grotesk, ja beinahe sinnentleert pathologisch vergrößerten „Niere“ – so heißt der BMW-typische Kühlergrill – nur ein Beispiel für diese bemerkenswert barbarische Entwicklung, die aus dem einst verehrungswürdig eleganten Auto­design der Nachkriegsmoderne eine Monsterschau macht. [...] Auch andere Premiummarken wie Audi oder Mercedes setzen auf ein Design, das wirkt, als wolle man andere Verkehrs­teilnehmer am liebsten zermalmen. Selbst die Kleinwagen der Massenhersteller fangen an, solchen Furor der Idio­tie zu kopieren. Als wollten sie wörtlich nehmen, was sonst Greta Thunberg in einem ganz anderen Kontext meint: „I want you to panic!“ [...] Um den fahrenden Menschen im Auto und seine Bequemlichkeit geht es nicht. Es geht um den vor Angst schlotternden Menschen vor dem Wagen. Man kann nur hoffen, dass die Evolution über die Autoaggression der Gegenwart hinweggeht wie einst über die Dinos. Vielleicht erinnern die Autos der Gegenwart ja deshalb an die Saurier. (Gerhart Matzig, Fair-kehr Magazin)
Rein persönlich stehe ich auf derselben ästhetischen Vorliebe wie Matzig; ich kann diesen hyperaggressiven Auto-Designs auch nichts abgewinnen. Auffällig ist aber auf jeden Fall die Verbreitung dieser Modelle. Wie so viele Moden schwappte das durch alle Marken und findet sich mittlerweile überall. Zum Grund, warum dieses Design gerade so erfolgreich ist, kann ich natürlich auch nur Küchentischpsychologie anbieten, aber ich unternehme trotzdem einen Versuch.
Autos werden mehr und mehr von Werkzeugen und Transportmitteln, die jeder einfach per se besitzen muss, zu Statussymbolen. Das ist durchaus vergleichbar mit den Handys, die früher auch eher zweckmäßig designt waren und bei denen Form und Ästhetik längst die reine Funktionalität verdrängt haben. Die Klientel, die ihre Identität stark mit Autos verknüpft haben, sind gleichzeitig die, die "fahrende Kriegserklärungen" bevorzugen. Was denkt ihr?

2) Stöhnt lieber leise in den Pinguin-Etagen

Die Neuzugänge scheitern an mächtigen Netzwerken, gut geölten Männerfreundschaften, auch an einzelnen Provokateuren, die zur Belustigung der Gorillaherde jovial geduldet werden. Wer das nicht witzig findet, hat halt keinen Humor. Damit nicht herauskommt, woran so viele Frauen in Führungspositionen scheitern, zahlen die Firmen den abgeschossenen Managerinnen hohe Abfindungen, die mit einem Schweigegelübde einhergehen. Keine darf über ihre Erfahrungen, über die Untiefen, auch nicht über die fremden und eigenen Fehler reden. Dieser Maulkorb ist Mitschuld an der Misere. Denn so tappt eine mögliche Nachfolgerin unversehens in die gleichen Fallen. Und scheitert ebenfalls, wie durch ein Wunder. Was wiederum beweist: Die Frauen können es halt nicht. [...] Gegen diesen Mechanismus hilft nicht allein das überfällige Gleichstellungsgesetz. Es hilft nur: Reden. Offenlegen. Auspacken. Gemeinsam, öffentlich und schonungslos. Eine Art #MeToo-Bewegung der Führungsfrauen könnte eine gesellschaftliche Diskussion auslösen und endlich ans Licht bringen, warum deutsche Unternehmen in Sachen Diversität so peinlich hinterherhinken. Noch hält das Mantra, wonach es unprofessionell und eine Schwächung des Marktwerts sei, offen über seine Erfahrungen zu berichten. Noch gelingt die Vereinzelung. Obwohl sich die Fälle ähneln, häufen, wiederholen. Wenn sich das einmal ändert, könnte das Kartenhaus namens deutscher Unternehmenskultur einstürzen. Und Frauen hätten endlich gleiche Chancen auf Erfolg. (Michaela Schießl, SpiegelOnline)

Die Debatte, warum Quoten für Spitzenpositionen nicht automatisch zu einem Abbau von Diskriminierung führen, wird uns in Fundstück 7 noch einmal begegnen. Die strukturellen Ursachen, die von Schießl hier genannt werden, sind auf jeden Fall ein Teil der Misere. Es ist eine Frage von Führungskultur. Fische haben die Tendenz, vom Kopf her zu stinken. Wenn von der Führungsebene Maßstäbe vorgegeben werden, die zu Diskriminierung führen, kann ich noch so viel Wortklimbim drumherum packen. Das ist wie Eltern, die ihre Kinder schlagen (siehe Fundstück 5) und ihnen ständig predigen, dass Gewalt keine Lösung ist. Taten prägen stärker als Worte.

3) Grüne wollen an die Macht – dieses Mal wirklich

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