Sonntag, 25. Februar 2007

Faule Profs?, Nachtrag

Laut dem Manager Magazin, einer sicherlich unbestechlich-seriösen Quelle (man beachte die Ironie), arbeitet die Hälfte aller Professoren nur halbtags und 5% so wenig, dass man sie entlassen müsste. Die üblichen Klagen finden ihren Niederschlag: die Profs sind alle faul, verarschen die Studenten in den Seminaren und Vorlesungen und machen generell nix. Soweit findet sich da wenig Neues. Interessant ist vielmehr, dass die meisten ihnen angebotene (leider nicht näher spezifizierte) lukrative Nebenjobs annehmen, die zwei bis drei Tage pro Woche im Semester und vollen Einsatz während der Vorlesungsfreien Zeit (natürlich als "Semesterferien" bezeichnet) erfordern.
Das immerhin entlastet die Geisteswissenschaften. Denn die laut MM mit Forderungen der Profs von bis zu 2000 Euro pro Tag dotierten Jobs, mit denen sich jährliche Zusatzeinnahmen von 1,5 Millionen erzielen lassen, können nur in den WiWis und den Natur- und Mathematikwissenschaften (und da nur eingeschränkt) vorkommen. Das deckt sich auch mit meiner persönlichen Erfahrung an der Uni Tübingen. Dazu kommt, dass hier mit Sicherheit wieder der übliche mediale Kardinalsfehler begangen wurde, die Anwesenheit in Uni und Schule mit Arbeitszeit gleichzusetzen. Als ob Professoren, Lehrer und anderes Bildungspersonal nicht auch zuhause arbeiten würden!

Kommentare:

  1. Hallo,

    Ich halte das Herumgerede über faule Professoren für nahezu reinen Humbug. Man sollte wissenschaftliche Leistung nicht in exakter Arbeitszeit berechnen, und es zählt die wissenschaftliche Leistung, nicht die Zahl der Anwesenheitsstunden. Und Deutschlands Wissenschaftler haben schon ganz schön viel geleistet, da finde ich es einfach nur albern, mit dem Argument Faulheit zu kommen.

    Man sollte mal eher die Frage stellen: Sind nicht diejenigen faul, die als Fabrikeigentümer und Eigentümer von Discounter-Ketten von der Arbeit ihrer Untertanen leben? Denn unsere Superreichen, die sind gemessen an dem Einsatz ihrer persönlichen und eigenen Arbeitszeit extrem faul. Man überlege sich, welchen Stundenlohn ein Superreicher erzielt, in diesem Bereich würde ich schon eher mal (möglicherweise ein bisschen polemisch) von Faulheit sprechen wollen.

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  2. Volle Zustimmung. Ich sagte ja, mit meiner universitäten Erfahrung deckt sich das gar nicht, und das MM bleibt sehr vage in seinen Ausführungen. Ich schließe einfach von den Tests, die sie gemacht haben und vom generellen Milieu, dass die mehr bei den WiWis geschaut haben, und da habe ich verständlicherweise nur wenig Anschauungsmöglichkeit.

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