Montag, 5. Februar 2007

Geschichtsfälschung bei der jungenWelt

In einem Artikel zum Thema "Mahnmal für gefallene Bundeswehrsoldaten" stellt die jungeWelt die Behauptung auf:
Ein Soldat läßt sich angeblich lieber totschießen lassen, wenn er weiß, daß sein vergoldeter Namenszug später eine Marmortafel am Reichstag ziert.

Das ist wahre militärische Tradition, die es so in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR nicht gab. Da existierte in Berlin, Unter den Linden, zwar das Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Militarismus – ein Denkmal für im Kriegseinsatz gefallene Soldaten gab es aber nicht. Das war auch nicht nötig, denn die NVA war die einzige Armee in der deutschen Geschichte, die keinen Krieg geführt hat, geschweige denn einen Angriffskrieg.
Mir als Historiker dreht sich dabei der Magen um. Sicherlich hat die NVA während der Zeit ihres Bestehens niemanden angegriffen, aber das hat die Bundeswehr auch nicht. Auch gab es in der BRD kein Mahnmal. Schon allein deswegen ist der Vergleich unzulässig. Aber auch, wenn man die Prämisse, Deutschland habe in Afghanistan an einem Angriffskrieg teilgehabt (der ich unter Einschränkung zustimmen kann) gelten lässt, bleibt die NVA-Geschichte sicherlich nicht makellos: schließlich handelte es sich bei ihr um ein repressives Instrument, das bewusst an die militärischen Traditionen Preußens anknüpfte und außerdem an vielen Akten der Unterdrückung Teil hatte; sei es beim Mauerbau 1961 oder beim Prager Frühling 1968, wo NVA-Truppen in der Tschecheslowakei einmarschierten. Nun der NVA die Rolle der passiven, friedenssichernden Macht auf den Leib schneidern zu wollen, die sich gerade die Bundeswehr zuzulegen versucht, zeugt von einer ganz bestimmten Art von Arroganz und Rückwärtsgewandheit, die sich leider immer noch bei einem großen Teil der Linken findet. Es steht zu hoffen, dass das unselige Erbe all der kommunistischen Kaderparteien, repressiver Ostblockstaaten und ostalgischer Vergangenheitsverklärung endlich überwunden wird.

Kommentare:

  1. Nun die Frage die der SChreiber aufwirft ist doch ob die Begründung, dass unsere Landesverteidigung auch in Afgahnistan, Kosovo ... bedroht ist als Begründung für internationale Einsätze ausreicht. Die Frage in wie weit wir uns hochmütig für die Demokratisierung andere länder einsetzen dürfen ist ein offene ohne klare Antwort. Die Amerikaner gehen hierbei bis zur Intervention. Die Deutschen beteiligen sich momentan als Schuzpolizei... die Antwort hierauf ist nicht eindeutig.
    Allerdings finde ich die Tatsache die, Vergleiche zwischen staatl. Armeen aufgrund von Einsatzzahl, Opfern.... zu begründen als Scwachsinn. Schließlich geht es nicht um die Quantität sondern die Qualität, also die verwerflichkeit der Tat an sich. Es erinnert mich immer wieder an die Zitate die man manchmal auf der Straße hört "Stalin war viel schlimmer als hitler, weil er mehr MEnschen umgebracht hat"...

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  2. Ich halte es mehr als nur gewagt, hier Preußen als Vergleich heran
    zu ziehen. Mir als geschichtsbewußter
    und interessierter Mensch ist noch ziemlich deutlich, dass unter der
    preußischen Flagge das Wort Religionsfreiheit nicht nur eine
    Phrase war. Hier in Deutschland unterliegt man/frau als gläubiger
    Muslim ja schon dem generellen Terrorverdacht und das sage ich als
    Christ! Übrigens sind wir hier im Lande nicht mehr weit vom NS-Staat
    entfernt, soll doch die Bundeswehr auch "polizeiliche Aufgaben" wahrnehmen, geht es hier nach Herren der äußersten Rechten CDU, oder ist das schon die NPD? Ich bin
    mir da noch nicht so sicher, da dreht sich mir der Magen um, und dies als getreuer "Wessi" ;-)

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  3. @Anonym1: Meiner Meinung nach entbehren diese Einsätze jeglicher Grundlage.
    Und Stalin war mit Sicherheit nicht der schlimmere Massenmörder, er nimmt Platz 3 in dieser Galerie der Schrecken ein.
    @Anonym2: Ich bezog mich auf die militärisch-preußischen Traditionen, die ab den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in der DDR eine Rennaissance genossen. Ansonsten gebe ich dir Recht.

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  4. Ja, die Junge Welt, das Kampfblatt der Linkspartei. Ich als Mitglied in der Linkspartei kann mich mit dem Blatt nicht anfreunden. Aber ich bin froh das die Kriegstreiberei von jemanden deutlich kritisiert wird, wenn auch polemisch. Letztendlich ist diese Art der Geschichtsverklärung aber dumm und unnötig.

    Aber: Wer behauptet der USA gehe es bei Ihren Interventionen um eine Demokratisierung lebt dagegen in einer fabrizierten Traumwelt die nichts mit der Realität zu tun hat.

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  5. Na, von dem Vorwurf will ich mich aber flugs distanziert wissen.

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  6. Sorry, das mit den US und den Interventionen ging an anonymous nr.1 ...

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