Dienstag, 8. November 2022

Rezension: Tim Marshall - Prisoners of Geography. Ten Maps That Explain You Everything About Global Politics

 

Tim Marshall - Prisoners of Geography. Ten Maps That Explain You Everything About Global Politics (Hörbuch)

Als Annalena Baerbock 2021 das Amt der Außenministerin antrat, versprach sie einen Wandel der deutschen Außenpolitik hin zu einer "wertebasierten Außenpolitik". Inhärent ist darin eine Ablehnung der sogenannten realistischen Außenpolitik, die ohne jede Werte in staatlichen Sicherheitsinteressen denkt. Eine Ausprägung dieser Denkart ist die Vorstellung von "Geographie als Schicksal", also dass die geographische Lage eines Landes dessen Politik und Geschichte sowie Potenziale maßgeblich bestimme. Tim Marshall ist ein Anhänger dieser These und hat ein Buch vorgelegt, in dem er anhand von zehn Karten die Weltpolitik erklären möchte. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, dass dieser hehre Anspruch nicht nur nicht eingelöst, sondern in einer Flut von Klischees und Banalitäten ersäuft wird.

Montag, 7. November 2022

Ein humorloser Zuckerberg arbeitet mit Meloni an der Lösung der Inflation, indem sie eine Atombombe in Indien bauen - Vermischtes 07.11.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 2. November 2022

Rezension: Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael - Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970

 

Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael - Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970

Ich erinnere mich noch gut daran, im Wintersemester 2006/2007 mein erstes Hauptseminar bei Anselm Doering-Manteuffel belegt zu haben: "Profile der 70er Jahre". Damals war die Erforschung dieser Epoche gerade in den Anfängen. Die Zeitgeschichte hat immer das Problem, dass sie, wenn sie zu nahe an die Gegenwart rückt, nicht nur unter dem fehlenden Zugang zu Quellen leidet (die Sperrfristen der Archive sind unerbittlich), sondern dass zeitgenössische Debatten und Begrifflichkeiten die Diskussionen beeinflussen und verundeutlichen. Zusammen mit Lutz Raphael hat Doering-Manteuffel deswegen schon 2008 den Band "Nach dem Boom: Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970" vorgelegt, der vor allem dazu dient, ein neues Grundgerüst für die Forschung über jene Epoche aufzubauen. Natürlich sorgte der Band in der Fachgemeinschaft für rege Diskussion, und so überarbeiteten die Autoren ihn und schärften ihre Argumente. Ich habe die dritte Auflage von 2010 gelesen und rezensiere diese hier.

Dienstag, 1. November 2022

Bücherliste September und Oktober 2022

 

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Ich hab den September vergessen, daher hier eine Kombo-Liste.

Diesen Monat in Büchern: Untergang Roms, Russische Geheimdienste 1990-2010, NATO-Osterweiterung, Escape into Meaning, Palästina im Zweiten Weltkrieg, Neil Gaiman's Death

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: -

Montag, 31. Oktober 2022

Faust gibt Sahra Wagenknecht in der Deutschklausur Abzug, weil sie von Sebastian Kurz ein Alternativszenario für den Iran abgeschrieben hat - Vermischtes 31.10.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Ein Jahr "wertebasierte Außenpolitik" - was bleibt?

 

Mit dem Antritt der Ampelkoalition und Außenministerin Anna-Lena Baerbock führte die deutsche Außenpolitik zumindest einen rhetorischen Richtungswechsel durch. Ab sofort sollte sie "wertebasiert" sein; Baerbock selbst spricht meist von "feministischer" Außenpolitik, was viele Überschneidungen, aber keine Übereinstimmung bedeutet. Angesichts der Zeitenwende seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und nach einem Jahr Ampel-Koalition ist es Zeit, eine Bestandsaufnahme dieser Ansprüche vorzunehmen. Ich will dabei zuerst eine Annäherung versuchen, was wertebasierte Außenpolitik überhaupt sein soll, dann ihre Potenziale und schließlich die Realität untersuchen.

Montag, 24. Oktober 2022

Klingbeil, Youngkin und Thatcher sprechen in Polen ein Machtwort und bekennen sich zu radikalen Verfassungsgerichten - Vermischtes 24.10.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Freitag, 21. Oktober 2022

Das Ende der demokratischen Mehrheit ist in Sicht

 

Im November wird in den USA gewählt. Wie alle zwei Jahre steht die komplette Neuwahl des Repräsentantenhauses sowie die Neuwahl eines Drittels der Senatssitze an. Da die Wahl nicht mit einer Präsidentschaftswahl zusammenfällt, sondern zur Halbzeit einer Präsidentschaft stattfindet, spricht man von den Midterm-Elections oder kurz Midterms. Die Partei, die das Weiße Haus kontrolliert, verliert hier so gut wie immer Stimmen - seit dem frühen 20. Jahrhundert konnte die Präsidentenpartei ihren Anteil nur dreimal steigern; in allen anderen Wahlen verlor sie. Oft genug erheblich. Zuletzt büßten die Republicans 2018 in der "blauen Welle" ihre trifecta, die Kontrolle aller Gewalten (Präsidentschaft, Repräsentantenhaus, Senat und Supreme Court) ein. 2014 verlor Obama den Senat, nachdem er 2010 in einem der größen blowouts aller Zeiten das Repräsentantenhaus verloren hatte. 2006 war Bush seine eigene Mehrheit verloren gegangen. Auch für Präsident Biden stehen die Chancen um einen Erhalt der eigenen, ohnehin hauchdünnen, Mehrheit schlecht.

Dienstag, 18. Oktober 2022

Lehrer von der FDP spielen mit Elon Musk Brettspiele und kalkulieren mit Fukuyama und Truss pädophile Milieus durch - Vermischtes 18.10.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Sonntag, 16. Oktober 2022

Rezension: Kyle Harper - Fate of Rome: Climate, Disease, and the End of an Empire

 

Kyle Harper - Fate of Rome: Climate, Disease, and the End of an Empire (Hörbuch)

Spätestens seit Edward Gibbon lässt die Frage, warum das Römische Reich fiel, die westliche Welt nicht los. Zu faszinierend ist das Narrativ von Zivilisation und Dekadenz, von Hochkultur und Niedergang. Allzu offensichtlich ließen sich Parallelen zur stets als prekär empfunden eigenen Lage ziehen, im deutschen Sprachraum am bekanntesten in Oswald Spenglers "Untergang des Abendlands". Die moralisch überhöhten Untergangsnarrative hat die Forschung (wenngleich nicht die populäre Wahrnehmung) mittlerweile glücklicherweise hinter sich gelassen. Trotzdem bereitet der Untergang als Ereignis immer noch zahlreiche Fragen. Kyle Harper legt mit diesem Buch eine neue These vor, die er explizit als komplementär zu bestehenden Argumentationen sieht, für die er aber zuversichtlich einen erhöhten Erklärungsbedarf sieht: das Römische Reich fiel, weil es ihm nicht gelang, ein Gleichgewicht zwischen Ausbeutung und Natur zu schaffen. Es war eine Kombination aus Viren und Klimakrise. Es ist eine starke These, aber es dürfte unbestreitbar sein, dass dies bisher in Narrativen über den Untergang des Reiches keine große Rolle gespielt hat.

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Bei Netflix nichts Neues

 

Seit 1979 ist der weltberühmte Roman "Im Westen nichts Neues" nicht mehr verfilmt worden. Zuvor war der Stoff 1930 in einer oscarprämierten und mindestens ebenso berühmten (wenngleich in meinen Augen völlig überschätzten) Version verfilmt worden. Nun hat sich Edward Berger des Stoffes angenommen und für Netflix mit einem Budget von immerhin 16 Millionen Euro verfilmt. Dafür bekommt man eine Folge "House of the Dragon" und immerhin rund 57 Minuten "Herr der Ringe - Die Ringe der Macht". Aber für eine deutsche Produktion ist das ein ordentliches Preisschild, und die Produzierenden gehen auch entsprechend hausieren. Der Film ist der deutsche Beitrag für die Oscar-Verleihung, und niemand macht einen Hehl daraus, dass man den Auslandsfilm-Oscar gewinnen möchte. Darin liegt auch der Grund, dass der Netflix-Film in Deutschland in ausgewählten Kinos läuft - was mir wiederum die Chance gegeben hat, ihn zusammen mit rund 140 Schüler*innen im eigens reservierten Kinosaal anzusehen. Es ist eine Erfahrung, auf die ich lieber verzichtet hätte.

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Rezension: Andrei Soldatov - The New Nobility: The Restoration of Russia's Security State and the Enduring Legacy of the KGB

Andrei Soldatov - The New Nobility: The Restoration of Russia's Security State and the Enduring Legacy of the KGB (Hörbuch)

Der russische FSB genießt einen schier legendären Ruf, der zu guten Teilen auf einer langen Traditionslinie beruht: der gefürchtete zaristische Geheimdienst stellte sich nach 1917 lückenlos als NKWD in die Dienste der kommunistischen Diktatur und wurde bald darauf in den KGB umstrukturiert, der nicht nur ein Repertoire an Antagonisten für James Bond zu stellen wusste, sondern auch für das Funktionieren der Diktatur unabdingbar war. Über 200.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen und vermutlich Millionen Zuträger*innen schufen den Polizeistaat der Sowjetunion. Unter Jelzin gab es Versuche, den KGB zu entmachten und demokratischer Kontrolle zu erstellen. Doch bald waren diese beendet, und 2000 übernahm mit Wladimir Putin der ehemalige Chef des nun in FSB umbenannten Geheimdiensts das höchste Amt im Staat. Er belohnte seine Weggefährten fürstlich: ein neuer Adel entstand, der dem vorliegenden Buch von Andrei Soldatov den Namen gegeben hat.

Montag, 10. Oktober 2022

Afghanische Libertäre hängen beim Diskutieren konföderierte Flaggen in ihre Rettungsschiffe - Vermischtes 10.10.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Dienstag, 4. Oktober 2022

Faschistische Boomer im Senat reden über Kontonummern und Kalte Kriege im woken Armee-PkW - Vermischtes 04.10.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 26. September 2022

Die New York Times tröstet die Inflation der Agenda2010 und beschwert sich über die Verschwörungen der Klimaschützer*innen - Vermischtes 26.09.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Donnerstag, 22. September 2022

Rezension: M. E. Sarotte - Not one inch. America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate

 

M. E. Sarotte - Not one inch. America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate (Hörbuch)

In der Krise um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022/23 brachten die Gegner*innen einer Sanktionspolitik gegenüber Russland und Unterstützungspolitik für die Ukraine häufig das Argument vor, dass die NATO zumindest eine Mitschuld an dem russischen Angriff trage, da sie durch ihre Osterweiterung und damit eine Verschiebung der strategischen Peripherie nach Russlands Grenzen hin einen sicherheitspolitischen Druck erzeugt habe, den Moskau durch eigene Handlungen erleichtern zu suchen müsste. Sie beklagen das Verpassen einer Chance, Russland in eine europäische Sicherheitsarchitektur einzubunden. Ich habe über den Mythos, dass die Osterweiterung der NATO gegen Versprechen des Westens während des Falls des Eisernen Vorhangs verstoßen habe, schon einmal thematisiert. M. E. Sarottes Buch war nun eine willkommene Gelegenheit, um sich näher mit dieser Epoche und der Diplomatie darin zu beschäftigen.

Montag, 19. September 2022

Ehrgeizige grüne linke Datenschützer*innen versuchen versuchen heimlich Sanktionen im texanischen Debattenclub durchzubringen - Vermischtes 19.09.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 14. September 2022

Rezension: Evan Puschak - Escape into Meaning

 

Evan Puschak - Escape into Meaning (Hörbuch)

Evan Puschak ist den einen oder anderen vielleicht als "The Nerdwriter" bekannt, einem YouTube-Kanal, in dem er in kurzen Video-Essays über Kunst und Popkultur spricht und von Shakespeare-Sonetten über Picasso hin zu Superman alle möglichen Themen mit ruhigem, persönlichem und sehr kenntnisreichem Blick analysiert. Puschaks Stil ist die Konzentration auf einzelne Elemente, die er dafür in großer Tiefe analysiert, und ein großer Schatz an intertextuellen Referenzpunkten, mit denen er die Kunst einerseits mit Bedeutung versieht und andererseits interessant macht. Nun hat er ein Buch geschrieben, in dem er ihn zehn Essays verschiedene (bestenfalls grob verknüpfte) Themen bespricht. Ich habe mir natürlich das Hörbuch besorgt, das er selbst liest, denn ich möchte seinen bestechenden Stil nicht missen.

Dienstag, 13. September 2022

Liberale Elfen versuchen Kriminelle in Florida mit e-Zigaretten und iPads zu verhaften - Vermischtes 13.09.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 12. September 2022

Rezension: Dan Diner - Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935-1942

 

Dan Diner - Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935-1942

Wir haben sowohl hier in Deutschland als auch im Westen allgemein einen verzerrten Blick auf den Zweiten Weltkrieg. Wir Deutschen betrachten ihn meist mit uns selbst als Zentrum: Westfeldzug, Barbarossa, die Peripherie mit Balkan, Nordafrika (exotisch!) und Griechenland. Jahrzehnte triumphaler popkultureller US-Einflüsse haben uns außerdem sattsam mit dem Unternehmen Overlord und Market Garden gemacht. Dan Diner will von diesen wohlausgetretenen Narrativen nichts wissen. Stattdessen stellt er das jüdische Palästina in den Zentrum seiner Betrachtung der Jahre 1935 bis 1942, die auch nicht eben die übliche chronologische Einordnung des Zweiten Weltkriegs sind. Dafür gibt es gute Gründe, denn dieser Fokus ermöglicht ihm einen faszinierenden Blick auf diesen Konflikt und seine Auswirkungen, der wenig mit den eher deutschzentrischen Sichtweisen, an die wir gewöhnt sind, zu tun haben.

Donnerstag, 8. September 2022

Rezension: Neil Gaiman - Death

 

Neil Gaiman - Death

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir völlig entgangen ist, dass es neben der eigentlichen Sandman-Saga und "Overture" auch noch weitere Anthologien gibt. Die erste davon habe ich jetzt durch. Wie der Name schon sagt, beschäftigt sie sich mit dem wohl populärsten Nebencharakter des Epos, Traums Schwester Tod. Das als freches Goth-Girl auftretende ewige Prinzip hat die Aufgabe, beim Tod von Lebewesen dabei zu sein und diese vom einen zum anderen Zustand zu begleiten. Ohne sie gäbe es kein Vergehen, nur ein Werden. Als anthropomorophe Verkörperung des Todes wird sie natürlich ständig gefragt, warum man sterben muss und warum das Leben nicht fair ist. Dieselbe Verkörperung gibt Gaiman Gelegenheit zu versuchen, genau diese Fragen zu beantworten oder sich ihnen zumindest anzunähern.

Montag, 5. September 2022

Bücherliste August 2022

 

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Diesen Monat in Büchern: Superhelden, Mittelalter, Christliche Nationalisten, Holocaust

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: Geldpolitik, Kinder und Politik

Donnerstag, 1. September 2022

Julian Reichelt verbrennt Gas im ungarischen Rechnungshof und fordert einen Marshallplan für chinesische Bildung in der ARD - Vermischtes 01.09.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Dienstag, 30. August 2022

Rezension: Annika Brockschmidt - Amerikas Gotteskrieger. Wie die Religiöse Rechte die Demokratie gefährdet

 

Annika Brockschmidt - Amerikas Gotteskrieger. Wie die Religiöse Rechte die Demokratie gefährdet

Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, dieses Buch zu lesen, weil ich das Gefühl hatte, über die Thematik weitgehend informiert zu sein. Über die völlig überdrehte Debatte zu Brockschmidts Herangehensweise hatte ich ja einen Beitrag geschrieben. Aber ich hatte die Gelegenheit, und die macht bekanntlich Lesende. Also habe ich mir das Werk vorgenommen. Die zentrale These des Buchs findet sich bereits im Titel: Radikale rechte Christen gefährden die amerikanische Demokratie. Dass es in diesen Kreisen demokratieverachtende Extremisten gibt, ist sicherlich unbestritten; fraglich und umstritten ist vielmehr, wie relevant diese Gruppierung ist und wie viel tatsächlichen Einfluss sie ausübt. Je nachdem, wo man sich in dieser Debatte sieht, stellt Brockschmidts Buch einen dringend notwendigen Weckruf oder hysterische Überreaktion dar. Ich will in dieser Rezension versuchen, dieser Frage ein wenig auf den Grund zu gehen und den Versuch einer Einordnung zu unternehmen.

Montag, 29. August 2022

Liz Cheney gründet mit Robert Habeck die Sowjetrepublik Lichtenhagen und wird von Leistungsträgern beim FBI in die Stadt geschickt - Vermischtes 29.08.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 24. August 2022

Die Gratismentalität des Finanzministers

 

Mehrere Monate lang war es still um die FDP, als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine vor allem Sicherheits- und Energiepolitik ins Zentrum rückte, die beide nicht in das Portfolio der Partei fallen. Ich habe an dieser Stelle immer wieder darauf hingewiesen, dass sich das wieder ändern wird, sobald Themen aus den FDP-geführten Ministerien die Agenda bestimmen. Und wer hätte es gedacht (Fangfrage: alle), genau das ist der Fall. Es ist wohl ein Symptom für die auch nach Merkel immer noch beherrschende Unernsthaftigkeit der deutschen Politik, dass ausgerechnet das 9€-Ticket Lindner wieder ins Scheinwerferlicht katapultierte. Aber das Thema ist, wie auch die Debatten hier im Blog gezeigt haben, dermaßen identitätspolitisch aufgeladen, dass Lindner kaum daran vorbeigehen konnte. Stattdessen sprang er mit beiden Füßen hinein. Ich will versuchen, die Geschichte auf zwei Ebenen zu besprechen: einmal der Politics-Ebene, auf der auch der ganze identitätspolitische Unfug, die möglichen Auswirkungen auf Wahlchancen und so weiter vonstatten gehen, und einmal die Policy-Ebene, wo wir darüber sprechen, welche Ziele hier eigentlich verfolgt werden sollen und welche konkreten Policies dahinterstehen. Es sei den geneigten Lesenden überlassen zu beurteilen, wie gut mir das gelingt.

Dienstag, 23. August 2022

Die FDP versucht vom Klassenzimmer aus Twitter abzuschalten und eine Übergewinnsteuer für Schlesinger in Florida einzuführen - Vermischtes 22.08.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 22. August 2022

Rezension: Aus Politik und Zeitgeschichte - Geldpolitik

 

Aus Politik und Zeitgeschichte - Geldpolitik

Geldpolitik läuft für mich unter "das wichtigste Thema, von dem du viel zu wenig verstehst", weswegen eine Ausgabe der APuZ gerade recht kommt, um einige Lücken aufzufüllen und neue Erkenntnisse zu vermitteln. Mit 64 Seiten anstatt der üblichen 48 ist das Heft reichlich umfangreich geraten, und ich will gar nicht zu viel Zeit verlieren und direkt mit der Besprechung loslegen.

Den Einstieg macht Carolin Müller mit ihrem Aufsatz "Politische Theorie des Geldes". Gleich zu Beginn wird deutlich, was Geldpolitik so kompliziert macht: es gibt keine allgemein anerkannte Theorie des Geldes. Je nachdem welcher man folgt, was man also glaubt, das Geld eigentlich ist und woher es kommt, wird man zu radikal unterschiedlichen Schlüssen kommen. Müller gibt im Überblick einige der wichtigsten Theorien wieder.

Freitag, 19. August 2022

Rezension: Aus Politik und Zeitgeschichte - Kinder und Politik

 

Aus Politik und Zeitgeschichte - Kinder und Politik

Kinder stellen in der Politik üblicherweise eine Leerstelle oder ein Objekt dar. Es wird zwar vielleicht über sie gesprochen oder "für" sie Politik gemacht, aber sie sind kein handelndes Subjekt im politischen Geschehen. Das setzt voraus, dass Kinder in der Politik überhaupt gedacht werden; nicht zuletzt in der Pandemie war allzu offenkundig, dass sie praktisch gar keine Rolle spielen und hauptsächlich als Störfaktoren gesehen werden, so man an sie dachte. Diese Besonderheit erkennt man bereits im antiquierten Bild eines Ministeriums für "Familie, Frauen, Senioren und Jugend", das diese Gruppen als spezifische Klientel denkt, die mit dem Rest nichts zu tun hat. Im vorliegenden Band ist das anders; hier wird explizit das Kind in den Mittelpunkt politischen Handelns und Denkens gestellt.

Donnerstag, 18. August 2022

Die Lust zu strafen

 

"Strafe muss sein", sagt der Volksmund. Nichts mögen Menschen so sehr, wie andere für echte oder vermeintliche Normenverstöße zu bestrafen, außer vielleicht, anderen genau das vorzuwerfen (ob Reichtum, ob Armut, irgendwas wird ja immer bestraft). Eine komplette Untersektion unseres Rechtssystems nennt sich bereits "Strafrecht", in Abgrenzung von solchem Recht, das der Lösung von Konflikten dient. Ich habe zu wenig psychologische Kenntnisse um verlässlich herausarbeiten zu können, warum das Bestrafen uns Menschen so wichtig ist, aber es lässt sich verlässlich durch die Geschichte verfolgen, solange uns unsere Aufzeichnungen tragen. Wir sind dabei im historischen Vergleich milde geworden. Nicht umsonst sind "drakonische" oder "mittelalterliche" Strafen mittlerweile verpönt. Die Vorstellung, dass Verbrechen durch öffentliche Verstümmelungen gesühnt würden, ist glücklicherweise auf dem großen Misthaufen der Geschichte verschwunden (wenngleich sie dort nicht bleiben muss; Robert Heinlein hat ihre triumphale Rückkehr in seinen Science-Fiction-Vorstellungen verarbeitet). Trotzdem bleibt es uns eine Notwendigkeit, Strafen auszugeben. Wo das nicht geschieht, ist unser Rechtsempfinden gestört, gleich ob es sich um vergessene Hausaufgaben, Handtaschendiebstahl oder Mord handelt. Dabei wäre es an der Zeit, diese Lust am Strafen zu reflektieren und abzulegen. Sie ist nämlich für unser Gemeinwesen mehr als schädlich.

Mittwoch, 17. August 2022

Rezension: Grant Morrison - Supergods: What Masked Vigilantes, Miraculous Mutants, and a Sun God from Smallville Can Teach Us About Being Human

 

Grant Morrison - Supergods: What Masked Vigilantes, Miraculous Mutants, and a Sun God from Smallville Can Teach Us About Being Human

Superhelden sind spätestens seit Marvels präzendenzlosem Erfolgszug seit 2008 die bestimmenden Gestalten der Popkultur. In der kollektiven Fantasie haben sie mittlerweile die Allgegenwärtigkeit von "Cowboys und Indianern" erreicht, die für über ein Jahrhundert ubiquitär waren. Superhelden gibt es mindestens seit dem Debüt des Manns aus Stahl 1938, das allgemein als Startpunkt genannt wird, und sie machten in ihrer Geschichte seither mehrere Evolutionen durch. Diese Evolutionen erzählt Grant Morrison, selbst berühmter Comicautor, in seinem vorliegenden Werk nach - ebenso wie er den Versuch unternimmt, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Unterbewusstsein nachzuvollziehen.

Dienstag, 16. August 2022

Friedrich Merz nimmt den mit dem Digitalpakt finanzierten Bus zu Iron Man und beschwert sich auf der Fahrt bei Putin über die Inflation - Vermischtes 16.08.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 15. August 2022

Rezension: Thomas Sandkühler - Das Fußvolk der »Endlösung«. Nichtdeutsche Täter und die europäische Dimension des Völkermords. »Aktion Reinhardt«: die Rolle der »Trawniki-Männer« und ukrainischer Hilfspolizisten

 

Thomas Sandkühler - Das Fußvolk der »Endlösung«. Nichtdeutsche Täter und die europäische Dimension des Völkermords. »Aktion Reinhardt«: die Rolle der »Trawniki-Männer« und ukrainischer Hilfspolizisten

Obwohl der Holocaust wohl eines der best-rezipierten Themen der deutschen Geschichte ist, gibt es in der Forschung immer noch zahlreiche Leerstellen und Unklarheiten. Dazu kommt, dass die Interpretation des Holocaust großen Änderungen unterworfen ist, die von der Öffentlichkeit nicht immer nachvollzogen werden - zumindest nicht auch nur annähernd in der Geschwindigkeit, in der die Forschung voranschreitet. Obwohl etwa die Bedeutung des Teils des Holocaust, der sich außerhalb der Vernichtungslager durch Erschießungen und andere direkte Gewalt vollzog - immerhin etwa die Hälfte der Morde - in der Forschung seit den 1990er Jahren stark in den Fokus gerückt ist, bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch die Rampe von Birkenau und mit ihr die Vorstellung eines industriellen, organisierten, effizienten Massenmords vorherrschend. Dazu gehört auch eine kuriose Entfernung von den eigentlichen Taten: die deutsche Rezeption legte in der Forschung und legt noch immer in der Öffentlichkeit großes Gewicht auf die "Schreibtischtäter" und die Bürokratie des Terrors, die das spezifisch Deutsche des Holocaust gut zu unterstreichen scheinen - einerseits seine Singularität in der Industralität, andererseits die Effizienz, die mit dem deutschen Selbstbild auf geradezu perverse Art zusammenpasst. Tatsächlich legten die Nazis Wert darauf, die Drecksarbeit nach Möglichkeit andere für sich machen zu lassen. Auf dieses "Fußvolk der Endlösung" legt Thomas Sandkühler im vorliegenden gleichnamigen Band seine Aufmerksamkeit.

Donnerstag, 11. August 2022

Weil Larry Summers im ländlichen Amerika keine Autobahnen baut und mit Gas heizt gibt es keinen Frieden in der Ukraine - Vermischtes 08.08.2022

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Bücherliste Juli 2022

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Diesen Monat in Büchern: Große Koalition, Anthropozän, Maus, Sandman, Verfassungsgeschichte, Deng Xiaoping

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: Rente