Donnerstag, 1. März 2007

Märtyrer oder Teufel, die Stilisierung nimmt bedrohliche Ausmaße an

Christian Klar und kein Ende. Nachdem die letzten Tage den Rechten gehörten, die mit Phrasen jenseits jeden Niveaus auf Klar eindroschen, schießt nun die Linke zurück - nicht minder giftig, heuchelnd und voller Unfug. Da wird wieder die Legende von der Isolationshaft ausgepackt und mit vollem Ernst von der Vorbereitung der Folter gesprochen, wo selbst Gerd Koenen von Haftverhältnissen wie in einer WG spricht, da wird die "Stadtguerilla" verherrlicht und der Gegner zu diffamieren versucht, als würde jede Sekunde Uschi Obermaier zur Türe hereinkommen (alles hier). Nicht fehlen darf natürlich die Kriegserklärung an "die bürgerliche Demokratie", als ob es die noch gäbe.
Nicht Unrecht hat die Linke natürlich, wenn sie die verbarrikadierte Stellung der Hardliner angreift, die über jeden rechtsstaatlichen Grundsatz hinweg die Festsetzung Klars für immer betreibt. Man vermisst eher ausgewogene, wenig hysterische Artikel wie diesen, die die Debatte einfach langsam niedergehen lassen würden. Stattdessen wird Klar zu einem Schlachtfeld der Ideologien, wird ein verspäteter Straßenkampf zwischen 68ern auf der einen und Rechten auf der anderen Seite ausgetragen, so dass man glatt glauben könnte, nicht nur Klar wäre in einer rückwärtsgewandten Sicht verfangen, die ihresgleichen sucht.
Richtig problematisch sind aber nicht die Rechten und Linken, die offensichtlich an Realitätsverlust leiden, sondern der Verfall derer, die sich selbst liberal schimpfen und grob rechtsstaatgefährdenden Praktiken Vorschub leisten.

Kommentare:

  1. Für mich ist Klar weder das eine, noch das andere. Er hat gemordet, dafür sitzt er in Haft. Wenn davon auszugehen ist, dass er keine weiteren Straftaten dieser Art begehen wird, sind Hafterleichterung und letztlich auch Freilassung zu gewähren. Die öffentliche Hatz aus Medien und Politik gegen Klars Kapitalismuskritik ist beschämend für einen Staat, der sich freiheitlich-demokratisch nennt und stößt die Tür auf in Richtung Gesinnungsstrafrecht. Während die Religionsfreiheit gewährleistet werden soll, ist Gesinnungsfreiheit oder gar Kritik am neoliberalen Kapitalismus offenbar verboten.

    Gruß

    Alex

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  2. Klars Grußwort ist seine Sache, auch wenn eine klare Distanzierung von Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele fehlt.
    Was aber jetzt Inge Viett und andere im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion geschrieben hat, ist wirklich überhaupt nicht mehr akzeptabel. Dass viele Politiker hier versucht haben, mit populistischen Äußerungen Stimmung zu machen, ist ja sicher nicht ganz falsch. Wer aber gezielten Mord verharmlost und verherrlicht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. In der ganzen Diskussion vermisse ich zudem ganz klar eine Hinwendung zu den Opfern. Es wird viel zu viel über die Täter geredet und jeder Quatsch wieer und wieder breitgetreten.

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  3. "Wenn davon auszugehen ist, dass er keine weiteren Straftaten dieser Art begehen wird, sind Hafterleichterung und letztlich auch Freilassung zu gewähren."
    Geht es aber nicht auch darum das Klar zeigen muss das er auch die Gnade verdient?Und seine Morde hatten politische Beweggründe und waren nicht "einfache" Morde. Es geht nicht darum ob er ein sehr schlechtes Grußwort verfasst hat sondern darum ob er seine Taten berreut. Und davon ist absolut nichts zu sehen. Klar legt weder andere Morde offen, entschuldigt sich oder wendet sich von der Gewalt klar ab. Natürlich wird jetzt das Argument kommen, dass man in dieser Zeit seine Taten bereut hat. Schön und gut trifft in vielen Fällen zu, aber gerade in letzter Zeit sieht man doch oft Kinderschänder die in Haft waren und genau gleiche Taten wieder begangen haben. Und gerade in diesem Fall wo das OLG Stuttgart einen schwerwiegenden Fall erkannt hat sollte doch die Reue überprüft werden. Erst dann kann über eine Freilassung diskutiert werden.

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  4. 1) Es ist davon auszugehen - das sagen alle Gutachten - dass Klar nicht mehr morden wird.
    2) Ansonsten hast du sicher Recht. Was hier kritisiert wird ist ja auch nur die Instrumentalisierung der Grußbotschaft.

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  5. 1) Es ist davon auszugehen - das sagen alle Gutachten - dass Klar nicht mehr morden wird.
    Die Gutachten sind aber nur zur Haftlockerung. Aber es geht ja nicht nur darum das er weiter morden wird (wovon ich selber nicht ausgehe), sondern auch ob er eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Und das muss nicht nur durch Morden passiern. Warum hat den deiner Meinung nach Klar die vorzeitige Entlassung verdient?Ich persönlich fände eine Haflockerung ok und dann soll er seine Haftstrafe vollens absitzen. Wenn man anfängt und Personen vorzeitig entlässt, die auch wg schwerwiegenden Fällen vorzetig entlassen werden, kann jeder andere Verbrecher, der wg weniger schweren Fällen vorzeitig entlassen werden. Und das ist nicht der Sinn einer Haftstrafe.
    Zudem muss ich noch eins loswerden. Ich finde es schwachsinnig über dieses Grußwort zu reden. Viele Linke forden eine Freilassung, wenn auch ohne klar ersichtlichen Gründen. Sollte nun aber ein Ex-Nazi so ein solch ein Grußwort schreiben, die ideologisch und politisch nicht sehr klug sind (wie bei Klar), würde jeder eine längere Haftstrafe fordern.

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  6. Ich bin auch nicht zwingend für eine frühere Freilassung, weil er es irgendwie "verdient" hätte. Aber sowas verdient man sich auch nicht, das wird gemacht oder eben nicht. Ich fände es gut, weil man dann endlich einen Schlussstrich ziehen könnte.

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