Montag, 9. April 2007

Egraut, vergessen

Ein Bild hängt an der Wand, ergraut und verstaubt. Es zeigt Ostermärsche in den 1980er Jahren, tausende von Menschen gegen Reagan, Kohl und den NATO-Doppelbeschluss, gegen die Rüstung, für den Frieden. Schnitt.
Der gestrige Ostermarsch in Bremen brachte ganze 150 Menschen auf die Straße, fast alle deutlich über 50, ihre Anführer haben die 70 überschritten. Über Megaphone versuchen sie Aufmerksamkeit zu erreichen, sie reden vom imperialistischen Europa, vom Neoliberalismus, vom Neuaufbau der KPD. Ein wirrer Mix aus aktuellen Problemen und Projekten der Vergangenheit, die bereits vor 40 Jahren scheiterten. Sie fühlen sich verraten, verraten von der taz und den Grünen, zurecht. Sie fühlen sich als Speerspitze der Friedensbewegung, des Aufstands der Anständigen, zu unrecht. Die KPD, die sie wieder aufbauen wollen, hat ihren Lebenshauch bereits anfang der 1950er Jahre verloren, und alles was später kam waren Todeszuckungen, letztes Aufbäumen einer zum Untergang verdammten Idee.
Die gestrigen Demonstranten sind so ein vergreisendes, vergilbendes und verstaubtes Denkmal jener Zeit. Wenn man sie überhaupt wahrnimmt, so schüttelt man den Kopf über sie, belächelt sie. Die Zeit heute ist eine andere. Die Repräsentanten der alten sterben aus.

Kommentare:

  1. "und alles was später kam waren Todeszuckungen, letztes Aufbäumen einer zum Untergang verdammten Idee.
    Die gestrigen Demonstranten sind so ein vergreisendes, vergilbendes und verstaubtes Denkmal jener Zeit. Wenn man sie überhaupt wahrnimmt, so schüttelt man den Kopf über sie, belächelt sie. Die Zeit heute ist eine andere. Die Repräsentanten der alten sterben aus."


    Könnte von der Wortwahl her auch in einem neoliberalen Blog über Anhänger der sozialen Marktwirtschaft oder des gebührenfreien Studiums stehen, oder?

    Gruß,
    Volker

    AntwortenLöschen
  2. Damit hast du natürlich Recht. Aber ich bein kein Fan der KPD oder der Kommunisten allgemein, deswegen passt das soweit.
    Was ich mit dem Artikel sagen wollte ist, dass diese traditionelle Form der Ostermärsche eben ausstirbt - dafür entstehen neue Formen des Protests, beispielsweise die Blogs.

    AntwortenLöschen
  3. Ein Witz an der Geschichte ist wohl, das die Grünen in den Achtzigern von der Angst vorm Atomaren Ende der Welt lebten - heute leben sie von der Angst vorm Globalen-Erwärmungs Ende der Welt.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.