Dienstag, 3. April 2007

V wie Niederlage

Ackermanns Victory-Zeichen ist inzwischen zur Ikone einer Generation von Menschen geworden, denen nichts heilig ist - außer dem Geld auf ihrem Konto. Die unverfrorene Frechheit, mit der Politiker wie Manager in Komplizenschaft mit der deutschen Justiz das alte Wort vom Hängen der Kleinen und Laufenlassen der Großen praktizieren, ist kaum mehr erträglich.
Nun steht ein Mann namens Andreas Schmid wegen Steuerhinterziehung von 230 Millionen Euro vor Gericht - der größte derartige Fall in der Geschichte der Republik. Zum Hintergrund: Schmid hinterzig selbst 180.000 Euro Steuern - der Rest wurde für die Anleger mit illegalen Methoden, Banken und Trusts involvierend, auf die Seite geschafft, indem deren Einkommenssteuersätze künstlich gesenkt wurden.
Die Strafmaßforderung der Staatsanwälte: 10 Jahre plus x. Das jedoch lässt den Angeklagten und seine Spitzenanwälte (unter den üblichen Verdächtigen auch der Anwalt Ackermanns) jedoch kalt. Nicht nur, dass Schmids Anwälte das Gericht jeden Tag (!) mit einem Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft terrorisieren - der wegen akuter Fluchtgefahr (!) abgelehnt wird -; rotzfrech und mit der schnoddrigen Arroganz der abgehobenen Elite gegenüber geltendem Recht wird erklärt:
In einer Verhandlungspause sagte Schmids Verteidiger Volk auf die Frage, was ihn an dem Fall reize: "Dass die Staatsanwaltschaft von einer Haftstrafe in Höhe von zehn Jahren plus x ausgeht und wir dagegen einen Freispruch erwarten."
Eigentlich kann man sich nur mit Ekel und Entsetzen abwenden.

Kommentare:

  1. Schön der Link bei der sz zum Kommentar:

    "Dummes deutsches Geld
    Die Deutschen hatten beim Thema Geldanlage schon immer einen zweifelhaften Ruf. Aber auch jetzt trifft er wieder zu: Die Börsenkurse steigen, abkassieren tun die Anderen. Wo sind die Deutschen?"
    http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/283/108175/

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  2. Die Deutschen sind da im Durchschnitt sehr konservativ, d.h. Sparbücher, Lebensversicherungen und nun noch Riester-Rente. Und während sie sich mit 1-3% abspeisen lassen, kassieren die Herren der Geldhäuser locker 10% und mehr. Wie war das noch bei Ackermann mit dem Ziel 25% in jedem Bereich?

    Gruß

    Alex

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  3. Richtig. Wobei diese 25% totaler Irrsinn ist - wo soll das denn herkommen? Das kann nur auf Kosten von anderen geschehen, und zwar nicht in marktwirtschaftlich-konkurrierender, sondern ausbeuterischer Art.

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