Freitag, 19. Januar 2007

Bildung für alle! (die es sich leisten können)

In der jungenWelt hat Professor Armin Bernhard (Pädagogik in Essen) einen Artikel über die neue (neoliberale) Einstellung zum Schulwesen veröffentlicht. Dabei geht es vor allem um die Folgen der vorrangig von der OECD formulierten und von ihren Mitgliedsländern teils gnadenlos umgesetzten Richtlinien und Vorschläge. Nicht nur, dass der Zugang zu Bildung auf vermögende Schichten beschränkt wird, sei es durch Studiengebühren, sei es durch das diskriminierende dreigliedrige Schulsystem, sei es durch die nur eingeschränkte Lernmittelfreiheit. Nein, die Bildung wird auch noch komplett dem Primat des Allesverschlingenden Marktes unterworfen, wodurch die Allgemeinbildung zunehmend abhanden geht und stattdessen zu einer reinen Ausbildung degradiert wird. Dabei sind es vor allem die verschmähten Geisteswissenschaften, die erklären woher wir kommen und wohin wir gehen. Unsere aktive Partizipation an der Welt und ihren Abläufen hängt vom zugänglichen Wissen darüber ab, und darauf legt der neoliberale Konsens nicht den geringsten Wert. Gut zu sehen ist es an diesem Besucherkommentar:
[...]Klar braucht man Sprachen aber diese reichen wohl völlif zur Kommunikation aus.
[...]Versuche mal mit deiner Dramenanalyse oder Lyrikinterpretation Geld zu verdienen... Viel Spass dabei. Wobei ich dir Garantieren kann, dass ich mit einer Unternehmenanalyse und einer Marktinterpretation auf jeden Fall Geld verdiene...
Und das man Zwangsläufig Geld zum Leben brauch steht wohl auch in keinem Zweifel. Bei dem einen oder anderen "Alternatien" den es hier bestimmt auf'm Blog gibt kann das schon anders sein, doch gehen wir davon aus, dass jeder der sich nicht im sozialen Fangnetz ausruht Geld braucht.
Tja, es ist bekannt, dass die Fixierung auf das Materielle aus geringem Selbstbewusstsein und infantilen Zügen basiert.
Zuletzt werden durch das Vordringen der Marktgesetze in die letzten Winkel des alltäglichen Lebens die negativen Werte des Markts eingepflanzt, sei es Egozentrik, sei es Rücksichtslosigkeit.

Kommentare:

  1. Stimme dir zu, ich sehe diese Entwicklung leider an der Uni auch. Es wird gelernt und angeboten um Prüfungen zu bestehen, Prüfungen betreffen den Bereich mit dem man später das Geld verdient. Das alles wird stark komprimiert, einem in fast unverdaulichen Brocken hingeworfen, gleichzeitig wird man von hinten angetrieben "du darfst nicht zu alt sein", "du darfst keine Lücken im Lebenslauf haben", sobald man einen Job hat "du musst dich voll reinhängen, unterordnen, sei froh das du nen Job hast", etc pp.

    Wie kommt man da raus? Ganz einfach. Man stellt sich zwei Fragen:
    a) Was will ich? (Und was brauche ich dazu wirklich?)
    b) Wieviel Geld brauche ich dazu wirklich?

    Ich glaube nicht, das man wirklich mehr als 1500,- Netto zum guten Leben braucht.

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  2. Nö. Ich will ein bisschen mehr, weil das geplante Haus und die drei Kinder leider etwas mehr kosten, aber nicht viel - und mit Erfüllung dieser Wünsche reicht es mir dann auch. Ich habe in den Kommentaren zu "Faule Profs" bereits ähnliche Fragen aufgeworfen, auf die bezeichnenderweise keine Antworten kamen.

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  3. Okay, ich ging von nem Single aus (der ich ja bin). In deinem Fall ist sicher mehr als 1500,- angemessen ;-)

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  4. Das Thema "Bildung" ist echt ein Unendliches, besonders in Deutschland.
    Ich erlebe das an der Uni leider auch Tag für Tag und musste schon zu Schulzeiten das tatsächlich diskriminierende Bildungsystem erdulden. Trotz guter Noten und einzig aufgrund meiner Herkunft sollte ich auf die Realschule gesteckt werden. Ohne die Existenz der Gesamtschule hätte ich meinen Wunsch, Abitur zu machen, nicht verwirklichen können.
    Ich bin sehr skeptisch und glaube nicht, dass wir hierzulande je ein gerechtes Bildunssystem erleben werden..

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  5. Es ist doch klar, wohin es geht. Man schmeisst die Leute aus den Unternehmen raus und belastet damit den Staatshaushalt. Der kürzt und kürzt bis zum Abwinken. So nimmt man den Massen die ohnehin schon kärglichen Fleischtöpfe weg. Mit Barrieren bei der Bildung, bislang vor allem NC, mittlerweile auch Studiengebühren und die schon immer mangelhafte materielle Förderung des Studiums, brennt man die Brücken zu den Fleischtöpfen ab. So verbleiben die einen dauerhaft bei den Fleischtöpfen, die anderen haben dauerhaft keine Chance dorthin zu gelangen.

    Es sei denn, sie rotten sich zusammen, fällen verbotenerweise Bäume, bauen eine neue Brücke, erobern die andere Seite mit den Fleischtöpfen und schlagen den bisherigen Herrschern die Köpfe ab. So wäre es in Frankreich. In Deutschland sagt man "Ist halt so" und schaltet den Fernseher ein.

    Gruß

    Alex

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  6. Nuja... ich finde das dreigliedrige Schulsystem immer noch vollkommen richtig. Alle zusammen zu lassen hält die auf, die mehr aus sich machen wollen.

    Und das 1500 Netto zum guten Leben reichen halte ich für ein Gerücht.

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  7. @Perspektive: Schöne Metapher, trifft es :)
    @Manuel: Kommt halt drauf an, wie man gutes Leben definiert. Wie viel hältst du denn ausreichend?
    Und die Idee der Gesamtschule basiert ja darauf, dass die guten die weniger guten mitziehen und das von dir gewünschte "Abschneiden" bzw. "Zurücklassen" verhindert wird. Ab der achten oder neunten Klasse kommen ja dann die "Guten" weiter.

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  8. Es können aber nicht alle alles gleich gut. Das ist Wunschdenken. Manche können einfach nicht mitzhiehen, weil sie dazu nicht in der Lage sind. Einige lernen schneller als andere, deswegen ist das Schulsystem gut, wenn auch verbesserungswürdig z.B. durch eine bessere vertikale Durchlässigkeit.

    Wieviel zum guten Leben reicht? Weiß ich ehrlich gesagt nicht, ich verdiene noch nichts und kann mir das deshalb schwer vorstellen. Bräuchte ein Auto, müsste Miete zahlen, Anschaffungen, Versicherungen usw... dann könnte ich sowas sagen. Ich kann dir bloß sagen das 1500 nicht reichen. Ich denke nicht einmal das doppelte reicht zum GUTEN Leben.

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  9. Klar - neben der Gesamtschule als solcher braucht es viele Förderungsmaßnahmen, das steht außer Zweifel. Nur bestätigt jede internationale Studie unserem Schulsystem die vollkommene Unfähigkeit, Kinder aus sozial schwächeren Schichten aufzufangen - und die frühe Segregation tut ihr übriges.

    Ich wollte für das "gute" Leben auch keinen Fixbetrag wissen, sondern mehr Stichpunkte was für dich ein gutes Leben ausmacht.

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  10. Die ewige Diskussion um das Schulsystem is sowas von bescheuert! Wie kann man nur im Ansatz denken, dass das bloße übernehmen eines Schulsystems (das bei PISA gut abgeschnitten hat, siehe Schweden) in Deutschland Wirkung zeigen könnte. Hast du schon mal Aufsätze von Hauptschülern gelesen? Da kann von mitziehen nicht die Rede sein. Nene, jeder muss so gefördert werden, wie es seinen Möglichkeiten entspricht, alles andere ist Humbug.

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  11. Da hast du Recht; und ich bin der Meinung, dass eben das in unserem Dreigliedrigen Schulsystem nicht gegeben ist.

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